What if … ? Game Design als spekulatives Zukunftslabor
In diesem interdisziplinären Projektseminar erforschen Studierende, wie digitale Spiele als experimentelle Plattformen genutzt werden können, um gesellschaftlich relevante Zukunftsszenarien erleb‑ und reflektierbar zu machen.
Die Digitalisierung unseres alltäglichen Lebens ist in vollem Gange. Mittlerweile ist der Zugang zum Internet genauso wichtig wie die Versorgung mit Wasser und Strom. Der Computer hat die bloße Bildschirmoberfläche längst verlassen und durchdringt immer mehr Bereiche unseres Lebens. Intelligente Produkte analysieren und automatisieren alltägliche Prozesse, reagieren autonom auf ihre Umgebung und sammeln Daten in der „Cloud“. Alles Messbare, von Surf‑ und Kommunikationsverhalten (E‑Mails, Messages, Likes, …) über Finanztransaktionen (Banking, Kryptowährungen) bis hin zu Bewegungsprofilen und persönlichen Vorlieben, ist Teil eines immer komplexer werdenden, dynamischen kybernetischen Systems und bildet wie selbstverständlich die Grundlage für Überwachung (Tracking), Verhaltensmanipulationen (Dark Patterns) sowie monetäre Ziele großer Tech‑Konzernen. Gleichzeitig existiert seit Beginn unseres digitalen Zeitalters eine Gegenbewegung, die mit offenen Standards, Open‑Source‑Software und datensparsamen Entwicklungen eine klare Alternative zu Big Tech bietet und eine andere digitale Zukunft imaginiert.
Im Seminar wollen wir gemeinsam große, globale sowie kleinere, vielleicht noch unscheinbare Entwicklungen unserer digitalisierten Welt betrachten. Ausgehend von der Frage „What if …?“ (Was wäre, wenn …?) denken wir spezifische Trends weiter und nutzen sie für spekulative Geschichten über die nahe Zukunft, die andere digitale Vorstellungswelten zu lassen. Das Medium Computerspiel dient dabei als spekulatives Zukunftslabor, um diese spielerisch erfahrbar zu machen.
Der Fokus liegt zwar primär auf dem Medium Spiel, jedoch sind auch andere multimediale Formen möglich.
In der ersten Kompaktwoche werden wir einen Workshop zu dem Thema “Regeln und Handeln”, geleitet von Friedrich Kirschner (Studio Three More Years), durchführen. Dieser Workshop legt die inhaltliche Basis für die anschließende Projektphase, in der einzelne oder im Team entwickelte Konzepte entworfen und prototypisch umgesetzt werden.
Termine
- Einführungswoche (Donnerstag, 02. April, ab 10 Uhr): Räume und Technik vorbereiten/einrichten
- Normalwochen: Dienstags, Projektseminar ganztägig
- 3. Semesterwoche (Mo. 20. bis Do. 23. April): Workshopwoche
- 15. Semesterwoche Endpräsentation
- Fr. 17. - So. 19. Juli Jahresausstellung
Quellen
- Dunne & Raby: speculative Everything (Cambridge, Massachusetts ; London : MIT Press, 2013)
- Anna-Verena Nosthoff zu Kybernetik und Kritik (Future Histories – Podcast, Episode S03E58, 2026)
- Anna-Verena Nosthoff: Kybernetik und Kritik, Eine Theorie digitaler Regierungskunst (Suhrkamp Verlag, 2026)
- Zuboff, S.: Surveillance Capitalism (Essay)
- Browser History (Podcast)
- F. Kirschner: This is (not) a drill (in Transdisziplinäre Begegnungen bei Springer, 2022)
- F. Kirschner: Der Polymythos (in Algorithmen des Theaters, Alexander Verlag, 2020)
- Marie LeBlanc Flanagan: If you don’t like the game, Change the rules (Paper/Comic, 2023)
Anmeldung
_ Beginn der Einschreibung 02. März um 10 Uhr
_ Ende der Einschreibung 15. März um 18 Uhr
Einschreibung über https://www.burg-halle.de/einschreibung-mmvr-projekte
(Benutzernamen st-Nr. und Burg-Passwort)
Anmeldungen von neu immatrikulierten, die noch keine Zugangsdaten haben, Masterstudierenden bitte per Mail (s. Kontakt) mit Angabe von Erst-, Zweit- und Drittwunsch.
Lern- und Qualifikationsziele
Im Fach „Komplexes Gestalten“ arbeiten BA- und MA-Studierende an denselben Aufgabenstellungen mit den folgenden Zielen:
Multimedia|VR-Design (B.A.)
Im Fach „Komplexes Gestalten“ werden die in den ersten beiden Jahren erlangten Kompetenzen zusammengeführt und beispielhaft an einer komplexen Aufgabenstellung angewendet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf einem tragfähigen Konzept basieren und anhand von Prototypen sowie medientechnisch und gestalterisch eigenständigen Gestaltungsstudien erprobt werden.
Multimedia Design (M.A.)
MA-Studierende bringen ihre fachspezifischen und erweiterten Kompetenzen (im Besonderem Quereinsteiger) in die Bearbeitung der komplexen Aufgabenstellungen ein und kontextualisieren diese in aktuellen Diskursen. Ziel ist es, im Rahmen der projektorientierten Auseinandersetzung eine individuelle fachliche Vertiefung und fundierte Lösungsstrategie zu entwickeln. Hierfür wird das künstlerisch-gestalterische Vorhaben mit forschungsbasierten Bearbeitungsfeldern weiterentwickelt. Es gilt, die eigene Arbeit unter Anwendung von Methoden künstlerischer Forschung zu einem eigenständigen künstlerisch-gestalterischen Lösungsansatz zu führen.









