Im Herzen des Geschmacks. Wohnen, ein rätselhaftes Geschäft.
Wer über die Phänomene des Geschmacks nachdenkt, steht früher oder später vor der Sphinx des Wohnens: Wohnen, wie geht das, wo lernt man das. Wie Mollusken leben wir in der Spindel unserer Gehäuse. Ein sphärisches Geschehen, wem steht es näher, dem Tun oder dem Sein. Und endlich die Wohnung selbst, was ist sie: Showroom unseres Geschmacks, Distanzzone gegen die Zumutungen des Alltags. Wie entsteht sie, wie leben wir darin, wie wirkt sie auf uns zurück? Was außer unserer DNA bleibt in ihr zurück, wenn wir sie verlassen? Woran erinnern wir uns, und warum schämen wir uns für unsere früheren Wohnungen?
"Schöner Wohnen". Knapper als im Titel der ältesten und erfolgreichsten deutschen Wohnzeitschrift lassen sich die Ideen vom guten Leben und vom häuslichen Sein nicht zusammenfassen. Wohnen verstanden als Hausen im Schönen - mit allen Konnotationen des Wohlseins und der Geborgenheit. Aus dem Dunst über den materiellen Problemen des immer zu knappen, immer zu teuren Wohnraums erheben sich wie eine Fata Morgana Bilder gelingenden Lebens in einer gestalteten Sphäre.
Ulrich Raulff war von 2004 bis 2018 Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach und von 2018 bis 2025 Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen. 2010 erhielt er für sein Buch „Kreis ohne Meister“ über das Nachtleben Stefan Georges den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Sachbuch/Essayistik.
2016 erschien von ihm bei C.H.Beck „Das letzte Jahrhundert der Pferde“, das ebenfalls auf die Shortlist des Leipziger Buchpreises gelangte und in zahlreichen Sprachen übersetzt wurde. 2023 erschien auch bei C.H.Beck „Wie es euch gefällt: eine Geschichte des Geschmacks“.