Ausstellung

circular resistent – Ausstellung der BURG bei UMPRUM in Prag

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Die Ausstellung „circular resistent“ zeigt vom 23. Oktober bis 28. November 2026 Arbeiten aus den Fachbereichen Kunst und Design der BURG in der Galerie UM der Akademie der Künste, Architektur und Design in Prag (UMPRUM).

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zeigt vom 23. Oktober bis 8. November 2026 in der Akademie der Künste, Architektur und Design in Prag die thematische Ausstellung circular resistent mit 20 Arbeiten aus den Fachbereichen Kunst und Design. Die Präsentation ist der Gegenbesuch zur Ausstellung Big Thing der UMPRUM, die 2024 in der Burg Galerie im Volkspark gezeigt wurde. Die BURG und UMPRUM verbindet eine wichtige Kooperation, die mit den Ausstellungen und Workshops vertieft und weiterentwickelt wird. In circular resistent werden Positionen vorgestellt, die sich mit der Analyse der Gegenwart und mit der Lösung von dringenden Fragen wie Ressourcenverbrauch beschäftigen.

„Die Zusammenarbeit mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle aus Deutschland besteht bereits seit mehreren Jahren. Beide Einrichtungen sind sowohl durch ihr Studienangebot als auch vor allem durch ihren Ansatz in der kreativen Praxis eng miteinander verbunden. Beide Hochschulen legen einen besonderen Schwerpunkt auf handwerkliches Können, auf aktuelle gesellschaftliche und ökologische Themen, vertiefende Erkenntnisse und künstlerische Forschung“, erklärt UMPRUM-Rektor Prof. Jindřich Vybíral und beschreibt damit die gemeinsame Ausrichtung der beiden Hochschulen.

„Circular resistent ist ein Gegenbesuch zur UMPRUM-Ausstellung Big Thing, die 2024 in der Burg Galerie im Volkspark zu sehen war. BURG und UMPRUM verbindet seit mehreren Jahren eine enge Partnerschaft, die nun durch gemeinsame Ausstellungen und Workshops weiter vertieft und auf eine neue Ebene gehoben wird. Diese gemeinsamen Formate eröffnen neue Möglichkeiten für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Institutionen“, sagt Burg-Rektorin Prof. Bettina Erzgräber und unterstreicht damit die wichtige Verbindung zwischen den beiden Partnerhochschulen.

Circular kann sich sowohl auf Nachhaltigkeit im Sinne von Kreislaufwirtschaft, aber auch auf die Wiederkehr von überwunden geglaubten gesellschaftlichen und politischen Problemen beziehen. Der Begriff intendiert eine Vorstellung von Entwicklung, die nicht linear gedacht ist. Formal lassen sich Kreisformen und Schichtungen damit in Verbindung bringen. 

Resistent meint dabei eine innere Haltung und ein damit verbundenes Lebensgefühl der Macher*innen, dass andere anregen und inspirieren soll: Es geht darum, sich nicht unterkriegen zu lassen, Formen des Protestes zu entwickeln und künstlerische Ausdrucksformen zu finden, die sich quer stellen. So können Nachdenklichkeit und Schmerz mit neuen sinnlichen Erfahrungen verbunden werden und durch Poesie und schwarzen Humor andere Perspektiven entstehen.
Im großen Raum der UMPRUM bilden die einzelnen Arbeiten Inseln und die Besucher*innen können sich zwischen ihnen frei bewegen, also zirkulieren. Gleichzeitig bilden sich zarte und unerwartete Verbindungen, denn Inseln sind keine statischen Gebilde, auch sie sind eingebunden in Prozesse und unterliegen Veränderungen.

Die Ausstellenden sind Studierende und Alumni aus den Fachbereichen Kunst und Design der BURG

Valena Ammon, José Madrigal Despaigne, Luca Ganzert, Vanessa Henning, Jan Marco Herzog, Amber Hummel, Vanessa Kahl, Dana László da Costa, Yerina Lee, Moritz Neuland, Jakob Nonnen, Marco Mehringer, Therese Mieth, Todor Joe Musev, Sophia Reißenweber Leonora Schlüter, Arto Schudy/Gue Hyun Lee, Sound & Vision live (Caroline Gerlach, Paula-Rahel Cyriaks, David Gholipour Ghalandari, Finn Kistner, Malte Riechert, Levke Schramm, Diana Sedova, Olivia Toben. In Kooperation mit der Staatskapelle Halle), Loris Stephan, Oni Weber

Die Ausstellung versammelt unter anderem folgende Arbeiten:

José Madrigal Despaigne – Echar de Mas
Während der letzten zwei Jahre hat sich José Madrigal Despaigne (JoMa) intensiv seinem mehrteiligen Projekt Echar de Mas gewidmet. Ausgehend von einem transdisziplinären Ansatz schafft er ein autobiografisches Archiv und bewegt sich zwischen Medien wie Fotografie, Installation, Performance und poetischem Schreiben. Ausgangspunkt sind seine eigenen Migrationserfahrungen als kubanischer Künstler sowie die kulturellen Veränderungen, die mit dem Leben im deutschen Kontext verbunden sind. Seine Werke bieten emotionale Reflexionen über Identität, Trauer und Entwurzelung. Während der Ausstellung führt der Künstler eine Performance auf, bei der er ein Kleidungsstück trägt, auf das er Steine genäht hat, die er in den letzten zehn Jahren an verschiedenen Orten gesammelt hat.

