Pressemitteilung

Die BURG auf der Dutch Design Week 2026

Vom 17. bis 25. Oktober 2026 ist die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unter dem Titel „BURG – Projects Driven by Curiosity and Experimentation“ zu Gast auf der Dutch Design Week in Eindhoven. Studierende und Alumni zeigen neueste Arbeiten aus Industriedesign, Textildesign, Produktdesign/Keramik-und Glasdesign sowie den Grundlagen des ersten und zweiten Semesters.

Mit experimentellen und forschenden Designprojekten beteiligt sich die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle vom 17. bis 25. Oktober 2026 an der Dutch Design Week in Eindhoven. Die BURG präsentiert sich im Rahmen von „Class of 26“, der gemeinsamen Plattform niederländischer und internationaler Designhochschulen. Diese gibt Einblicke in die Designausbildung und macht die Perspektiven einer neuen Generation von Designer*innen einem breiten Publikum zugänglich. 
Unter dem Titel BURG – Projects Driven by Curiosity and Experimentation widmet sich die Ausstellung dem Experimentieren und Forschen als Ausgangspunkt gestalterischer Prozesse. Die gezeigten Arbeiten erkunden neue und tradierte Technologien, erproben Materialien und schaffen ungewohnte Verbindungen zwischen Verfahren und Medien. Dabei reicht die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Entwerfens von physischen Materialien bis zu digitalen Formaten. Versuch und Irrtum werden zum produktiven Bestandteil der Gestaltung. 

Zu sehen sind Arbeiten aus Industriedesign, Textildesign sowie Produktdesign/Keramik- und Glasdesign und aus den Design-Grundlagen des ersten und zweiten Semesters. Sie zeigen, wie Neugier und eine forschende Haltung das Studium von Beginn an bis zur Masterarbeit prägen. Damit knüpft die BURG an das DDW-Jahresthema R.A.W. (Rebel Authentic Worth) an, das das Unfertige, Experimentelle und Authentische in den Mittelpunkt stellt und Design als offenen Prozess des Erkundens, Hinterfragens und Erprobens neuer Möglichkeiten versteht.

Die Ausstellenden:

Grundlagen (1. Studienjahr) – 3D Material, Form und Objekt
Betreut durch Prof. Miriam Amelung und Marianne Sellmaier

Im Projekt „Transport mit Holz und Umreifungsband“ der Grundlagen 3D erkunden Studierende des ersten Studienjahres das Zusammenspiel zweier gegensätzlicher Materialien. In fünf Tagen entstehen experimentelle Konstruktionen und Objekte zum Tragen, Bündeln und Mitnehmen. Holz und gebrauchtes Umreifungsband werden auf ihre Eigenschaften, Verarbeitung und gestalterischen Potenziale untersucht. Im Mittelpunkt steht der Transport als körpernahe Tätigkeit – erprobt durch spielerisches Verbinden und Konstruieren.

Grundlagen (1. Studienjahr) – 4D Prozess, Interaktion und Medien
Betreut durch Prof. Florian Kühnle und Valeriia Shakhova

Vier Projekte der Grundlagen 4D erkunden experimentell die Übergänge zwischen analoger und digitaler Gestaltung: In „People, Data, Machines“ steuern Körperbewegungen interaktive Videocollagen. „Motion and Matter“ setzt Materialien mit Licht, Kamera und Bewegung in Szene. „Scalable Worlds“ übersetzt 3D-Scans in virtuelle Welten. In „Transformations“ entstehen durch schrittweises Verändern alltäglicher Objekte Bildserien. Gemeinsam zeigen sie, wie gestalterische Ideen aus offenem Experimentieren hervorgehen.

3D BRAIDING – Robotergestütztes Fadenlegen im dreidimensionalen Raum
Von Emil Löber (Masterstudiengang Industrial Design)

Das robotergestützte Flechten eines durchgehenden Fadens ermöglicht komplexe zwei- und dreidimensionale Strukturen. Eine verstellbare Arbeitsplattform mit vertikalen Stützen erlaubt es, parametrisch entworfene Dach-, Zelt-, Membran- und Seilstrukturen als physische Prototypen herzustellen. Der Fadenverlauf und die Positionen der Stützen bestimmen Geometrie, Spannung und Tragverhalten. Das Projekt untersucht eine materialeffiziente Fertigung, die parametrisches Entwerfen, robotergestützte Herstellung und physische Konstruktion miteinander verbindet.

Changing footprints
Von Jakob Trepel (Abschlussarbeit MA Industrial Design)

Jede Sekunde werden 1.533 Schuhe produziert, deren Materialien nicht recycelt werden können. Changing footprints nutzt Robotik, um die komplexen Anforderungen eines Schuhs mit nur zwei Materialien in einem Arbeitsschritt herzustellen. Über das gezielte Eintauchen des Roboters, werden Hanf- und PHA-Fasern schichtweise aufgetragen. Durch die einzelnen Lagen können so die benötigten Materialeigenschaften gezielt bestimmt werden. Damit ermöglicht das Verfahren lokale Materialkreisläufe und Services.

