(Deutsche Fassung unten)
This seminar takes wearing and making garments seriously as research methods. Changing what one wears can shift how the wearer perceives and imagines the world: wearing becomes a worlding practice. Anthropological knowledge is also produced through the clothed body of the researcher and their own sensory engagement. In this seminar, students will use autoethnography, “wearing diaries,” and wardrobe interviews to investigate clothing as a situated practice embedded in specific cosmologies, materials, and histories.
Hanbok - Korean sartorial heritage - offers a working example of what this means. It allows us to take design out of its conventional framework and redefine it as a cosmologically situated practice of material correspondence, pushing the question of how garments are made, distributed, and worn towards something larger: a challenge to the dominant structure of everyday life itself.
This requires that we also question the meaning of "design" itself. The word carries a specific genealogy tied to a Eurocentric idea of the autonomous designer working ahead of use. Hanbok, like many garments made before industrialisation, emerged from a cultural and historical context that does not operate within this framework. What does the local vocabulary for clothing practices assume that “design” does not, and what gets lost in translating that vocabulary into other languages?
Over five days, students move from theory and an exploration of positionality, through structured embodied fieldwork and a small-scale making exercise treated as a form of thinking-through-doing, to reflexive analysis where embodied experience becomes design-relevant insight. We finish with presentations that keep the embodied and material process visible. Throughout, the seminar foregrounds ethical questions raised by engaging with garments, using the body to sharpen design research questions.
While most material is provided in English, discussions and submitted coursework are welcome in both German and English.
++++++++++++++++++++++++Deutsche Fassung++++++++++++++++++++++++
Dieses Seminar befasst sich mit dem Tragen und Herstellen von Kleidungsstücken als Forschungsmethoden. Veränderte Kleidung kann die Wahrnehmung und unsere Vorstellung der Welt verändern: Das Tragen von Kleidung wird zu einer Praxis der „Weltenbildung“ („world-building“ oder „worlding). Anthropologisches Wissen entsteht auch durch den bekleideten Körper der forschenden Person und deren sensorische Auseinandersetzung mit der Umwelt. In diesem Seminar werden die Studierenden die Methoden der Autoethnografie, „Tragetagebücher“ und Garderobeninterviews nutzen, um Kleidung als eine situierte Praxis zu untersuchen, die in spezifische Kosmologien, Materialien und Geschichten eingebettet ist.
Der Hanbok – das koreanische Kleidungserbe – bietet ein anschauliches Beispiel dafür, was dies bedeutet. Es ermöglicht uns, Design aus seinem konventionellen Rahmen heranzulösen und es als eine kosmologisch verortete Praxis der materiellen Entsprechung neu zu definieren, wodurch die Frage, wie Kleidungsstücke hergestellt, verteilt und getragen werden, auf eine abstraktere Ebene gehoben wird: eine Infragestellung der vorherrschenden Struktur des Alltagslebens selbst.
Dies erfordert, dass wir auch die Bedeutung von „Design“ selbst hinterfragen. Der Begriff trägt eine spezifische Genealogie in sich, die mit einer eurozentrischen Vorstellung vom autonomen Designer verbunden ist, der Dinge vor ihrer eigentlichen Nutzung designed. Der Hanbok entstand, wie viele Kleidungsstücke aus der Zeit vor der Industrialisierung, aus einem kulturellen und historischen Kontext, der ganz anders funktioniert. Was setzt das lokale Vokabular für Kleidungspraktiken voraus, wie unterscheidet es sich von „Design“, und was geht bei der Übersetzung dieses Vokabulars in andere Sprachen verloren?
Über fünf Tage hinweg bewegen sich die Studierenden von der Theorie und einer Auseinandersetzung mit (1) ihrer eigenen Positionierung, (2) einer strukturierten, verkörperten Feldforschung und (3) einer kleinen praktische Übung, die als eine Form des „Denkens durch Handeln“ verstanden wird, hin zu einer reflexiven Analyse, in der verkörperte Erfahrung zur designrelevanten Erkenntniß wird. Wir schließen mit Präsentationen ab, die den verkörperten und materiellen Prozess sichtbar machen. Während des gesamten Seminars stehen ethische Fragen im Vordergrund, die durch die Auseinandersetzung mit Kleidungsstücken aufgeworfen werden, wobei der Körper genutzt wird, um designbezogene Forschungsfragen zu schärfen.
Zwar werden die meisten Unterlagen auf Englisch bereitgestellt, doch sind Diskussionen und eingereichte Hausarbeiten sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch willkommen.












