Annett Plonka

Atelier 3 Modul – Abschlussprüfung der Klasse für bildhauerische und performative Praxis / Prof. Stella Geppert, SoSe 2024

AUF KANTE

Annett Plonka – AUF KANTE


Die Arbeit verbindet ein Material aus dem Kontext des Bauwesens mit der Handarbeitstechnik des Nähens. Aus einem formlosen Textil entstehen dreidimensionale Räume, die weder gerade Kanten noch rechte
Winkel aufweisen. Sie wölben sich, sinken ein, sind instabil und schwankend. Sie umfassen Volumen und bilden Grenzen, bleiben jedoch fragil und verwehren jeden Zutritt. Die Objekte verharren in einem Modus der Annäherung. Die Formen entstehen ohne Hinzufügung anderer Materialien, ausschließlich durch das
Nähen – das Dimensionieren und Zusammenfügen der Einzelteile. Die Nähte bilden die Stützen, die die Objekte halten und tragen. Die Schwerkraft öffnet den Raum. Die Transparenz macht sowohl die einzelnen Schichten des Textils als auch deren Zwischenräume sichtbar, wobei Kategorien wie Innen/Außen und Positiv/Negativ verschwimmen. Während die großen Objekte 1:1 Ausschnitte des Ausstellungsraumes darstellen, sind die kleinen Textilskulpturen intuitiv zusammengesetzte Raumskizzen, die offen bleiben – in Bezug auf die damit verbundenen Raumassoziationen und ihre Maßstäblichkeit. Die Fotografien zeigen Fassaden, die in Staubschutznetze gehüllt sind, und heben Aspekte der Verschleierung und Körperlichkeit hervor: Netze, die wie Filter wirken, die architektonischen Elemente verunklären und die Gebäude in Farbe tauchen und Verhüllungen, die neue organische Volumina entstehen lassen. Die Detailaufnahmen lenken den Blick sowohl auf die weichen Kurven des Textils als auch auf dessen nahezu brutal wirkenden Befestigungen. In die Fassade geschraubte Holzlatten spannen die Netze, Kabelbinder halten sie zusammen und bilden wulstige Linien, die die Fassaden neu strukturieren und an Narben erinnern.
(Annett Plonka, 2024)