Lehrangebot

Design und Adultismus I

Die menschliche Lebenswelt wird von Erwachsenen für Erwachsene entworfen. Minderjährige werden in der Regel nur bei der Gestaltung von Spielplätzen, Kindertagesstätten, Schulen oder anderen speziell für Kinder vorgesehenen Bereichen gestalterisch berücksichtigt. Daraus resultierend behindern privater als auch öffentlichen Raum, Infrastrukturen, öffentliche Verkehrsmittel und Kommunikationsmittel (um nur einige Beispiele zu nennen) Kinder, schließen sie aus verhindern ihre Teilhabe. Während kritische Designtheorien in den letzten zwanzig Jahren dafür sensibilisiert haben, dass viel zu oft der männliche, weiße, heterosexuelle, able-bodied Mensch das Maß der Gestaltung bildet, bleibt die Kritik an der Volljährigkeit dieses fiktiven Nutzers fast vollständig aus.

Das Seminar widmet sich dem Problem aus intersektionaler Perspektive und begreift Adultismus als Konsequenz einer strukturell adultzentrisch organisieren Gesellschaft, welche nicht nur die Bedürfnisse erwachsener Menschen gegenüber denen von Kindern und Jugendlichen priorisiert, sondern auch diverse Formen der Machtausübung Erwachsener gegenüber Minderjährigen – sowie ihre Exklusion aus zahlreichen Bereichen – legitimiert oder sogar strukturell einfordert.

Im Seminar werden wir uns zunächst mit relevanten Grundlagen aktueller Kindheitsforschung beziehungsweise den Critical Childhood Studies beschäftigen, um uns darauf aufbauend konkret dem Adultismus im Design zu widmen.

Da die Ergebnisse beider Seminare in eine Publikation einfließen werden, wird es verschiedene publikationsrelevante Forschungsformate geben, mit denen wir das Problem skizzieren. Dazu gehören die Lektüre relevanter Texte, die Analyse und Dokumentation von konkreten Beispielen für adultistisches Design sowie Interviews mit Expert*innen aus der Kindheits- bzw. Adultismusforschung, Designpraxis und Stadtsoziologie. Weitere Formate könnten ggf. im Laufe des Seminars ergänzt werden.

Interessierten und Seminarteilnehmer*innen, die sich bereits vor Beginn der Veranstaltung in das Thema einlesen möchten, wird folgende Literatur empfohlen:

Manfred Liebel, Philip Meade: Adultismus. Die Macht der Erwachsenen über die Kinder – eine kritische Einführung. Bertz und Fischer, Berlin 2023.

E. Kay M. Tisdall, John Emmeus Davis und Marlies Kustatscher: Critical Childhood Studies. Global Perspectives. Bloomsbury, London/New York 2023.

Das Seminar ist auf zwei Semester angelegt. Aufgrund der Studienordnung kann allerdings nur eines als Vertiefungsmodul Designtheorie angerechnet werden. Es ist daher möglich, nur eines der beiden Seminare zu besuchen (im SS 2026 oder WS 2026/27).

Im Seminar können 6 ECTS (nur für Studierende der Design Studies) als auch 2 ECTS erworben werden. Die dafür zu erbringende Prüfungsleistung wird in der ersten Stunde des Seminars besprochen.

Die Unterrichtssprache ist deutsch, es werden jedoch auch englischsprachige Texte gelesen und diskutiert. Die Teilnahme ist dennoch ohne Englischkenntnisse möglich.

Seminarteilnehmer*innen können nach Rücksprache mit der Dozentin zu betreuende Kinder mitbringen. Eventuell wird bei Bedarf schon die neue Spielzeugkiste der BURG zur Verfügung stehen.