Incremental Chair
Von Paul Dieckmann, Pia Schlegl & Julian Linden (Studiengang BA Industriedesign)

Incremental sheet forming erweitert die CNC-gestützte Blechverformung, insbesondere für Kleinserien ohne formgebundene Werkzeuge. Der Incremental Chair erforscht eine durchgängig digitale Produktion. Sitzfläche und Lehne werden aus Aluminiumblech geformt, das Gestell aus Sperrholz CNC-gefräst. Die Verknüpfung mit parametrischem Entwerfen ermöglicht vielfältige Iterationen im Gestaltungsprozess.

ARBO – Ein Hocker aus dem, was sonst übrigbleibt 
Von Julius Zieger & Leon Ehrmann (Studiengang BA Industriedesign) 

ARBO ist ein vollständig 3D-gedruckter Hocker, dessen Form auf Tree-Supportstrukturen basiert. Diese werden im 3D-Druck normalerweise nur temporär genutzt und entsorgt, übernehmen hier jedoch eine tragende und gestaltende Funktion. Gedruckt aus einer biologisch abbaubaren Mischung aus Korkmehl und Gelatine, erinnert die verzweigte Struktur an Äste und Wurzeln. ARBO macht aus Wegwerfstrukturen ein funktionales Objekt und verbindet digitale Fertigung mit nachhaltigem Materialeinsatz.

SimbioTEK 
Von Giorgi Tsutskiridze (Studiengang MA Industrial Design)

SimbioTEK untersucht, wie industrielle Methoden und maschinengestützte Kultivierungs-Plattformen die Anwendungsmöglichkeiten von bakterieller Zellulose als nachhaltiges Multifunktionsmaterial erweitern können. Durch die Integration pflanzlicher Verstärkungen und die Optimierung der Wachstumsbedingungen gewinnt bakterielle Zellulose an struktureller Vielseitigkeit und wird somit für ein breiteres Einsatzspektrum nutzbar – etwa im Bereich technischer Outdoor- Bekleidung. Eine zentrale Innovation ist die PFAS-freie Plasmabeschichtung, die dem Material wasserabweisende Eigenschaften verleiht, ohne dabei umweltschädliche Chemikalien einzusetzen. So positioniert sich bakterielle Zellulose als regenerative Alternative für die Zukunft funktionaler Textilien.

CIRCOLAR 
Von Josephine Hartmann & Clara Kirsch (Studiengang BA Industriedesign) 

CIRCOLAR ist ein recycelbares Solarsystem für den Innenbereich, das Energieerzeugung und Recycling in einem Produkt vereint. Alle Materialien lassen sich nach Art trennen und sind so konzipiert, dass sie in den Ressourcen-Kreislauf zurückgeführt werden können. Durch ein Folienschweißverfahren werden Klebstoffe überflüssig; einzelne Streifen werden durch Unterdruck zwischen TPU-Folien fixiert und lassen sich rückstandsfrei entfernen. Beschädigte Komponenten können zurückgegeben, wiederaufbereitet und wiederaufgearbeitet werden. Für den flexiblen Einsatz am Fenster lässt sich das System durch Aufblasen rautenförmiger Luftkammern aufrollen. Eine Teleskopstange ermöglicht die Montage im Fensterrahmen ohne Bohren. Leicht, kompakt und einfach zu transportieren.

Local Soils – von Erde zu Tisch
Von Fritz Breuer (Abschlussarbeit BA Produktdesign / Keramik- und Glasdesign)

Local Soils erforscht das Potenzial lokal gewonnener keramischer Materialien. Für das Restaurant „Speiseberg“ in Halle (Saale) entstand ein neunteiliges Amuse-Bouche-Set aus Materialien aus Halle. Diese werden als Träger regionaler Geschichte verstanden. Ihre charakteristischen Farben und unvorhersehbaren Eigenschaften prägen den Ausdruck der Objekte. Local Soils verbindet regionale Materialität mit dem kulinarischen Erlebnis und erweitert den Begriff der Regionalität um die Herkunft des Geschirrs.

Re:slump – Von der Fläche zum Volumen
Von Franziska Ruh (Studiengang BA Produktdesign/Keramik- und Glasdesign)

Re:slump untersucht, wie Flachglas durch thermisches Absenken in räumliche, modulare Volumen überführt werden kann. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Formensprache jenseits dekorativer Glasgestaltung. Im Fokus stehen innovative Verbindungstechniken mit Schrauben, Klemmen und textilen Elementen. Digitale Werkzeuge wie 3D-gedruckte Formen treffen auf handwerkliche Glasbearbeitung, wobei die Grenzen des Materials durch Warm- und Kaltbearbeitung ausgelotet werden. Re:slump versteht sich als materialbasierte Forschung und eröffnet neue Perspektiven auf Glas als konstruktiven Werkstoff mit eigenständigem gestalterischem Potenzial.

