Lehrangebot

Common Ground

Vom runden Tisch zum runden Tisch

Wir müssen reden – wo wir hinsehen entdecken wir verhärtete Fronten, eingefahrene Prozesse und Wege, die immer weiter auseinanderdriften, statt sich zu kreuzen. Braucht es neue Orte, die diese fehlenden Zusammenkünfte und Auseinandersetzungen wieder möglich machen und fördern? 

Wir wollen uns in dieser Fachaufgabe sammeln, uns miteinander zusammen- und auseinandersetzen, um gemeinsam einen Ort zu schaffen, an dem genau dies möglich ist: Unterschiedliche Vorstellungen, Meinungen und Ideen zu teilen, zu verhandeln und in die Tat umzusetzen.

Um diesen Common Ground zu schaffen, bedienen wir uns dem Material, auf dem wir alle stehen: Lehm. Wir wollen ihn nutzen, um aktiv zu konstruieren. Wir wollen fest auftreten, stampfen, Risse füllen, Löcher stopfen, bauen, umformen und wieder einreißen, bis ein Ort entsteht, an dem wir reden können, an dem alle reden können.

Gemeinsam gestalten und realisieren wir in zwei Wochen einen Runden Tisch und nutzen die Stampflehm*-Technik. Wir verstehen den runden Tisch dabei als Ziel aber vor allem auch als Weg und Methode, um auf Augenhöhe zusammenzukommen und gemeinsam zu verhandeln: wie wir miteinander umgehen, sprechen und leben.

Das Projekt startet mit einer theoretischen und vor allem praktischen Einführung durch Franziska Knoll vom Forschungsbündnis Golehm.
Im weiteren Verlauf gibt Hannah Lu Verse, Mitarbeiterin im Projekt Provisorium, Einblicke in gestalterische Interventionen im öffentlichen Raum. 

 

 

*Stampflehm, Pisé oder Rammed Earth – eine jahrtausendealte Bautechnik: Krümeliges, erdfeuchtes und relativ mageres Tongemisch wird schichtweise in eine Schalung eingefüllt. Durch Stampfen wird es verdichtet, danach entschalt und luftgehärtet. In der Natur führt Verdichtung dazu, dass der Boden wesentliche Funktionen einbüßt. Hingegen weiß die Architektur das Potenzial von Stampflehm zu nutzen: Porosität und Durchlässigkeit machen das Material atmungsaktiv. Außerdem ist der Baustoff durch die Nutzung und Wiederverwendbarkeit lokaler Ressourcen kreislauffähig. Bei all den überzeugenden Argumenten und über 100 Millionen Tonnen Bodenaushub pro Jahr allein in Deutschland: Lässt sich Stampflehm jenseits von Mauern und Fußböden denken?
Das Forschungsprojekt
prog/rammed earth interpretierte Stampflehm als robotergestütztes additives Fertigungsverfahren und spekulierte über dessen Anwendungen jenseits des architektonischen Maßstabs.