Geschichte der Burg

von den Anfängen bis zur Gegenwart
1915–1925

1915

Berufung des Architekten Paul Thiersch als Direktor;
Einrichtung einer Klasse für Architektur und Raumausstattung

1915–1925, Die Anfänge unter Paul Thiersch

Die Handwerkerschule der Stadt Halle, hervorgegangen aus der Vereinigung der Provinzial-Gewerbeschule (1852) mit der Gewerblichen Zeichenschule (seit 1870) wird von Paul Thiersch im Sinne der Ideen des Deutschen Werkbundes und dessen Kunstgewerbeschulreform zu einer modernen, an der Praxis orientierten Kunstgewerbeschule mit ausbildenden und produzierenden Werkstätten zeitgemäß erneuert: Künstlerische Fachklassen mit angeschlossenen Lehrwerkstätten, in denen die Ausbildung ohne akademische Einengungen, also auch ohne feste Lehrpläne, im Sinne eines verklärten Bauhüttenideals erfolgt.

Paul Thiersch, 1879–1928

  • Geboren am 2.5.1879 in München
  • 1897–99 Technikum Winterthur und Gewerbeschule Basel
  • 1901–04 Architekturstudium an der Technischen Hochschule München bei Martin Dülfer, Karl Hocheder, Theodor Fischer und Friedrich von Thiersch
  • 1904–06 Münchner Stadtbauamt
  • 1906–07 Assistent und Bürochef bei Peter Behrens in Düsseldorf
  • 1907–09 Assistent und Bürochef bei Bruno Paul in Berlin
  • 1909–15 freier Architekt in Berlin, unterrichtet nebenamtlich am Kunstgewerbemuseum in Berlin
  • 1.7.1915–1.7.1928 Direktor der Handwerkerschule, seit 1918 Handwerker- und Kunstgewerbeschule, seit 1921 Werkstätten der Stadt Halle - Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle/S.
  • 1915–21 Leiter der Fachklasse für Architektur und Raumausstattung
  • 1921–28 Leiter des Meisterateliers bzw. der Fachklasse für Architektur und 1925-1928 des Meisterateliers Bühnenausstattung
  • 1928 Berufung an die Technische Hochschule Hannover, Lehrstuhl für Raumkunst und Architektur
  • Gestorben am 15.11.1928 in Hannover

1915–1925

Die Anfänge unter Paul Thiersch

1916

erste Werkstattgründung innerhalb der neuen Kunstgewerbeabteilung:
Fachklasse für kunstgewerbliche Frauenarbeiten, darin eingeschlossen eine Emailwerkstatt, diese Klasse bildet den Grundstein für die später nach Gewerken getrennten bildkünstlerischen und kunstgewerblichen Fachklassen; Einrichtung einer Klasse für Bildhauerei

1917

erste künstlerische Arbeit im Auftrag der Stadt Halle: Ausmalung des Treppenhauses im neu erbauten Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle

1918

das neue Ausbildungskonzept im Sinne des Werkstattprinzips spiegelt sich in der neuen Bezeichnung: Handwerker- und Kunstgewerbeschule der Stadt Halle

1919

systematischer Ausbau der Werkstätten mit Unterstützung durch den Oberbürgermeister der Stadt Halle, Richard Robert Rive, der in Thierschs Plänen die Chance erkennt, Halle als Kunststadt berühmt zu machen;
die Gründung des Bauhauses in Weimar versteht Thiersch als Konkurrenz, sieht gleichwohl darin die Richtigkeit seines Weges bestätigt und argumentiert vor diesem Hintergrund seine weiteren Anträge zum Ausbau der Werkstätten; Einrichtung einer ersten Klasse für Malerei; Einrichtung einer Werkstatt für Metallbearbeitung

1920

Einrichtung einer Werkstatt für Baukeramik, ab 1922 auch für Töpferei; Eröffnung einer Buchbindewerkstatt und einer Textilwerkstatt; Die Schule stellt kontinuierlich juryfrei (bis 1941, wieder ab 1951) auf der von Richard Graul gegründeten Grassimesse in Leipzig aus; ihre Erzeugnisse werden auch in Berlin, Köln und Hamburg regelmäßig angeboten

1921

die Unterburg Giebichenstein, von der Stadt Halle 1918 erworben, wird 1921–22 nach Plänen von Wilhelm Jost und Paul Thiersch umgebaut, um die Bedeutung der Schule, wie Thiersch schrieb, auch in ihrer äußeren Gestalt zum Ausdruck bringen zu können; die Emailwerkstatt wird eigenständig geführt; Teilung der Klasse für Architektur und Raumausstattung in zwei selbständige Klassen; erste Bühnenausstattungen und Kostümentwürfe, ab 1925 Einrichtung eines Meisterateliers für Bühnenausstattung (bis 1933)

1922

Vollendung des Umzugs der kunstgewerblichen Abteilungen in die Unterburg Giebichenstein; die Schule heißt jetzt Werkstätten der Stadt Halle/ Staatlich-städtische Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein; Beginn grundlegender Unterweisungen in Schrift, Aktzeichnen und Kunstgeschichte parallel zur Werkstattausbildung; Ausbau der Buchdruckerei

1923

Verfügung der Stadt Halle zur Abtrennung der Handwerkerschule, die fortan mit ihren Baugewerk- und Maschinenbauklassen der Gewerblichen Berufsschule untersteht; aus der Werkstatt für Metallbearbeitung entsteht eine Metallklasse mit den Schwerpunkten freie und angewandte Metallplastik sowie betont funktionalistisch bestimmten Modellentwicklungen