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“When they entered the tank room, the chamber at the heart of the Darwin Centre, he would give the visitors a moment without prattle. The big room was walled with more shelves. There were hundreds more bottles, from those chest-high down to those the size of a glass of water. All of them contained lugubrious animal faces. It was a Linnaean décor; species clined into each other. There were steel bins, pulleys that hung like vines. No one would notice. Everyone would be staring at the great tank in the centre of the room.“ (China Meville, Kraken, S.7)
Naturaliensammlungen, Wunderkammern und naturhistorische Museen. Sie alle verbinden Praktiken des Auswählens, des Sammelns, des Kategorisierens und des Ausstellens. In ihren Schauanordnungen wird Wissen systematisiert. Historisch gesehen haben diese Formen des Zeigens ganz unterschiedliche Absichten formuliert: Von der Erforschung einer Naturgeschichte bis hin zur Inszenierung des Naturspektakels. Als Ort kommen in ihnen unterschiedliche Wissensformen zusammen, die als Geflecht von sozialen und ökonomischen Beziehungen umspannt werden. Der amerikanischen Soziologin Susan Leigh Star folgend, waren „(…) die bedeutenden konservierten Objekte ökologische Fakten, nicht bloß Exemplare, die dazu dienten, die Öffentlichkeit über eine verschwindende Wildnis zu unterrichten.“
Die Wunderkammer als Teil dieser historischen Entwicklung soll im Fokus des Seminars stehen. Waren es früher das Krokodil, der Narwal, oder die eingelegten und in Formaldehyd konservierten Körper der Oktopoden, wollen wir innerhalb des Seminars erkunden, welche Tiere im Zeitalter des Anthropozäns nun Teil der Schauanordnung werden. Hierbei interessieren uns ganz im Sinne der Wunderkammer nicht Verallgemeinerungen, sondern die Einzelschicksale, das Subjektive und die Details. Innerhalb des komplexen Gestaltens werden wir uns also mit einem Storytelling befassen, welches nah und detailreich an den Biografien von Tieren in naturhistorischen Sammlungen interessiert ist. Dabei stellen wir uns u.a. folgende Fragen: Wer sind die Tiere, die uns in Wunderkammern und naturkundlichen Museen anblicken? Wo kommen sie her? Was ist ihnen auf ihrer Reise widerfahren? Wie wurden sie bewegt, behandelt und dominiert? Welche Freundschaften zwischen human animals und non-human animals könnten erzählt werden?
Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit dem Seminar Oh wow! Wunderkammern des Anthropozäns der Innenarchitektur statt (Prof. Rita Rentzsch und KM Luise Schuhmann). Ziel wird es sein, kooperativ und gemeinsam Tierlichkeit räumlich und medial zu erzählen und zu inszenieren. Hierzu werden wir in der -1 Woche gemeinsam Ausstellungen in Halle und Berlin besuchen und in einem Audioworkshop das Erzählen von Tierlichkeit erproben. Im Verlauf des Semesters werden so mediale Schauanordnungen entstehen, die zur Jahresausstellung einem Publikum präsentiert werden.
eng
“When they entered the tank room, the chamber at the heart of the Darwin Centre, he would give the visitors a moment without prattle. The big room was walled with more shelves. There were hundreds more bottles, from those chest-high down to those the size of a glass of water. All of them contained lugubrious animal faces. It was a Linnaean décor; species clined into each other. There were steel bins, pulleys that hung like vines. No one would notice. Everyone would be staring at the great tank in the centre of the room.“ (China Meville, Kraken, S.7)
Natural history collections, cabinets of curiosities, and natural history museums: They all involve the practices of selecting, collecting, categorizing, and exhibiting. Knowledge is systematized in their displays. Historically, these forms of display have served very different purposes: from the exploration of natural history to the staging of nature's spectacle. They are places where different forms of knowledge come together, linked by a network of social and economic relationships. According to American sociologist Susan Leigh Star, the important preserved objects were ecological facts, not merely specimens that served to educate the public about a disappearing wilderness.
