Bildhauerei Metall / Projekt 22.06.2018

VERTIKALSPANNUNG Diplomarbeit Stine Albrecht 2018

Die Vertikalspannung ist ein Phänomen, unter der die Menschen in allen Epochen und sämtlichen Kulturräumen stehen. Sie bauen Gegensatzpaare auf, die attraktive und abstoßende Formen des menschlichen Verhaltens unterscheiden. Solche Gegensatzaare sind z.B. Wissen – Unwissen, Stärke – Schwäche, Vollkommen – Unvollkommen. In allen genannten Beispielen ist der erste Begriff die Zugkraft “von oben“, die für Orientierung sorgt und der zweite polarisierende Begriff ist die Vermeidungsgröße. Der Mensch hat die vertikalen Spannungen in sich selbst und wir spüren sie als eigenen inneren Apell, oder von außen als gesellschaftlichen Druck. Ich lebe zwar schon, aber etwas sagt mir mit unwidersprechlicher Autorität: Du lebst noch nicht richtig. Dieses Noch – Nicht, die Orientierung an ein „höheres Leben“, die Spannung im Zwischenraum von Vermeidung und Anziehung, ist die Vertikalspannung. Elastische Edelstahl – Bleche werden mit Kinetischer Energie angehoben, gebogen und gespannt, dabei weicht die Zweidimensionalität der Dreidimensionalität und aus einer Fläche entsteht ein Körper, ein Gebilde. In Form von Steckverbindungen wird diese am Körper verrichtete Arbeit in Form von potentieller Energie gespeichert. Die eingesetzte Verformungsarbeit bei elastischen Körpern wird als Spannungsenergie gespeichert, die durch eine Zustandsänderung zu- oder abnehmen kann. Spannen wurde für mich zum Formungs- und Ordnungsprinzip mit der Absicht Metallobjekte aus der Materialfläche heraus zu formen, zu spannen und die Spannung zu halten. Puristisch, kühl, fast distanziert vermitteln die strengen geometrischen Formationen die Steigerung der Minimalisierung. Betreuer für den praktischen Teil: Prof. Rolf Wicker Prof. Stella Geppert

Bildhauerei Metall / Projekt 06.03.2018

IN SILENCE Diplomarbeit 2018 von Lisa Kohl

STATEMENT In meinem bisherigen Kunstschaffen habe ich mich mit Rauminstallation, Sound-Video- Installation und dem Arbeiten mit objets trouvés beschäftigt. In raumübergreifenden, ortsgebundenen und situationsbezogenen Plastiken und Bildern manifestieren sich meine inhaltlichen Schwerpunkte um Prekarität, Migration, Verortung und Ortlosigkeit sowie der/ die/ das Fremde. Aus einer Dringlichkeit heraus suche ich die Begegnung mit Menschen und Orten – sie sind Auslöser meines Schaffensprozesses. Schon lange stelle ich mir die Frage, welche Verantwortung wir als Kunstschaffende in der Gesellschaft tragen und welchen Einfluss wir auf sie haben können. Ich sehe eine Form der Notwendigkeit, meine Erfahrungen, Empfindungen und meine Betroffenheit in Bezug auf sozial politische Entwicklungen auf künstlerische Weise zu veräußern, die Kunst als Sprachrohr zu nutzen. Dies bedeutet, mich den Erlebnissen derer zu öffnen, welche kein Recht auf Wortmeldung haben, um für sie Zeugnis abzulegen. Wie schaffe ich Gehör, wie werde ich innerhalb eines Ausstellungskontextes zu einem Sprachrohr für Andere? – In meiner Arbeitsweise stoße ich auf Kernfragen des Zeigens und des Sprechens im künstlerischen Kontext. Das direkte Erleben, wie es Betroffene erleben oder erlebt haben, für Andere fassbar und greifbar zu machen, ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Mein Anliegen ist dennoch der Versuch Nicht-Zeigbares zu zeigen und auf Ungesehenes zu deuten; ein Spannungsverhältnis zwischen Realität und Repräsentation aufzubauen. Die Fragen nach dem Umgang mit Bildern, nach dem Bild als Repräsentation, nach der Verantwortung gegenüber dem Abgebildeten, sind die Grundbasis meiner Herangehensweise als Künstlerin. Politische Erfahrungen, Ideen und Vorstellungen auf poetische Art umzusetzen und in einen künstlerischen Kontext zu integrieren ist Ziel meines Schaffens. In meinen bisherigen Projekten suche ich in Ausstellungssituationen eine Form der Gegenüberstellung, die einen Dialog öffnet und eine Gesamtstimmung erzeugt, in die die Rezipient_innen eintauchen können. Integrierte optische, haptische und akustische Elemente evozieren Bilder, öffnen Assoziationsräume und erfordern eine sinnliche Form der Auseinandersetzung, um Bezüge herzustellen. Die Werke sollen als Stellvertreter für ein kollektives Gedächtnis stehen. Ich wende künstlerische Mittel an, spiele mit Widersprüchen, um unsere Wirklichkeit zu hinterleuchten, meinen Standpunkt und Blick auf das Weltgeschehen zu formulieren, metaphorische Andeutungen zu knüpfen und in Relation mit der Gegenwart zu bringen.