Masterthesis (MA)

Mit Bakterien färben

Eine Beziehung zwischen Textil und Mikroorganismus. Pigmentproduzierende Bakterien als nachhaltige Alternative zu konventionellen Färbemethoden

Die Arbeit erforscht pigmentproduzierende Bakterien als nachhaltige Alternative zur konventionellen Textilfärbung. In einem Co-Design-Prozess mit Mikroorganismen entstehen organische Farbwelten, die nicht kontrolliert erzeugt, sondern gemeinsam mit lebenden Organismen entwickelt werden. Das Projekt verbindet Design, Biologie und Materialforschung, verschiebt die Rolle von Gestaltung von Kontrolle hin zu Kooperation und eröffnet neue Perspektiven auf zukünftige textile Färbeprozesse.

Die Textilindustrie gehört nach wie vor zu den umweltschädlichsten Sektoren weltweit. Sie basiert stark auf synthetischen Farbstoffen, die enorme Mengen an Wasser und Energie verbrauchen sowie toxische Chemikalien in die Ökosysteme freisetzen. Diese Masterarbeit begegnet dieser ökologischen Krise, indem sie pigmentproduzierende Bakterien als biobasierte, nachhaltige Alternative zu industriellen Färbepraktiken erforscht. Im Zentrum der Untersuchung steht das Bakterium Janthinobacterium lividum, das für seine intensiven natürlichen Violacein-Pigmente bekannt ist und direkt auf unterschiedlichen textilen Oberflächen kultiviert wird. Anstatt biologische Organismen lediglich als passive Rohstoffe oder Werkzeuge zu betrachten, etabliert das Projekt ein neues Paradigma: Gestaltung als aktiven Dialog und Co-Kreation zwischen Mensch und Mikroorganismus. Durch experimentelle Laborarbeit an der Schnittstelle von Design, Mikrobiologie und Materialforschung entfalten sich textile Farbwelten dynamisch. Die entstehenden Muster, Verläufe und Texturen sind unrennbar mit den biologischen Wachstumsprozessen verbunden, wodurch jedes Textilstück zu einem visuellen Unikat wird. Dieser Ansatz verschiebt die traditionelle Rolle der Designer*in von absoluter Kontrolle und Vorhersehbarkeit hin zu Beobachtung, Fürsorge und Kooperation. Durch das Loslassen starrer Vorgaben zugunsten lebendiger Eigendynamik wird Unvorhersehbarkeit zu einem produktiven gestalterischen Wert. Zudem binden partizipative Methoden Teilnehmende direkt in den mikrobiellen Prozess ein, fördern ein geschärftes Bewusstsein für biobasierte Ursprünge und eröffnen mehr-als-menschliche Designperspektiven. Die Arbeit vereint wissenschaftliche Experimente, ökologische Verantwortung und ästhetische Forschung zu konkreten Impulsen für die zukunftsfähige Textilproduktion.

 

Material & Technologien

Mikroorganismus: Janthinobacterium lividum (Violacein-Pigment)

Textilien: Seide, Baumwolle, Polyester und verschiedene Mischgewebe

Kultivierung: Nährbouillon, Agar-Nährmedien, sterile Petrischalen und Gefäße

Der Prozess verbindet Bio-Design, Mikrobiologie und partizipative Co-Kreation. Die Bakterienkulturen werden unter kontrollierten Bedingungen bezüglich Temperatur, Feuchtigkeit und Belüftung auf den Textilien aufgebracht. Während des Wachstums interagieren die Bakterien dynamisch mit den unterschiedlichen Faserstrukturen, wodurch organische Farbverläufe und Muster entstehen. Diese Methodik führt zu einzigartigen, nicht reproduzierbaren visuellen Ergebnissen.

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