Spielbare Zwischenräume
Aktivierung unscheinbarer (Un)Orte durch Spiel und Intervention
Ausgangslage:
In den meisten Städten ist öffentlicher Raum stark funktionalisiert, versiegelt und durch Verkehrs- oder Konsumnutzungen festgelegt. Dadurch gehen Offenheit, Aufenthaltsqualität und eine ökologische Wirksamkeit ebenso verloren wie Möglichkeiten für spontane Aneignung, Spiel und informelle Begegnung. Stadtraum wird zunehmend reguliert und als durchgeplante Infrastruktur verstanden, statt als gemeinschaftlich genutzter, verhandelbarer (Sozial)Raum.
Diese Entwicklung wirft die Frage auf, wem Stadt eigentlich gehört und wer sie wie nutzen darf. Wenn städtische Räume keinen Spielraum mehr lassen, verlieren sie ihr demokratisches Potenzial: Sie schließen aus, statt einzuladen.
Es gibt jedoch kleine Orte, unscheinbare Stellen und Areale im Stadtgefüge, die zwar auf den ersten Blick keine Nutzung für Austausch oder Teilhabe vorsehen. Gerade hier können aber experimentelle Freiräume entstehen, die neue Formen der Teilhabe ermöglichen.
Diese Zwischenräume sind urbane Orte ohne eindeutige Funktion: Restflächen, Durchgänge, Randzonen, Baulücken, Verkehrsinseln, Gebäuderückseiten oder Übergänge zwischen klar definierten Nutzungen. Gemeinschaftlich genutzte Orte im öffentlichen Raum, die täglich durchquert werden, jedoch meist unbeachtet bleiben und selten als Aufenthalts-, Spiel- oder Bewegungsräume gestaltet sind.
Trotzdem prägen sie den Alltag: Menschen bewegen sich beiläufig in ihnen oder durch sie hindurch, nutzen sie informell, improvisieren kurze Verweilmomente oder begegnen einander. Diese unbewussten Aneignungen und Interaktionen zeigen, dass Zwischenräume nicht leer oder ungenutzt sind, sondern versteckte soziale und räumliche Chancen bergen, die baulich nicht intendiert sind.
Im Rahmen dieses Projekts nähern wir uns diesen Zwischenräumen und erkunden ihr gestalterisches Potenzial.
Vorgehen:
Wir begeben uns auf die Suche und unternehmen eigene Erkundungen im öffentlichen Raum, um geeignete Orte zunächst aufzuspüren und zu dokumentieren. Ausgehend von Beobachtung, Analyse und spielerischen Experimenten untersuchen wir sie hinsichtlich ihrer räumlichen, sozialen, atmosphärischen und materiellen Qualitäten. Im Fokus steht die Frage, wie diese Räume genutzt, gemieden oder bereits informell angeeignet werden. Welche Atmosphären, Grenzen und Möglichkeiten für Spielanreize lassen sich wahrnehmen?
Auf Grundlage dieser Analyse entwickeln wir spielerische Interventionen, die Zwischenräume als Orte der Bewegung, Begegnung oder des Spiels neu lesbar und erlebbar machen. Die Entwürfe können räumliche, objektbasierte, performative oder regelbasierte Spielangebote sein und sind bewusst niedrigschwellig und temporär angelegt. Ziel ist nicht die dauerhafte bauliche Umgestaltung, sondern die Aktivierung und Neuinterpretation eines urbanen Ortes durch Spiel.
Das Projekt stärkt dabei ein Verständnis von Spiel als räumliche Praxis, als Form sozialer Teilhabe, urbane Aneignung und als kritische Perspektive auf gestaltete und nicht gestaltete Stadträume.
Output:
Die Ergebnisse des Projekts umfassen konzeptionelle Entwürfe, Darstellungen, 1:1 Installationen und Prototypen, die zeigen, wie Spiel als Werkzeug zur Aneignung, Belebung und Umdeutung von Stadtraum eingesetzt werden kann. Begleitend entstehen eine gedruckte Dokumentation und ein Video, das den Entstehungsprozess, sowie die Ergebnisse auf spannende und humorvolle Weise nachvollziehbar visualisert.
Das Projekt kann in Teamarbeit umgesetzt werden.
Ergänzt wird das Projekt durch:
- Exkursion (in Planung)
- Gastworkshops u.a. mit KOLLEKTIV KUBIK und INVISIBLE PLAYGROUND
Vortragsreihe „Perspektiven im Spiel- und Lerndesign“ Mo 18-19:30 Uhr
Gastreferent:innen stellen ihre Arbeit aus Stadtraumforschung, partizipativer Gestaltung, Social Design und dem Spiel im öffentlichen Raum vor. Ziel ist es, Einblicke in Praxisbeispiele und Impulse für die eigene Projektarbeit zu erhalten.
Theorieseminar „Stadt gestalten“ Do 10-11:30 Uhr
Hier vertiefen und analysieren wir ausgewählte Texte und theoretische Konzepte hinter Placemaking, Public Play, Nutzung urbaner Räume und partizipativen Prozessen. Die Inhalte sollen helfen, die theoretischen Hintergründe der praktischen Interventionen zu verstehen und kritisch zu reflektieren.
Die beiden Veranstaltungen sind offen für alle und verpflichtend für die Teilnahme am Semesterprojekt.


















