Im politischen Alltag verschwindet die Grenze zwischen Realität und Fantasie zu Ungunsten einer verlässlichen Wirklichkeit – das Undenkbare geschieht. Wie begegnen Künstler*innen einer gesellschaftlichen Realität, die unter die Haut geht? Mit dem Begriff des magisch Radikalen möchte ich eine künstlerische Praxis der gesellschaftlich-politischen Umkehr beschreiben, die sich aus dem magischen Realismus ableitet. Anhand historischer Beispiele und verschiedener Projekte, an denen ich in den letzten Jahren kuratorisch mitwirken konnte, zeige ich auf, wie Künstler*innen heute nach Formeln suchen, die aus einem Gespür für die Missstände unserer Zeit nach Veränderungen verlangen und der sozialen Vorstellungskraft magisch auf die Sprünge helfen.
Dr. Shelley Harten ist Kuratorin für Kunst am Jüdischen Museum Berlin. Seit 2021 kuratierte sie dort zahlreiche Ausstellungen, darunter Access Kafka (2024/5), Rehearsing the Spectacle of Spectres: Nir Evron und Omer Krieger (2023), Maya Schweizer: Sans Histoire (2023), Paris Magnétique. 1905-1940 (2023, in Zusammenarbeit mit mahJ Paris) sowie Yael Bartana – Redemption Now (2021). Im Jahr 2022 kuratierte sie den Israelischen Pavillon auf der 59. Biennale in Venedig und präsentierte Queendom, eine Ausstellung der Künstlerin Ilit Azoulay. Hartens aktuelles Projekt ist eine Co-Kuration mit Julia Friedrich für die Jubiläumsausstellung des jüdischen Museums Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart, die am 3. September 2026 eröffnet wird.
Shelley Harten studierte Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und der Ohio State University. Sie promovierte 2016 an der Freien Universität Berlin in Kunst- und Kulturgeschichte und erhielt 2018 den Hedwig-Hintze-Preis für ihre Doktorarbeit über „The Hebrew Orient, representations of ‚Arabs‘ and the ‚Orient‘ in Zionist art“.



