Luca Ganzert – Regentürme
Das Projekt Regentürme von Luca Ganzert hat das Ziel, städtische Grünstreifen durch die trockenen Sommer zu bringen und in attraktive Grünflächen umzuwandeln, die zur Kühlung beitragen. Die frei aufstellbaren Regentürme sammeln das Regenwasser benachbarter Dachflächen und speichern es, statt es in die Kanalisation gelangen zu lassen. Über eine gesteuerte Tröpfchenbewässerung werden damit Pflanzen und Bäume mit Wasser versorgt. Zwei Fähnchen steigen mit dem Pegel und informieren die Passant*innen über den Wasserhaushalt ihrer Stadt. Alle Informationen werden offen zur Verfügung gestellt. Das Konzept reagiert auf die urbanen Herausforderungen des Klimawandels, indem es bestehendes Stadtgrün stärkt, Niederschlagswasser von der Kanalisation abkoppelt und kühle Aufenthaltsorte schafft.

Amber Hummel – Das driftende Prinzip
Mit ihrer Arbeit Das driftende Prinzip schlägt die Künstlerin ein anderes Verständnis von Nachbarschaft vor. In der von ihr entwickelten gesellschaftlichen Theorie ist jede Person verantwortlich (response-able) für ihr direktes Umfeld. Diese gedachte Mikrosphäre umfasst einen Durchmesser von zehn Metern, in deren Zentrum man sich selbst befindet. Ein Video macht diese Gesellschaftsvision auf eindrucksvolle Weise erfahrbar: Die Künstlerin steht auf einem asphaltierten Platz und wird von einer über ihr schwebenden Drohne gefilmt. Sie markiert den Mittelpunkt ihres Wirkungskreises, der durch ein schnell um sie herum driftendes Auto begrenzt wird. Durch die mit jeder Runde zunehmenden Reifenspuren wird der sie umgebende Kreis sichtbar und verbleibt schließlich als präzise Zeichnung im Raum. Im Voice-over spricht Amber Hummel darüber, dass Handeln mit der Wahrnehmung beginnt. Was passiert, wenn Nachbarschaft all das ist, was sich in diesem Zehn-Meter-Kreis befindet und zu der kleinen Macht wird, die jeder Mensch hat?

Dana László da Costa – Majestade & Vereda Roja
Die Künstlerin Dana László da Costa wuchs in der neotropischen Zone des ländlichen Brasiliens auf. Abseits von Elektrizität entwickelte sie ein besonderes Verständnis für die Natur, das sich in ihrem Werk widerspiegelt. Sie folgt für ihre textilen Arbeiten einem aufwendigen kreativen Prozess, der mit der Suche nach Rinden und Pflanzen aus ihrer Heimat beginnt. Diese Synthese aus so unterschiedlichen Farben, die vollständig aus der Flora des amerikanischen Kontinents stammen, steht auch metaphorisch für die bunte und kulturelle Vielfalt des Kontinents. Das Thema des kulturellen Gedächtnisses ihrer Heimat dient als prägende Grundlage für ihre Werke, die die Natur verkörpern und verteidigen und zu Schutz und Weitsicht aufrufen. Die ausgestellten Textilarbeiten aus Wolle und aus Seide sind eine neue kartografische Anordnung der diversen Biome des amerikanischen Kontinents.

Marco Mehringer – Mining Noise
Immer kürzere Produktlebenszyklen und schwer trennbare Materialien führen dazu, dass jährlich Millionen Tonnen Elektronik entsorgt werden, wobei viele funktionsfähige Bauteile und kritische Rohstoffe verloren gehen. Mining Noise versteht Elektroschrott als Ressource und untersucht das Potenzial einer Wiederverwertung auf Komponentenebene. Am Beispiel eines modularen Synthesizers entsteht ein alternatives Nutzungskonzept, das Bauteile aus Altgeräten neu einsetzt. Der Klangerzeuger dient nicht nur als Musikinstrument, sondern auch als Kommunikationsobjekt – für Wiederverwendung und Verantwortung im Umgang mit Elektronik. Die offene Plattform „Loopstation“ dokumentiert, wie Geräte zerlegt und Komponenten in neue Systeme integriert werden. Sie schafft dabei einen emotionalen Wert in einem ökonomisch wertlosen Kontext mit dem Ziel, neue Tauschdynamiken jenseits klassischer Pfandsysteme zu erproben.

