Technik entspringe nicht spezifischen Eigenschaften der Menschen, sondern artikuliere das Zur-Welt-Kommen aller Existierenden – menschlicher wie nicht-menschlicher, lebender wie nicht-lebender. Von dieser These ausgehend entwickelt Sophie Gosselin in ihrem Vortrag eine nicht-anthropozentrische Theorie der Technik. Im Zentrum steht der Begriff des Naturierens als unaufhörliche Bewegung der Ko-Emergenz der Körper, jenseits der Opposition von Natur und Kultur. Gosselin denkt weder von der modernen Konzeption aus, die eine grenzenlose Aneignung der Natur anstrebt, noch von den fragwürdigen Vorschlägen einer Rückkehr zu einer „natürlichen Ordnung“, sondern fragt nach den Bedingungen einer Neuerfindung des sinnlichen Verhältnisses zur Welt: anderen Weisen des Bewohnens, des Welt-Machens, des gemeinsamen Existierens.
Sophie Gosselin ist Philosophin und Künstlerin und lehrt im Rahmen des Masters Umweltstudien an der EHESS sowie am Lycée Grandmont in Tours. Sie koordiniert die Aktivitäten der Université Populaire pour la Terre in Tours und ist Mitglied des Redaktionskomitees der Online-Zeitschrift Terrestres, revue des livres, des idées et des écologies. Gemeinsam mit David gé Bartoli hat sie u. a. Le Toucher du monde, techniques du naturer (Éditions dehors, 2019) und La condition terrestre, habiter la Terre en communs (Éditions du Seuil, 2022) verfasst sowie ein zweijähriges Seminar am Collège International de Philosophie geleitet. Ihre Arbeiten nehmen die ökologische Krise und den ontological turn in der Anthropologie zum Ausgangspunkt, um unser Verhältnis zu Kunst, Technik und Politik neu zu durchdenken.



















