Ausstellung

Next Relations – Zukunft gestalten. Design-Studierende der BURG zeigen Perspektiven für nachhaltige Zukünfte

Studierende der Studienrichtung Industriedesign der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle präsentieren vom 11. September 2026 bis 27. März 2027 aktuelle Arbeiten in der Ausstellung „Next Relations – Zukunft gestalten“ im Gewerbemuseum Winterthur in der Schweiz.

Wie wollen wir in Zukunft leben, produzieren und miteinander umgehen? Angesichts der Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenknappheit und gesellschaftlichem Wandel braucht es neue Perspektiven und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Next Relations – Zukunft gestalten zeigt, wie angehende Designer*innen diese Verantwortung verstehen und welche Impulse sie für eine nachhaltige Zukunft entwickeln. 

Im Zentrum der Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur stehen Semesterarbeiten von Studierenden der Studienrichtung Industriedesign an der BURG, die unter der Leitung von Prof. Mareike Gast, Professorin für Industrial Design/Material- und technologiebasierte Produktentwicklung, und Andi Wagner, Künstlerischer Mitarbeiter im Industriedesign, entstanden sind. Die gezeigten Arbeiten setzen sich mit der Frage auseinander, welchen Stellenwert Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Gestalten für den Designnachwuchs haben. Wie können wir in Zukunft nachhaltiger produzieren und konsumieren? Was kann und muss Design leisten? Welche Visionen entwerfen die Studierenden und welche Impulse können daraus für die Gestaltung unserer Zukunft entstehen? Die Ausstellung lädt dazu ein, Gestaltung als offene Praxis in einem Netzwerk komplexer Beziehungen zu erleben – mit dem Ziel, Gedankenmodelle für eine gemeinsame Zukunft zu entwerfen. 

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu komplex, um sie isoliert zu lösen. Deshalb braucht es neue Formen der Zusammenarbeit sowie umfassendere und fächerübergreifende Konzepte, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Design steht heute mehr denn je vor der Aufgabe – und Chance –, sich neu zu verorten: nicht nur für klassische Problemlösungen, sondern auch in einer vermittelnden Rolle inmitten komplexer Beziehungen. So können Designer*innen wissenschaftliche Erkenntnisse, lokale Erfahrungen, technologische Entwicklungen, ökologische Bedingungen sowie Perspektiven menschlicher und nicht-menschlicher Akteur*innen verknüpfen.

Das Gewerbemuseum Winterthur und die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sind als Mitglieder des Vereins *Material-Archiv* eng miteinander verbunden. Die Ausstellung knüpft an diese Verbindung sowie an die ausgeprägte Praxisorientierung der BURG an. Studierende werden früh dazu motiviert, Partnerinstitutionen für ihre Feldforschungen zu finden und Kollaborationen für innovative Entwürfe und Projekte einzugehen.

Design der Zukunft neu denken

Die Vielfalt der Möglichkeiten, mit Materialien und Technologien Produkte und Anwendungen zu formen, ist schon heute immens. Täglich kommen neue hinzu. Die Frage ist: Wohin wollen wir diese Potenziale lenken – insbesondere in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist? Viele Zukunftsthemen – allen voran die Nachhaltigkeit – sind mehr denn je aktuell und akut. Längst geht es nicht mehr einzig um die Frage nach umweltverträglichen Materialien und Technologien. Für eine nachhaltige Zukunft braucht es ein grundsätzliches Umdenken und einen interdisziplinären Dialog.

In zwei Projekten widmeten sich Studierende der Studienrichtung Industriedesign an der BURG diesen Fragen. Im Projekt Sorry, we are open! hinterfragten sie Konsumgewohnheiten und entwarfen zirkuläre Service- und Nutzungskonzepte mit entsprechenden Produkten. Im Projekt Microbial Factories untersuchten sie, wie mikrobielle Prozesse, mechanische Formgebung und lokale Ressourcen miteinander verwoben werden können. Die entstandenen Arbeiten zeigen: Zukunft entsteht nicht im Alleingang, sondern im gemeinsamen Entwerfen von Verbindungen, die zuvor nicht denkbar waren.

Die Projekte
 

Sorry, we are open!
Nachhaltiger Konsum wird für viele Menschen immer wichtiger, und die Bereitschaft, eigene Gewohnheiten zu verändern, wächst. Das betrifft neben dem Wohnen, Arbeiten und der Mobilität vor allem auch kurzlebige Konsumgüter. Produkte aus recycelten Materialien oder regionale Erzeugnisse kaufen, Dinge länger nutzen und reparieren lassen. Zugleich wächst die Bereitschaft, Produkte zu leihen, statt sie zu besitzen, eigene Besitztümer oder Know-how zu teilen. Auch das Interesse daran, woher Produkte kommen und welche Auswirkungen der eigene Konsum hat, nimmt zu.
Mit Ideen wie Teilen, Leihen, Updaten, Reparieren, Kompostieren, Verkaufen, Zirkulieren, Austauschen oder Anpassen machen die Studierenden im Projekt Sorry, we are open! alternative Geschäftsmodelle vorstellbar und zeigen mögliche Wege des Konsums auf. Ressourcen sollen geschont, Materialien im Kreislauf gehalten und nachhaltiges Handeln im Alltag erlebbar werden.

