Philosophie

Professur für Philosophie, Prof. Dr. phil. Mirjam Schaub
Telefon +49(0)345 7751 691, schaub(at)  burg-halle.  de

Philosophisches Verständnis

Faszinierender Weise treiben philosophische Fragen eigentlich jeden Menschen um – egal ob alt, ob jung, ob gewollt oder nicht. Philosophie entspinnt sich zu allererst im Dialog, eher beiläufig. Das Gespräch wirkt weiter und zieht, obwohl es scheinbar harmlos beginnt, schnell immer größere Kreise. Denn Philosophie geht auf das Ganze des Lebens, zielt auf umfassende Selbstbildung, empfiehlt höflich das Maßhalten und weiß doch Einiges vom Exzess. Sie gehört nicht den Spezialisten allein, sondern auch den Naiven, rastlos Fragenden, den buchstäblichen Idioten; sie ist eher anarchistisch, subversiv, kritisch und plural, denn hierarchisch und autoritär; dabei nicht sonderlich begabt zum Fortschritt. Diese luxuriöse Form eines Weltzugangs ohne Angst, die sich von den Notwendigkeiten des Tagesgeschäfts löst, verbindet die Philosophie mit Kunst und gestalterischer Formgebung.

Darum gehört Philosophie in der Vielfalt ihrer Stile und Schulen an die Burg Giebichenstein. Mit ihren 2.500 Jahren Kultur-, Ideen-, Text- und Diskursgeschichte weiß sie wie keine andere Tätigkeit um die Schwierigkeiten der menschlichen Existenz, die daraus erwachsen, dass wir sensibel, klug und gemein sind, dabei verdammt zur Freiheit, unser Leben, gerade weil wir „metaphysische Tiere“ sind, selbst „in die Hand zu nehmen“. Welchen Sinn geben wir unserer Existenz und was hinterlassen wir der Nachwelt? In welchem Verhältnis stehen Selbstbehauptungswillen und -zerstörung, Kreation und Destruktion?

Das Ideale, Perfekte, Vollkommene überlässt die Philosophie dem Göttlichen. Uns aber begeistert sie für das Komplexe und Komplizierte, indem sie differenziert, analysiert, qualifiziert, spekuliert und resümiert, kritisiert und begründet, endlich Getrenntes neu zusammenfügt. Sie übt so den Umgang mit Gemengelagen, unreinen Praktiken und beschädigten Theorien. Sie tut dies an einer Kunsthochschule immer entlang eines konkreten Gegenstandes, der ihr Widerstand entgegensetzt, Rätsel aufgibt, Zweifel aufwirft. Was erzählen die Objekte, die wir gestalten, die Kunstwerke, die wir erschaffen, über uns und unser Denken und Fühlen? Welche Impulse und Lösungen halten Kunst und Design für uralte philosophische Probleme bereit? Ähneln die Radikalität und Kühnheit eines Gedankens wirklich denen eines Objekts?

Aus dieser Perspektive bedeutet philosophische Kunstraumforschung eine strategische Blickumkehr, die nicht bestimmend über Objekte urteilt, sondern reflektierend deren Karrieren, deren zugehörige Begriffs- und Theorieschicksale befragt. Damit rücken neben der Ästhetik (seit 1750) auch Theorien ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die überhaupt nicht für den modernen Kunstraum gedacht waren. Es gilt, die verschüttete Heuristik der sich verfransenden Künste für die Philosophie neu zu entdecken, Kunstwerke und Designobjekte diagnostisch auch als Trajekte unzeitgemäßer, fahrender Ideen zu verstehen.                          

Mirjam Schaub

Standort

Schleifweg 6, 06114 Halle
Zimmer 014, Tür links im Großen Seminarraum

Sprechzeiten im SoSe 2017 ab 4. April

Prof. Dr. Mirjam Schaub (Professorin für Philosophie)
Dienstag, 12–13.30 Uhr, sowie nach Vereinbarung in Kompakt-/Atelierwochen
Büro, Schleifweg 6
Anmeldung unter: schaub(at)burg-halle.de

Iris Dankemeyer, M.A. (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Philosophie)
Donnerstag 14–15.30 Uhr, sowie nach Vereinbarung
Büro, Schleifweg 6
Anmeldung unter: dankemeyer(at)burg-halle.de