Mit Bakterien färben – Eine Beziehung zwischen Textil und Mikroorganismus
Von Nena Ellermann (Abschlussarbeit MA Conceptual Textile Design)

Dieses Projekt untersucht pigmentproduzierende Bakterien als nachhaltige Alternative zum herkömmlichen Textilfärben. Durch einen Co-Design-Prozess mit Mikroorganismen entstehen organische Farbvarianten in Zusammenarbeit mit lebenden Organismen und nicht durch starre Steuerung. An der Schnittstelle von Design, Biologie und Materialforschung verlagert diese Arbeit den Schwerpunkt des Designs von Kontrolle hin zu Kooperation und eröffnet neue Perspektiven für die zukünftige Textilproduktion.

Re:dust x Dust Formations – Kollaborative Experimente zwischen Papier und Textil
Von Joela Rohlfing & Malin Trepel (Studiengang BA Textildesign)

Faserstaub ist ein Nebenprodukt der Textilindustrie, das bislang überwiegend entsorgt wird. Forschung und Industrie suchen daher nach neuen Anwendungsmöglichkeiten. An der Schnittstelle von Papier und Textil wurde das funktionale und ästhetische Potenzial kurzer Fasern untersucht. Dabei wurden Verfahren zum Aufschließen der Fasern und Papierschöpfen erprobt sowie ein Faserstaub-Alginat-Verbundmaterial entwickelt. Anschließend wurden die Materialien am Sächsischen Textilforschungsinstitut mithilfe einer Nassvliesanlage zu textilen Flächen verarbeitet. Das Projekt zeigt mögliche Anwendungen in der Innenraumgestaltung und für Taschen.

Wiederwulst
Von Mathilda Scheer (Studiengang BA Textildesign) 

Recycelte Fasern begegnen uns häufig in Form von technischen Vliesstoffen. Bei dieser Anwendung stehen Funktionalität und Materialeffizienz im Vordergrund, während die Materialität selbst meist verborgen bleibt. Durch Nassfilzen entstehen aus recycelten Fasermischungen und Abfallstoffen organische Strukturen, die sich einer Gleichförmigkeit in flachen Oberflächen widersetzen. Falten, verdichtete Bereiche und haarige Oberflächen machen die Textur des Materials sichtbar und greifbar. Aufbauend auf diesen handwerklichen Experimenten untersucht diese Arbeit, wie die industrielle Nadelvlies-Technologie gezielt manipuliert werden kann.

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle  

Die 1915 gegründete Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bietet mit ihren Fachbereichen Kunst und Design ein unverwechselbares Profil sowie exzellente Ausbildungs- und Studienbedingungen an. Mit über 1.100 Studierenden zählt sie zu den größten Kunsthochschulen Deutschlands. Visionäres Denken und Gestalten werden in den über 20 Studienrichtungen ebenso gefördert wie die Entwicklung berufspraktischer Fähigkeiten. Die Hochschule verfügt über exzellent ausgestattete Ateliers und Werkstätten und ist mit zahlreichen Forschungseinrichtungen, Institutionen und Unternehmen vernetzt. Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bietet Bachelor-, Master-, Diplom- und Staatsexamensabschlüsse (Lehramt) an, es besteht im Fachbereich Kunst auch die Möglichkeit ein Meisterschüler*innenstudium zu absolvieren. Die BURG verfügt in beiden Fachbereichen zudem über das Promotionsrecht.

Die Dutch Design Week

Die 1998 gegründete Dutch Design Week (DDW) findet jährlich in Eindhoven, Niederlande, statt und ist heute eine der größten Designveranstaltungen Europas. An über 110 Orten in der Stadt präsentieren mehr als 2.600 Designer*innen ihre Arbeiten, was rund 300.000 Besuchende anzieht. Die Messe setzt ihren Schwerpunkt auf zukunftsorientierte, soziale und technologische Innovationen und bietet mit Vorträgen, Ausstellungen und Diskussionen eine Plattform für kreative Lösungen.

Die BURG bei der Dutch Design Week in Eindhoven

Zeitraum: 17. bis 25. Oktober 2026, täglich 11 bis 18 Uhr
Ort: Klokgebouw 50, 5617 AB Eindhoven, Niederlande
Messebetreuung: Philipp Witte
Weitere Informationen: https://ddw.nl/ 
Social Media: Die BURG kommuniziert den Messeauftritt in den sozialen Medien mit den Hashtags #BurgHalle, #Curiosity und #Experimentation