Microbial Factories
Was wäre, wenn wir mithilfe von Mikroorganismen nicht nur Lebensmittel wie Brot, Sauerkraut oder Käse herstellen, sondern auch Alltagsprodukte – zum Beispiel als Alternative zu Kunststoff? Erste Grundstoffe für Konsumgüter werden bereits mikrobiell produziert – oftmals in großen Bioraffinerien, die wenig flexibel sind und bestehende Abhängigkeiten fortschreiben. Doch wie lassen sich solche Prozesse kleiner, flexibler und vor Ort umsetzen? Wie können Produkte dabei direkt in ihre Form wachsen? Und wie können verschiedene Akteur*innen zusammenarbeiten, um nachhaltige Produktionsweisen zu entwickeln?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Studierenden im Projekt Microbial Factories. Sie kombinierten biologische Wachstumsprozesse mit mechanischer Formgebung und experimentierten mit ausgewählten Mikroorganismen und selbst entwickelten Produktionsapparaten. Entstanden sind erste Prototypen und Materialstudien, die zeigen, wie biobasierte Produktion dezentral, regenerativ und gemeinsam mit Mikroben gestaltet werden kann.

Das Gewerbemuseum Winterthur widmet sich regelmäßig den Fragen und Visionen der jungen Generation und bietet Studierenden und jungen Designschaffenden eine Plattform, um ihre Ideen für die Gestaltung unserer Zukunft zu präsentieren. 

Next Relations – Zukunft gestalten
 

Ausstellungsdauer: 11. September 2026 bis 27. März 2027
Eröffnung: Donnerstag, 10. September 2026, 18.30 Uhr
Ort: Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, 8400 Winterthur, Schweiz
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 
Projektleitung: Prof. Mareike Gast, Professorin für Industrial Design/Material- und technologiebasierte Produktentwicklung und Projektleiterin der BurgLabs sowie Andreas Wagner, Künstlerischer Mitarbeiter Industriedesign 
Weitere Informationen: www.gewerbemuseum.ch 
Kooperation: Next Relations wude von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in Zusammenarbeit mit dem Gewerbemuseum Winterthur konzipiert.
Social Media: Die BURG kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BurgHalle und #nextrelations

Begleitprogramm

Donnerstag, 10. September 2026, 18.30 Uhr 
Vernissage
Begrüßung: Mario Pellin, Kurator/Leiter Material-Labor Gewerbemuseum Winterthur 
Einführung: Mareike Gast, Professorin für Industrial Design/Material- und technologiebasierte Produktentwicklung, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Freitag, 11. September 2026, 12.30 Uhr 
Kurator*innenführung über Mittag 
Sorry, we are open! 
Mareike Gast, Professorin für Industrial Design/Material- und technologiebasierte Produktentwicklung, Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle, DE, im Gespräch mit Mario Pellin, Kurator Gewerbemuseum Winterthur 

Donnerstag, 12. November 2026, 18.30 Uhr 
Lecture Performance: Zwischen den Dingen 
Ein künstlerischer Blick auf Material, Kreislauf und Möglichkeiten 
Mit Kollektiv Co, Damaris Bucher Meissner & Myrta Moser-Zulauf 

Sonntag, 15. November 2026, 11 Uhr 
Dialogische Führung: Der Hocker Cassero aus Altpapier, Asche, Stroh, … 
Matteo Laffranchi, Kunst und Vermittlung, im Gespräch mit Mario Pellin, Kurator Gewerbemuseum Winterthur 

Sonntag, 15. November 2026, 13–17 Uhr 
Workshop für Alle: Daily Design: Hocker und vieles mehr aus Zeitungspapieren bauen
Matteo Laffranchi, Kunst und Vermittlung, im Gespräch mit Mario Pellin, Kurator Gewerbemuseum Winterthur 
Erwachsene, Jugendliche ab 15 Jahren, Kinder in Begleitung, mit Anmeldung 

Donnerstag, 19. November 2026, 18.30 Uhr 
Dialogische Führung: Der Feind hat die Nachhaltigkeit gekapert
Franziska Müller-Reissmann, Dozentin, Leitung Material-Archiv, Zürcher Hochschule der Künste, im Gespräch mit Mario Pellin, Kurator Gewerbemuseum Winterthur 

Donnerstag, 25. März 2027, 18.30 Uhr 
Dialogische Führung: Zukunftsfähig produzieren und konsumieren!?
Andreas Wagner, Designer/Gründer ponton works, ehem. künstlerischer Mitarbeiter Industriedesign, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, im Gespräch mit Mario Pellin, Kurator Gewerbemuseum Winterthur

Öffentliche Führungen

  • Donnerstag, 29. Oktober 2026, 18.30 Uhr
  • Donnerstag, 28. Januar 2027, 18.30 Uhr (auch in Gebärdensprache)
  • Donnerstag, 11. Februar 2027, 18.30 Uhr
  • Sonntag, 28. Februar 2027, 11 Uhr

Mehr Informationen zu den Veranstaltungen sind zu finden auf: https://gewerbemuseum.ch/de/veranstaltungen/