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HAND OVER TIME. Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte

Die Studienrichtung SCHMUCK HALLE der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle initiiert mit HAND OVER TIME ein transdisziplinäres Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte.

Das erste Projekt im Rahmen von HAND OVER TIME ist ein im Zeitraum vom 4. bis 8. Mai 2026 gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte veranstalteter einwöchiger Workshop. Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und das LDA Sachsen-Anhalt laden herzlich zu einem Künstlergespräch mit Akis Goumas ins Landesmuseum für Vorgeschichte ein.

Im Zentrum steht die grundlegende Frage nach der Rolle des Machens in künstlerischen und gesellschaftlichen Erkenntnisprozessen. Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass künstlerische Arbeiten zunehmend bereits vor ihrer materiellen Umsetzung vollständig konzipiert werden. Diese Entwicklung steht im Spannungsfeld aktueller technologischer Veränderungen, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von KI, der präzise formulierte Ergebnisse begünstigt. Gleichzeitig droht dabei eine zentrale Qualität künstlerischer Praxis in den Hintergrund zu treten: das offene, experimentelle Arbeiten im direkten Dialog mit Material und Zeit.

Anknüpfend an Überlegungen des Soziologen Richard Sennett versteht HAND OVER TIME das Handwerk als einen erkenntnisstiftenden Prozess. In seinem Werk The Craftsman beschreibt Sennett das Streben, eine Arbeit „um ihrer selbst willen gut zu machen“, als grundlegenden menschlichen Impuls. Dies gilt weit über Bereiche mit qualifizierter manueller Arbeit hinaus, darunter Programmierer*innen, Ärzt*innen und Künstler*innen. Das Projekt greift diese Perspektive auf und untersucht das Wechselverhältnis von Denken und Machen als zyklischen Prozess – das Machen fördert das Denken und das Denken wiederum verfeinert das Machen – in dem praktische Erfahrung zu vertiefter Erkenntnis führt.

Forschungsziele von HAND OVER TIME
Mit HAND OVER TIME initiiert SCHMUCK HALLE an der BURG ein transdisziplinäres Forschungsnetzwerk, das sich diesen Fragen mit folgenden Zielen widmet:

  • Untersuchen, wie das Machen selbst dazu beiträgt, soziale, politische, ökologische und ökonomische Zusammenhänge besser zu verstehen und wie sich solche zirkulären Untersuchungsprozesse entfalten und zu neuen Erkenntnissen führen können.
  • Erforschen, wie Praktiken des Schmuckmachens nachhaltiger gestaltet werden können, um Wiederverwendung zu fördern und Belastungen für Ökosysteme und menschliche Gesundheit zu reduzieren.
  • Traditionelle handwerkliche Fähigkeiten an jüngere Generationen weitergeben und zugleich untersuchen, wie diese Praktiken langfristig erhalten und weiterentwickelt werden können. 

Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte
Den Auftakt des Projekts bildet der Workshop Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte, der in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt realisiert wird. 

Der Workshop wird geleitet von Akis Goumas, einem griechischen zeitgenössischen und international tätigen Schmuckkünstler und Forscher für antike ägäische Goldschmiedetechniken. Im Workshop wird er seine Forschungen zu historischen Werkzeugen und Metallbearbeitungstechniken vorstellen und zeigen, wie sich durch das praktische Arbeiten Erkenntnisse über Werte und Lebensbedingungen vergangener Gesellschaften gewinnen lassen.

Im Landesmuseum für Vorgeschichte befindet sich dank der engagierten Bemühungen von Prof. Dr. Harald Meller mit der Himmelsscheibe von Nebra die älteste konkrete Darstellung kosmischer Phänomene.

Die Himmelsscheibe von Nebra entstand vor über 3.600 Jahren in der Frühen Bronzezeit in Mitteldeutschland. Die Scheibe zeigt einen Vollmond, der auch als Sonne gelesen werden kann, eine Mondsichel und 32 Sterne sowie zwei Horizontbögen und eine Himmelsbarke – alles aus Gold gefertigt. Das Objekt zeugt nicht nur von fortgeschrittenem astronomischem Wissen, etwa vom Verständnis eines lunisolaren Kalenders und der Sonnenwenden, sondern spiegelt auch den Wunsch wider, dieses Wissen in wertvollen Materialien festzuhalten. Das Wissen um die auf der Himmelsscheibe gewissermaßen als Piktogramm codierte Schaltregel kann nur aus dem Vorderen Orient in unsere Region gelangt sein. Auch die Materialien selbst – Bronze und Gold – verweisen auf weitreichende Austauschnetzwerke: Das Gold stammt vermutlich aus Cornwall, die Bestandteile Zinn und Kupfer der Bronze ebenfalls aus Cornwall bzw. aus den Alpen, während bestimmte Goldschmiedetechniken wahrscheinlich aus der Ägäis im Mittelmeerraum übernommen wurden. 

Im Rahmen des Workshops wird der hallesche Kupferschmied Herbert Bauer Einblicke in seine Untersuchungen zu den Metallbearbeitungstechniken der Himmelsscheibe von Nebra geben. Der Workshop richtet sich an transdisziplinär arbeitende Studierende der BURG, Forschende des Landesmuseums, und Schüler*innen der Kooperativen Gesamtschule (KGS) „Wilhelm von Humboldt“ Halle. 

Durch praktisches Arbeiten mit historischen Techniken eröffnet der Workshop neue Zugänge zu vergangenen Lebensrealitäten und Wertesystemen und macht erfahrbar, wie Wissen im Prozess des Machens entsteht. Ziel ist ein transdisziplinärer Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Bildung.

Über Akis Goumas
Akis Goumas (geb. 1952, Griechenland) ist Schmuckkünstler und Forscher mit internationaler Ausstellungstätigkeit. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften absolvierte er Ausbildungen in Gold- und Silberschmiedekunst, Gemmologie und Siegelgravur. Seit 2000 unterrichtet er Schmuckgestaltung in Florenz und Athen. Goumas erhielt Stipendien von der Harvard University sowie von Homo Faber Fellowship. Als technischer Berater und Schmuckkünstler wirkte er kürzlich an der Ausstellung „Art in Gold“ im Benaki Museum in Athen mit. Mehr Informationen: https://www.akisgoumasgallery.com/

 
HAND OVER TIME. Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte
Workshopdauer: Montag, 4. Mai bis Freitag, 8. Mai 2026
Pressegespräch: Donnerstag, 7. Mai 2026, 11 Uhr
Ort für Pressegepräch: Landesmuseum für Vorgeschichte, Richard-Wagner-Straße 9, 06114 Halle (Saale)
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei
Kontakt: Prof. Dr. Yuka Oyama, ed.ellah-grub@amayo  
Projektwebsite: www.burg-halle.de/hand-over-time 
Instagram: @schmuckklasse_burg_halle

Öffentliches Programm

Mittwoch, 6. Mai 2026
18 – 19:30 Uhr // Akis Goumas. Vortrag: Lernen durch Machen, Lernen von der Urgeschichte und Künstler*innengespräch. Ort: Hörsaal das Landesmuseums für Vorgeschichte 

Freitag, 8. Mai 2026
18:30 Uhr // Get Together: Einblick in die Schmuckwerkstatt und Präsentation der Arbeitsergebnisse. Ort: SCHMUCK HALLE, Campus Kunst, Seebener Str. 1, 06114 Halle. Um Anmeldung wird gebeten: ed.ellah-grub@amayo