Bachelor-Projekt (BA)

Elisa Bächle // Bachelor Abschluss SoSe 2026

Objekte der Fürsorge – Waschen als stärkende Gemeinschaftspraxis

Objekte der Fürsorge
Waschen als stärkende Gemeinschaftspraxis

von Elisa Bächle

Aus dem Projekt „Kleines Badehaus“, einem temporären Raum für Handwäschen, entstand diese Bachelorarbeit. Über 100 Handwäschen führten zu Gesprächen über kulturelle Waschrituale, Pflege und die überraschende Erfahrung, von einer anderen Person gewaschen zu werden. Daraus entwickelte sich ein Interesse an historischen und kulturellen Formen des gemeinschaftlichen Badens.

Gleichzeitig rückte die Geschichte weiblicher Körperbilder in den Fokus: Scham, Reinheit, Jugend und Schönheitsnormen. Zwischen Fürsorge und Sexualisierung wird der weibliche Körper dabei häufig durch einen männlich geprägten Blick bewertet. Körperbilder und Vorstellungen von Schuld und Reinheit werden zudem über Generationen weitergegeben. Die Arbeit fragt daher: Wie kann Waschen aus Vorstellungen von Kontrolle und Anpassung gelöst und als stärkende, gemeinschaftliche Praxis neu gedacht werden?

Dafür entstanden drei Objekte: eine Waschbank, ein Wasserturm und eine Seife. Auf der Bank sitzt man nicht wie gewohnt nebeneinander, sondern wird durch Vertiefungen in Po-Form dazu eingeladen, hintereinander zu sitzen und sich den Rücken zu waschen. Es ist die wortwörtliche Übersetzung des Sprichworts „I’vegot your back“ – „Ich stehe bzw. sitze hinter dir“ Ihre ausgewaschene Form vermittelt den Eindruck eines über Generationen genutzten Ortes. Das verwendete Apfelholz verweist auf die Paradiesgeschichte und auf Eva als Figur zwischen Schuldzuweisung und Streben nach Erkenntnis und Selbstbestimmung. Der Wasserturm ist der Mittelpunkt des Raums. Von Brunnen inspiriert, steht er für das Zentrum und die Gemeinschaft. Wasser wird gemeinsam gesammelt und fließt beim Entnehmen eines Gefäßes unmittelbar weiter. Die Seife verbindet beide Objekte und trägt die Botschaft des Projekts als Erinnerungsstück nach außen.

„Fühlte sich an, als wären sie wieder Kinder, die einfach so planschen ohne nachzudenken.“ So eine Badende. Nähe, Freude und gemeinsames Handeln entstanden selbstverständlich – ein geschützter Raum, in dem Waschen nicht Kontrolle, sondern Verbindung und Stärkung bedeutete.


Objects of Care
Washing as an Empowering Communal Practice

The project “Kleines Badehaus” and the more than 100 hand washes that took place there were the starting point for exploring washing rituals and the questions connected to them. These include ideas about the body, beauty and care, shaped by both our present and our history, especially in relation to female bodies. This led to three objects that aim to create strength rather than conformity through hygiene: a bench for washing each other’s backs, a water tower as a centre of community, and a soap to share. An everyday act reimagined as a practice of care, connection and mutual strength.