Sophia Reißenweber – Break-up Lab
Das Break-up Lab widmet sich dem Ende einer emotionalen Beziehung: der zwischen dem Textil und seinen vorherigen Besitzer*innen. In Kooperation mit Forschungsinstituten und Textilrecyclingakteuren entstehen zukunftsfähige Recyclingprozesse für Alttextilien mit Polyesterfaseranteil. Mithilfe des Enzyms PHL7 können Fasern aus PET in einem biotechnologischen Prozess binnen Minuten aufgespalten werden. Anschließend werden die zurückgewonnenen Grundbausteine des Polymers von Bakterien zu einem biologisch abbaubaren Kunststoff (PHA) verstoffwechselt. Garne und Add-ons aus PHA erleichtern die Trennung von Störstoffen und ermöglichen Faser-zu- Faser-Recyclingprozesse. Zwei kreislauffähige Kleidungsstücke zeigen die ästhetischen und funktionalen Potenziale auf und vermitteln, wie sich durch biotechnologisch Prozesse in Zukunft regionale Materialkreisläufe von Alttextilien schließen lassen. 

Oni Weber – Schlafwandler
Eine aufgestellte riesige Daunenjacke lädt die Betrachtenden ein, in ihre Obhut zu kommen. Mit den für Schlafwandelnde typischen vorgehaltenen Armen, ragen ihre leeren Ärmel in den Raum, um Entgegenkommendes abzuhalten. Im Gegensatz zur braun bedruckten Außenhaut der Jacke, die Informationsflut versinnbildlicht, erwartet uns im Inneren eine weiße Neutralität, in der sich eine in den Stoff gestickte Schnecke verbirgt. Die Schnecke als Symbol der Trägheit in enger Versunkenheit mit sich selbst. Eine Taktik der Schnecke, sich vor Überforderung zu schützen ist, die Augen nach innen zu stülpen, bis sie sich wieder in der Lage sieht, das vor ihr Liegende in Augenschein zu nehmen. So können sich auch die Betrachtenden in Oni Webers skulpturale Jacke stellen, bis sie den Zeitpunkt geeignet finden, wieder herauszukommen.

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Die 1915 gegründete Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bietet mit ihren Fachbereichen Kunst und Design deutschlandweit ein unverwechselbares Profil mit exzellenten Ausbildungs- und Studienbedingungen an. Mit über 1.100 Studierenden zählt sie zu den größten Kunsthochschulen Deutschlands. Visionäres Denken und Gestalten werden in über 20 Studiengängen ebenso gefördert wie die Entwicklung berufspraktischer Fähigkeiten. Die Hochschule verfügt über hervorragend ausgestattete Ateliers und Werkstätten und ist mit zahlreichen Forschungseinrichtungen, Institutionen und Unternehmen vernetzt. In den über 100 Jahren ihres Bestehens hat sich die BURG zu einer Kunsthochschule entwickelt, die das Spannungsfeld zwischen Praxis und Forschung auslotet. Gattungsübergreifend zu denken und zu arbeiten wird bereits zu Beginn des Studiums durch eine breit angelegte Grundlagenausbildung unterstützt. Die BURG verfügt in beiden Fachbereichen über das Promotionsrecht.
Die Kunsthochschule unterhält Kooperationen mit Partnerschulen in 25 europäischen Ländern und einer Vielzahl von Universitäten außerhalb Europas. Die BURG ist Partner*in im Cumulus-Verbund internationaler Kunst- und Designhochschulen und ist im europäischen Verband ELIA organisiert.

circular resistent – Ausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in der Galerie UM der Akademie für Kunst, Architektur und Design Prag (UMPRUM), Partnerhochschule der BURG 
 

Ausstellungsdauer: 23. Oktober bis 28. November 2026
Eröffnung: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 18 Uhr
Ort: Galerie UM, UMPRUM, Technologické centrum, Mikulandská 134/5, Praha 1
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr 
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei.
Kurator*innen: Prof. Tilo Baumgärtel, Dr. Jule Reuter
Ausstellungsarchitektur: Agnes Kelm
Grafik: Sonni Scheuringer, Arne Winter
Ausstellungsteam: Mathias Brockhaus, Luise von Cossart, Mattis Heilscher, Agnes Kelm, Tobias Kier, Maxi Kling, Elise Möller, Pepe Nitz, Mario Schott
Weitere Informationen: www.burg-halle.de/galerie und www.umprum.cz 
Social Media: Die BURG kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BurgHalle, #UMPRUM und #circularresistent