Re:Lux
Was macht Luxus aus? Was ist wertvoll, exklusiv, kostbar, und für wen? Wir begeben uns auf eine transhistorische Reise und untersuchen Vorstellungen von Luxus in der Bekleidung zwischen Mittelalter, Barock und Gegenwart. Am Anfang stehen historische Vorlagen, die wir hinsichtlich ihrer Materialität, Form, Herstellung, Ornamentik und sozialen Bedeutung untersuchen und als Ausgangspunkt für eine zeitgenössische gestalterische Auseinandersetzung nutzen.
Das Projekt entsteht in Kooperation mit dem Studiengang Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Frau Prof. Dr. habil. Ute Engel, Professorin für Kunstgeschichte des Mittelalters. Studierende beider Fachrichtungen arbeiten mit denselben historischen Vorlagen und nähern sich diesen aus ihren jeweiligen fachlichen Perspektiven. Während die Kunstgeschichte die historischen Objekte kontextualisiert und in Form von Texten untersucht, erforschen die Modestudierenden deren gestalterische, materielle und konstruktive Qualitäten. Durch die Verbindung von kunsthistorischer Recherche und praktischer Gestaltung entsteht ein interdisziplinärer Austausch, der im Verlauf des Semesters in gemeinsamen Treffen zusammengeführt und weiterentwickelt wird.
Die Auseinandersetzung mit dem historischen Objekt bildet zugleich den Einstieg in die Entwicklung eines persönlichen Archivs. Dieses Archiv versteht sich nicht als reine Sammlung von Referenzen, sondern als gestaltetes Arbeitsinstrument, Denkraum und Ausgangspunkt für den eigenen Entwurfsprozess. Historische Quellen, visuelle Recherchen, Dokumentationen, Collagen, Gegenüberstellungen, Querrecherchen, Material- und Oberflächenexperimente, Formexperimente, Schnitte, Drapagen und weitere dreidimensionale Untersuchungen werden gesammelt, bearbeitet, editiert, miteinander in Beziehung gesetzt und weiterentwickelt.
Ein wesentlicher Bestandteil des Archivs ist die Nacharbeit und Transformation historischer Vorlagen. Historische Details, Formen und Techniken werden zunächst untersucht, rekonstruiert und zitiert. Im weiteren Prozess werden sie durch eigene Eingriffe, zeitgenössische Materialien, neue Verarbeitungstechniken und individuelle gestalterische Entscheidungen verändert, erweitert und neu kontextualisiert. Aus der historischen Referenz entsteht so ein eigenständiges visuelles und materielles Vokabular.
Die historischen Bezüge aus Mittelalter und Barock werden dabei bewusst mit gegenwärtigen visuellen Kulturen, Techniken und eigenen Inhalten verknüpft. Das Archiv versteht sich somit nicht als Sammlung abgeschlossener historischer Formen, sondern als ein dynamischer Prozess der Aneignung, Übersetzung und Weiterentwicklung. Auf diese Weise werden transhistorische Zusammenhänge sichtbar und es entsteht ein individuelles System aus Bildern, Materialien, Formen und Ideen.
Begleitend werden unterschiedliche Archive und Sammlungen untersucht. Darüber hinaus gibt es Einführungen in verschiedene textile und digitale Techniken, unter anderem in das Lasern, Stricken und Sticken. Diese Techniken verstehen sich als Werkzeugkasten für die eigene gestalterische Praxis und sollen aus eigener Initiative erprobt, weiterentwickelt und durch individuelle Verfahren ergänzt werden.
Im zweiten Schritt wird aus dem erarbeiteten Archiv und den darin entwickelten Themen ein zeitgenössischer Entwurf gestaltet. Das Archiv bildet dabei die Grundlage, aus der Formen, Materialien, Techniken und inhaltliche Fragestellungen neu miteinander kombiniert werden können. Der finale Entwurf entsteht somit nicht unmittelbar aus einer einzelnen historischen Vorlage, sondern aus der individuellen Auseinandersetzung mit den im Archiv gesammelten und transformierten Inhalten.
Das Projekt versteht sich als Verbindung von historischer Recherche, Archivarbeit, materieller Forschung und zeitgenössischer Gestaltung. Das Archiv bildet die Brücke zwischen historischem Objekt und eigenständigem Entwurf und macht zugleich den individuellen Forschungs- und Gestaltungsprozess sichtbar. Ziel ist es, eine eigenständige gestalterische Position zu entwickeln, die historische Bezüge nicht lediglich reproduziert, sondern untersucht, transformiert und in einen aktuellen mode kulturellen Kontext überführt.
Die unterschiedlichen Ergebnisse und Perspektiven der beiden Fachbereiche sollen perspektivisch in einer gemeinsamen Ausstellung zusammengeführt werden.
Dieses Projekt ist ein Angebot für Bachelorstudiernde ab dem 5. Fachsemester, sowie für Studierende des viersemestrigen Masters Conceptual Fashion Design. Die Lerninhalte und Aufgabenstellungen sind dabei identisch, wobei Bachelorstudierende Kompetenzen aus den ersten zwei Studienjahren und darüber hinaus in diesem Projektstudium eigenständig anwenden und Masterstudierende eine umfangreiche konzeptionelle und gestalterische Arbeit mit individueller methodischer oder technischer Vertiefung erstellen.
Das Projekt wurde in der Vorbereitungsphase durch Prof. Lars Paschke unterstützt.




























