LEER /// Liminal Spaces mit 3D-Grafik in Blender
Endlose Hotelflure, verlassene Einkaufszentren, steril gekachelte Indoorpools, labyrinthische Büroetagen und Kellerräume mit flackerndem Neonlicht sind in den letzten Jahren zu wiederkehrenden Bildmotiven digitaler Kultur geworden. In der Ästhetik sogenannter *Liminal Spaces* und der *Backrooms* steht nicht der klassische Horror des Monsters im Vordergrund, sondern eine räumliche Irritation. Vertraute Architekturen verlieren ihre Funktion und erscheinen sinnentleert, orientierungslos und unheimlich. Es sind Bilder von Nicht-Orten nach dem Verlust ihrer Gebrauchszusammenhänge.
Der Kurs untersucht dieses Spannungsfeld zwischen Leere und Horror Vacui. Dabei geht es um Räume, die durch Wiederholung, Maßstabsverschiebungen, Licht, Texturen und Materialität eine Atmosphäre der Unsicherheit erzeugen. Der digitale 3D-Raum bietet dafür besondere Möglichkeiten, da er architektonische Logiken nachbilden, variieren und in spekulative Räume überführen kann, die einer funktionsunabhängigen Logik folgen.
In Blender entwickeln die Teilnehmenden eigene Räume, die sich im unsicheren Schwellenbereich bewegen. Ziel ist nicht die Gestaltung eines bloß sinnfrei gewordenen Ortes, sondern die Untersuchung von Raum als psychologischem, erzählerischem und atmosphärischem Medium. Im Zentrum steht, wie Leere, Wiederholung und Überfüllung in digitalen Bildern erfahrbar werden und wie räumliche Situationen in Fremdheit kippen können.
Dabei werden grundlegende Funktionen der Software kennengelernt. Der Kurs ist explizit als Einsteiger_innenkurs konzipiert und setzt keine Vorkenntnisse in Blender voraus.
Neben der praktischen Arbeit in Blender werden popkulturelle Referenzen, kulturgeschichtliche Einordnungen sowie Positionen aus Kunst und Design eingebunden. So entsteht ein gemeinsamer Diskurs darüber, wie Liminal Spaces, digitale Nicht-Orte und räumliche Verunsicherung gestaltet und kritisch reflektiert werden können.


















