Der visuelle Output moderner KI-Bildgeneratoren spiegelt nicht die Realität wider, sondern ist das Produkt einer hochspezifischen algorithmischen Kuration. In Modellen wie Stable Diffusion verbirgt sich der Fußabdruck des »Aesthetic Predictor v2« – ein unsichtbarer Gatekeeper. Dieses neuronale Netzwerk bestimmt, welche Bilder aus dem riesigen LAION-5B-Datensatz »ästhetisch« genug sind, um die KI zu trainieren. Seine Ground Truth basiert jedoch auf subjektiven und homogenen Präferenzen, die die Realität aktiv verzerren, um eine normative, statistische Glätte zu erzeugen. Die interaktive Installation »The Better You« macht diese undurchsichtige Kuration forensisch erfahrbar. Besucher*innen treten vor einen digitalen Spiegel und setzen ihr Abbild demselben Algorithmus aus. Eine Echtzeit-Pipeline nutzt den originalen LAION Aesthetic Predictor v2, um das Live-Kamerabild zu analysieren und den Nutzer*innen sofort einen Score von 1 bis 10 zuzuweisen. Wäre dein Porträt als schön genug erachtet worden, um die Maschine zu trainieren? Gleichzeitig versucht das System, die Nutzer*innen zu korrigieren. »Florence-2« generiert eine visuelle Beschreibung, woraufhin Stable Diffusion XL ein »optimiertes« Spiegelbild synthetisiert. Menschliche Makel und Unvollkommenheiten werden getilgt und durch jene sterile, hyperreale Ästhetik ersetzt, die den Trainingsdaten des Modells innewohnt. Das resultierende Porträt wird zum Ausdruck algorithmischer Inzucht. Die Interaktion endet mit der Ausgabe eines Thermodrucks, der den berechneten Score sowie die synthetische Optimierung dokumentiert. »The Better You« formuliert einen dringenden Appell gegen den unkritischen Konsum KI-generierter Medien. Die Installation fordert die Betrachtenden dazu auf, ihre Wahrnehmung von Ästhetik zu hinterfragen, um zu verhindern, dass unsere visuelle Kultur durch statistische Konformität verkümmert.