Patterns behind Patterns
Woher kommt unser Wissen? Woher weiß ich, was ich weiß - und was ich nicht weiß?
Was ist sichtbar in einem Textilmuster - und was bleibt unsichtbar? Wie zirkulieren Muster zwischen Kulturen, Märkten und Zeiten? Und welche Rolle spielt meine eigene Position in dieser Bewegung?
In diesem Grundlagenprojekt werden wir mit den Studierenden aus dem 2. Studienjahr folgende global verflochtene und besonders erkennbare Muster aus der Mode- und Textilindustrie untersuchen: بتهجقه (Boteh-Muster), Atamfa (Wax Print), Hawaiian-Print, Damast-Muster, Chinoiserie-Muster. Die Studierenden werden ihre Entstehung, ihre historischen Verschiebungen und ihre gegenwärtige Zirkulation betrachten. Dabei werden ökonomische, politische, kulturelle und globale Verflechtungen ebenso berücksichtigt wie Fragen nach Sichtbarkeit, Bedeutungswandel, Kulturidentität oder Kontextverlust.
Die Studierenden werden im ersten Workshop in der Einführungswoche durch Übungen und Diskussionen aus psychologischer, philosophischer und kultureller Perspektive eine Orientierung erhalten und sich auf die Recherche des Textilmusters fokussieren. Durch das Sichtbarmachen der eigenen sozialen Position sollen eigene Anliegen und Konzepte entwickelt werden, beispielsweise die Infragestellung des eigenen Vorwissens, die Reflexion der eigenen gestalterischen Überlegung in diesem Projekt, die Reflexion eigener kultureller Prägungen, das Bewusstmachen impliziter ästhetischer Annahmen, oder die Entwicklung einer gestalterischen Arbeit als bewusste Übertragung und Kontextverschiebung.
Diese persönliche Ausarbeitung wird bei den Recherche-Vorträgen und den Konzepttexten für das Textilmuster-Recherchebuch sowie bei den Dokumentationen der Outfits und kommerziellen Produkten sichtbar gemacht.
Künstlerische Gestaltung des Textilmusters und des Outfits
Die durch die Recherche entstandenen Reflexionen und Anliegen dienen als ein zentrales Konzept, das die eigene künstlerische Arbeit begleitet. Somit können Details der Musters und Gestaltungselemente der Outfits durch die Recherche und individuelle Auseinandersetzung entwickelt werden. Eigene unbewusste Wahrnehmungen und Intuitionen können erkannt und bewusst gestaltet werden. Ebenso können implizite Muster, Elemente usw. mitgestaltet werden.
In drei gestalterischen Workshops zu Muster und Silhouette werden die Studierenden in verschiedenen Übungen Entwürfe generieren, und Variationen mit Farbkombinationen, Collagen und Drapagen erarbeiten. Das Arbeiten in digitalen Programmen wird helfen, den Überblick über die eigenen Entwürfe zu behalten und bewusste Entscheidungen für den Entwurfsprozess zu treffen.
Kommerzielle Produkte
Eine weitere Aufgabe in diesem Projekt ist die Gestaltung kommerzieller Produkte. Diese sollen innerhalb der dritten Kompaktwoche fertiggestellt werden. In dieser Woche wird diskutiert, wie sich die Gestaltung der kommerziellen Produkte von der künstlerischen Gestaltung des Textilmusters und Outfits unterscheidet. Durch die Analyse historischer und aktueller Zirkulationsprozesse eines Textilmusters sollen die Studierenden die Verantwortung der unterschiedlichen sozialen Rollen erkennen und reflektieren bzw. sich gestalterisch positionieren.
Siebdruck und Farbstoffdruck
Im Zentrum dieses Projekts stehen Siebdruck und Farbstoffdruck mit nachhaltigen, natürlichen Pigmenten bzw. Materialien mit 100-prozentiger Zellulosefaser. Die Studierenden werden in der Textilwerkstatt unter der Betreuung von Joachim Unterfrauner klassischen Siebdruck und die Technik des Monoprints erlernen und mit der Überlagerung der Siebe, Drucktechniken, Farben, Materialien usw. experimentieren. Die Herstellung der Farben wird ins Archiv der Textilwerkstatt aufgenommen und steht den Studierenden zukünftig zur Verfügung.