The Wunderkammer as part of this historical development will be the focus of the seminar. Whereas in the past it was crocodiles, narwhals, or octopuses preserved in formaldehyde, we want to explore which animals are now part of the display in the Anthropocene era. In keeping with the spirit of the Wunderkammer, we are not interested in generalizations, but rather in individual fates, the subjective, and the details. Within the KG, we will therefore deal with storytelling that is closely and richly detailed in its interest in the biographies of animals in natural history collections. In doing so, we will ask ourselves the following questions, among others: Who are the animals that gaze at us in cabinets of curiosities and natural history museums? Where do they come from? What happened to them on their journey? How were they moved, treated, and dominated? What friendships between human animals and non-human animals could be told?
The KG is taking place in collaboration with the interior design seminar “Oh wow! Wunderkammern des Anthropozäns” (Prof. Rita Rentzsch and KM Luise Schuhmann). The aim will be to cooperatively and jointly narrate and stage animality spatially and medially. To this end, we will visit exhibitions in Halle and Berlin together during week -1 and try our hand at narrating animality in an audio workshop. Over the course of the semester, media displays will be created and presented to an audience at the annual exhibition.
Literatur:
Baratay, Éric (2022): Animal Biographies. Toward a History of Individuals. Athens: University of Georgia Press.
DeMello, Margo (2018): Online Animal (Auto-)Biographies: What Does It Mean When We “Give Animals a Voice?”. In: André Krebber und Mieke Roscher (Hg.): Animal Biography. Re-framing Animal Lives. Cham: Springer International Publishing, S. 243–259.
Despret, Vinciane (2016): What would animals say if we asked the right questions? Minneapolis: University of Minnesota Press.
Hawranke, Thomas (2023): Computerspieltiere. In: Christian Hoiß und Jan-René Schluchter (Hg.): Tiere - Medien - Bildung. Mediendidaktische Annäherungen an die Cultural Animal Studies, kopaed Verlag, S. 125-140.
Mills, Brett (2023): Animated Animals. In: Christian Hoiß und Jan-René Schluchter (Hg.): Tiere - Medien - Bildung. Mediendidaktische Annäherungen an die Cultural Animal Studies, kopaed Verlag, S. 113-124.
Rutherford, Stephanie (2011): Governing the Wild. Ecotours of Power. Minneapolis: University of Minnesota Press.
Ritvo, Harriet (1998): The platypus and the mermaid, and other figments of the classifying imagination. Cambridge, Mass.: Harvard University Press.
Star, Susan Leigh (2016): Grenzobjekte und Medienforschung. Bielefeld: transcript Verlag.
Vaughan Brian; Niko, Henrichon (2020): Die Löwen von Bagdad. Stuttgart: DC COMICS bei Panini Comics (Die Löwen von Bagdad).
Anmeldung
_ Beginn der Einschreibung 02. März um 10 Uhr
_ Ende der Einschreibung 15. März um 18 Uhr
Einschreibung über https://www.burg-halle.de/einschreibung-mmvr-projekte
(Benutzernamen st-Nr. und Burg-Passwort)
Anmeldungen von neu immatrikulierten, die noch keine Zugangsdaten haben, Masterstudierenden bitte per Mail (s. Kontakt) mit Angabe von Erst-, Zweit- und Drittwunsch.
Lern- und Qualifikationsziele
Im Fach „Komplexes Gestalten“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen mit den folgenden Zielen:
Multimedia|VR-Design (B.A.)
Im Fach „Komplexes Gestalten“ werden die in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und beispielhaft an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf einem tragfähigen Konzept basieren und anhand von Prototypen sowie medientechnisch und gestalterisch eigenständigen Gestaltungsstudien erprobt werden.
Multimedia Design (M.A.)
MA-Studierende bringen ihre fachspezifischen und erweiterten Kompetenzen (im Besonderem Quereinsteiger) in die Bearbeitung der komplexen Aufgabenstellungen ein und kontextualisieren diese in aktuellen Diskursen. Ziel ist es, im Rahmen der projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle fachliche Vertiefung und fundierte Lösungsstrategie zu entwickeln. Hierfür wird das künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierten Bearbeitungsfeldern weiterentwickelt. Es gilt, die eigene Arbeit unter Anwendung von Methoden künstlerischer Forschung zu einem eigenständigen künstlerisch-gestalterischen Lösungsansatz zu führen.









