Nicht nur das Design von Gegenständen und die Techniken ihrer Formgebung verändern sich im Laufe der Geschichte – auch die Denkbarkeit der gestaltenden Tätigkeit selbst ist im Wandel. Die Vorlesung führt das Gestalten auf seine philosophischen Grundlagen zurück, konfrontiert es mit den darin implizit vorausgesetzten Annahmen und macht deren Historizität sichtbar.
Im Zentrum steht die Frage, wie die Tätigkeit des Gestaltens – auf der Ebene des Denkens – mit den jeweiligen kulturellen Momenten verknüpft ist. Wir verstehen ihre Metamorphosen als Transformationen ihrer philosophischen Grundannahmen und verfolgen ausgewählte Stationen von der Antike bis in die Gegenwart.
Thematische Linien:
Technikauffassung : Vom instrumentellen Verständnis der Technik zu immersiven Milieus und Technoökologien, die ein nicht-anthropozentrisches Denken von Lebenstechniken und Technonatur erfordern.
Identität und Mimesis : Von der Mimesis als Nachahmung eines Originals über Imitation als Vervollkommnung oder als Reflexion ohne Original – bis hin zur allgemeinen Simulation.
Einbildungskraft : Von der Einbildungskraft als konstituierender Tätigkeit des Subjekts bei Kant bis zur artificial imagination der KI.
Entlang dieser Linien erkunden wir philosophisch die subversive Potenz des Gestaltens – seine Fähigkeit, hegemoniale Ordnungen, nationalistische Narrative und die Ideologien des Silicon Valley zu unterlaufen.