Masterthesis (MA)

Zwischen Konstruktion und Bild

Das dekorative Potenzial textiler Fassaden

Welche gestalterischen Qualitäten kann das textile Medium am architektonischen Körper entfalten?  Das Projekt untersucht das dekorative Potenzial textiler Fassaden. Durch Bindungen, Farbverläufe und Gewebestrukturen entstehen Oberflächen, die zwischen Bild und Konstruktion vermitteln. Je nach Betrachtungsdistanz verändern sie ihre Wirkung: Aus der Ferne erscheinen sie als Bild, aus der Nähe offenbaren sie Materialität, Struktur und konstruktive Logik. 
Die textile Fassade wird dabei zur visuellen Vermittlerin zwischen Architektur und Stadtraum.

Aufbauend auf einer Analyse textiler Bildsprache wurden Gewebe entwickelt, die als textile Skizzen unterschiedliche Möglichkeiten der Übertragung dekorativer und struktureller Prinzipien in den architektonischen Kontext erproben. Die Untersuchung erfolgt dabei experimentell, mit einem Schwerpunkt auf den Entwurf und basiert auf einem kreativen Prozess zwischen bildhafter Gestaltung und textiler Konstruktion. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Material, Struktur und visueller Wirkung im Maßstab der Fassade zu erfassen und gestalterisch zu untersuchen. Die zu sehenden Gewebe sind nicht als technisch ausgereifte Fassadensysteme oder unmittelbar realisierbare Konstruktionen zu verstehen. Wie die zeichnerische Skizze dienen auch die textilen Skizzen nicht der Ausarbeitung einer endgültigen Lösung, sondern der Untersuchung, Verdichtung und Sichtbarmachung gestalterischer Möglichkeiten. Ihr Erkenntniswert liegt in der experimentellen Erforschung der Wechselwirkungen zwischen textilem Muster, Materialität und architektonischem Maßstab. Gleichzeitig können aus den entwickelten Geweben funktionale Eigenschaften hervorgehen. Unterschiedliche Materialdichten, Transparenzen oder räumliche Strukturen erzeugen beispielsweise Verschattung, filtern Licht oder bieten Potenzial als Rankstruktur für Vegetation.