
Film verstehen: Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie
des Films und der Neuen Medien
James Monaco
Filme zu sehen ist leicht. Da sie Wirklichkeit nachahmen, findet jeder Zugang zu ihrer Oberfläche. Filme zu verstehen ist oft schwierig. Denn sie erzählen in ihrer eigenen Sprache, die zu entschlüsseln ein geschultes Auge verlangt. Je mehr jemand über Filme weiß, desto mehr teilen sie ihm mit. Deshalb dieses Buch. Film verstehen ist international und in Deutschland längst ein Klassiker. Anschaulichkeit der Vermittlung, Sorgfalt der Bebilderung und Klarheit der Argumentation machen auch komplexe Sachverhalte ohne Vorkenntnisse zugänglich.

Was ist Film?
André Bazin
„Der Titel dieser Artikelreihe Was ist Kino? ist nicht so sehr das Versprechen einer Antwort als vielmehr eine Frage, die der Autor auf all diesen Seiten sich selber stellt. Diese Zeilen erheben also durchaus nicht den Anspruch, eine erschöpfende Geologie oder Geographie des Kinos vorzulegen, sondern lediglich, den Leser anläßlich der Filme, die sich dem Kritiker tagtäglich zur Reflexion anboten, auf eine Reihe von Expeditionen, Sondierungen, Überflüge mitzunehmen.” André Bazin
Erstmalig liegt auf deutsch die vollständige und neu übersetzte Fassung des französischen Klassikers vor – der französischen édition definitive, die die vierbändige Ausgabe mit Schriften aus den Jahren 1958 bis 1962 ersetzte. Die Auswahl für diesen Band stammt von Bazins Witwe und François Truffaut, das Vorwort von André Bazin selbst.
André Bazin, hochgeschätzt von Bresson, Buñuel, Carné, Cocteau, Fellini, Langlois, Visconti und Renoir, entwickelte ein neues Filmbewußtsein und wirkte mit seinen Reflexionen auf die Filmgeschichte ein. Ihm ging es um das, was Film aus eigener Kraft und eigenen Mitteln zu leisten imstande ist.
„Das Bild (…) verfügt, gestützt auf einen größeren Realismus, über (enorme) Möglichkeiten der Beeinflussung und Verwandlung der Realität in ihrem Kern.”
André Bazin (1918 bis 1958), bedeutendster französischer Filmkritiker nach dem II. Weltkrieg und geistiger Vater der „Nouvelle Vague”, etablierte mit seinen Texten die Filmkritik in Frankreich als intellektuell hochstehendes Metier. Mit dem Anspruch, eine Filmkritik zu erfinden, die in die Tiefe geht und nicht nur die Handlung bewertet, beginnt er 1943 zu schreiben – und geht mit seinen kritischen Analysen weit über das reine „Sehenswert” bzw. „Nicht sehenswert” hinaus. Truffaut sagte über ihn: „Bazin war in seiner Arbeit als Filmkritiker wie ein Fisch im Wasser“, und seine oft langen Artikel kommentierte Bazin lächelnd mit dem Satz, er hätte keine Zeit gehabt, weniger zu schreiben.
1951 gehörte er zu den Gründern der Zeitschrift Cahiers du Cinéma (die in diesem Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiert), in der u. a. Truffaut, Godard, Rivette, Moullet, Rohmer und Chabrol veröffentlichten. Sie alle hatten ein herzliches Verhältnis zu Bazin, den sie als einen der Ihren betrachteten und dessen Rolle, sie als Regisseure zu stimulieren, sie schätzten. Bei ihm verbanden sich Güte, Intelligenz und Humor in einer Weise, die Truffaut so beschreibt: „Wer mit Bazin zu tun hatte, wurde ein besserer Mensch.” Er glaubte an eine soziale Ästhetik des Kinos – vielleicht wird man in seinem Werk auch deshalb vergeblich nach einem unbarmherzigen Artikel suchen.
Vorwort von Tom Tykwer:
Bazin und die Liebe zum Kino

Bild-Sprache: Die audio-visuelle Rhetorik des Films
Gesche Joost
Rhetorik, Design und Film werden in diesem Buch zusammengeführt, so dass eine Landkarte der visuellen Topik, der rhetorischen Stilmittel und der Affekterregung im Film entsteht. Mit dieser Kartographie der audio-visuellen Rhetorik erschließt das Buch Neuland für die interdisziplinäre Medientheorie und gibt Orientierung für Theoretiker ebenso wie Filmschaffende. Erstmals wird eine designspezifische Filmanalyse vorgestellt: ein visuelles Notationsverfahren, das rhetorische Strukturen des Films darstellbar macht – synchron zum laufenden Film. Diese transdisziplinäre Theorie eröffnet so neue Perspektiven auf das Medium Film.
Einführung:
Die audio-visuelle Rhetorik des Films.pdf

Theorie des Films: Die Errettung der äußeren Wirklichkeit
Siegfried Kracauer
Kracauers zuerst 1960 in Amerika erschienene Theorie des Films ist eine materiale Ästhetik, die sich mit Inhalten beschäftigt. Sie beruht auf der Annahme, daß der Film im wesentlichen eine Erweiterung der Fotografie ist und daher eine ausgesprochene Affinität zur sichtbaren Welt hat. Das bedeutet eine Absage an alle Filme mit theatralischer Story, mit künstlerischen oder ideologischen Ambitionen. Filme, die ihrem Medium gerecht werden, registrieren jedoch nicht nur, sondern enthüllen, erretten die äußere Wirklichkeit: sie öffnen unseren Blick für das Kleine, Zufällige, Unbeabsichtigte und Unbestimmte.

Das Bewegungs-Bild: Kino 1
Gilles Deleuze
Diese Abhandlung ist keine Geschichte des Films, sie ist eine Taxonomie, ein Klassifizierungsversuch der Bilder und Zeichen, die für den Film von Bedeutung sind. Im vorliegenden Band geht es um die Bestimmung der Elemente einer solchen Klassifizierung. Deleuze bezieht sich dabei einerseits auf Charles S. Peirce, der die vollständigste und vielgestaltigste Klassifikation der Bilder und Zeichen erstellt hat. Der andere theoretische Bezugspunkt ist die Philosophie Henri Bergsons, ihre Reflexion über das Verhältnis von Zeit und Bewegung. Das Kino ist eine neue Praxis der Bilder und Zeichen, und es ist Sache der Philosophie, zu dieser Praxis die Theorie zu liefern.

Das Zeit-Bild: Kino 2
Gilles Deleuze
Im ersten Band seiner Untersuchung hatte Deleuze das Bewegungs-Bild betrachtet, das nur ein indirektes Bild der Zeit gibt: die Zeit entsteht durch Sukzession, durch das Vorher und Nachher der Bewegungen, zusammengehalten durch ein sensomotorisches Band, ablesbar an der Technik der Montage. Das Zeit-Bild hebt das Bewegungs-Bild nicht auf, es befreit nur die Zeit aus ihrer Abhängigkeit von der Bewegung. Die Zeit ist nicht mehr das bloße Derivat der Bewegung, sie wird vielmehr unmittelbar dargestellt. Die Akteure agieren nicht mehr, die Handlung bleibt in der Schwebe, und in das Intervall bricht die Zeit ein; die Personen bewegen sich scheinbar ziellos durch rätselhafte Räume, sehen und hören, erinnern sich oder unterliegen Erinnerungstäuschungen.


