Um Brüche zu vermeiden, kommt es bei diesen Windungen zu einem oder mehreren Umkehrpunkten / 2026

Um Brüche zu vermeiden, kommt es bei diesen Windungen zu einem oder mehreren Umkehrpunkten / 2026
Die Diplomarbeit orientiert sich am Wuchsverhalten einer Kletterpflanze, die sich bei ihren Suchbewegungen immer wieder windet, die Richtung wechselt, um nicht abzubrechen. Sie sucht den Umweg, das zielgerichtet-sein ohne Geradlinigkeit. Ihre Unentschlossenheit, ihr Abschweifen: eine dennoch klare Bewegung, hin zur Mehrdeutigkeit.
Die Eingangsrampe des Raumes wird zum Sockel, ein Fleck am Boden ist Ausgangspunkt einer Arbeit und wird ihr fundamentaler Bestandteil. Löcher und Lücken im Raum werden zur Rahmung für Erbsen, bearbeitete Glasscheiben fügen sich in den Raum ein und lassen Durchblicke verschwimmen. In einem schmalen langen Gang befindet sich ein ebenso schmales, langes Objekt, etwas entrückt. Off?
Wenn wir einen leeren Raum betreten, stellt sich oft ein neues Gefühl ein, wir erleben den Raum als abgegrenzt zum vorherigen, zum Außen. Durch mehrere kleine Eingriffe, oder durch Platzierung von Arbeiten im Raum reagiere ich auf mein spezifisches Gefühl in diesem Raum, ohne es grundlegend zu überschreiben. Ich sehe die Arbeiten nicht als konkurrierend zum Raum, sondern als Erfahrungspunkte, die neu hinzukommen. Alles bleibt periphär, nichts rückt ins Zentrum und verschiebt die Aufmerksamkeit ganz. Der Raum bleibt präsent: mit allen seinen Facetten, den Brüchen und Momenten, die sich in ihn eingeschrieben haben – und uns mittendrin.
Dabei vergeht die Zeit nur tröpfelnd, Prozesse begleiten das Material und stoßen seine Veränderung an – in Stahlbecken befindet sich Wasser aus der Saale: ab dem Moment des Einfüllens verändert es die Oberfläche des Materials. Beim Beobachten dieser schleichenden Prozesse verändert sich ebenso schleichend meine Wahrnehmung von Zeit. Die raumeigene Zeitlichkeit wird betont. Ich, die ich durch die Durchlässigkeit in den Raum gelangt bin, erlebe vielleicht sogar mehrere Zeitebenen parallel – meine Eingangszeit, die Themen die sich in meinem Kopf hin- und herbewegen, die Dauer meines Körpers, der Stundenplan, der meinen Alltag beschreibt. Jetzt habe ich das Gefühl, ich kann erahnen, dass es da noch andere Zeitlichkeiten gibt: Die der Saale, ihres Wassers. Die der Transformations-Prozesse, die die Materialien begleiten. Die des langsamen Fließens des Wassers durch den Stoff. Die der Erbsen in ihren Kapseln.
Ich bleibe mit einem ambivalenten Gefühl zurück – die Unentschlossenheit, das Periphäre auszuhalten kostet Kraft. Aber es fühlt sich an, als müsste ich eben diese Ambivalenz beschützen. Es bewegt sich etwas, ganz langsam, in verschiedene Richtungen, ich werde ungeduldig, nervös, kann die Langsamkeit selbst kaum aushalten, gleichzeitig beruhigt sie mich, beruhigt es mich, dass es da etwas gibt, das sich der Schnelllebigkeit entzieht.
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