Lehrangebot

4D — Zwischen Forschung und Vermittlung: Politische Prozesse kartieren, 9. SW Sommersemester 26

Im September wählt Sachsen-Anhalt eine neue Landesregierung. Diese Wahl steht – neben anderen Abstimmungen in diesem Jahr – bundesweit im Fokus, weil die rechtsextremistische AfD in Umfragen weit vorn liegt. Doch wie genau läuft so eine Wahl eigentlich ab? Welche Faktoren beeinflussen den Ausgang und wo haben Bürger:innen tatsächlich Handlungsspielräume?
 

In diesem Seminar möchten wir gemeinsam mit euch den Wahlprozess vom Parteiprogramm bis zum Wahltag genauer unter die Lupe nehmen und sichtbar machen. Im Austausch mit Menschen aus politischer Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erfassen wir zentrale Stationen dieses Prozesses und entwickeln Formen, die ihn für eine breite Öffentlichkeit verständlich und zugänglich machen. Ziel ist es, politische Abläufe nicht nur zu erklären, sondern so aufzubereiten, dass sie zur Auseinandersetzung und Beteiligung befähigen.
 

Dafür erkunden wir Prozesskartierung als transdisziplinäre Forschungsmethode und experimentieren mit unterschiedlichen Formen der visuellen und räumlichen Kommunikation. Besonders interessieren uns die Zwischenräume, das, was zwischen den klar definierten, formalen Schritten passiert. Denn informelle Praktiken, Gespräche, Routinen und Machtverhältnisse prägen die formellen Prozesse, nutzen Spielräume und beeinflussen Ergebnisse – oft, ohne dass sie sichtbar sind. Genau hier setzen wir an. Wir wollen diese unsichtbaren Teile des Prozesses gemeinsam freilegen, strukturieren und gestalterisch erfahrbar machen.
 

Die Kompaktwoche wird angeboten von der Gestaltungszentrale Politik, einer gemeinnützigen Initiative, die seit zwei Jahren den Gesetzgebungsprozess auf Bundesebene kartiert. Ausgangspunkt war die Frage: Wie werden aus Ideen Gesetze? Aus dieser Forschung, die in Kooperation mit der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung entstanden ist, entwickelt sich aktuell ein frei zugänglicher Atlas politischer Prozesse. Er soll Zivilgesellschaft, NGOs und der politischen Bildung helfen, Abläufe besser zu verstehen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Im Seminar stellen wir Methoden und Erkenntnisse aus dieser Arbeit vor und übertragen sie gemeinsam mit euch auf die Wahl in Sachsen-Anhalt.
 

Das Seminar richtet sich an alle, die Lust haben, Politik als Gestaltungsaufgabe zu begreifen, ob mit Schwerpunkt Grafik, Raum, Produkt, Medien oder Theorie. Vorkenntnisse in Politikwissenschaft sind nicht nötig. Wichtiger sind Neugier, Bereitschaft zum gemeinsamen Denken und Freude am Ausprobieren neuer Formen, politische Prozesse sichtbar zu machen.

Teilnehmendenzahl: max. 20.