Angesichts der Notwendigkeit zirkulärer Produktions- und Gestaltungsweisen gewinnt die Auseinandersetzung mit Bestand als Ausgangspunkt und zukünftige Bedingung gestalterischer Praxis an Bedeutung. Sammeln, Auswählen, Ordnen, Lagern, Transportieren, Dokumentieren, Pflegen, Reparieren und Vermitteln schaffen einerseits die Bedingungen dafür, dass Vorhandenes als Bestand verfügbar wird; andererseits prägen genau diese Praktiken zirkuläre Gestaltungs- und Produktionsprozesse, indem Fragen der Lagerung, Umnutzung, Reparatur und Gebrauch bereits im Entwurf mitgedacht werden. Der Umgang mit, durch und für den Bestand lässt sich damit nicht nur als vor- oder nachgelagerte Tätigkeit, sondern als Teil des Entwurfsprozesses selbst verstehen.
Das Seminar untersucht dieses Spannungsfeld anhand unterschiedlicher Praxisfelder und ihrer jeweiligen Ordnungs- und Verfügbarkeitsstrukturen: Materiallager und Kreislaufwirtschaft, Fundi sowie modulare und textile Systeme in Theaterproduktionszusammenhängen, digitale Plattformen des Material- und Wissenstransfers sowie die Umnutzung bestehender denkmalgeschützter Gebäude bilden unterschiedliche Ausgangspunkte für die Frage, was sich verändert, wenn Gestaltung nicht vom Neuen, sondern vom bereits Vorhandenen ausgeht und Praktiken des Umgangs mit Bestand Teil des Gestaltungsprozesses werden. Darin zeigt sich zugleich eine kuratorische Dimension des Entwerfens: im Bewahren, Pflegen und Sorge-Tragen für vorhandene Ressourcen sowie in den Entscheidungen darüber, was weitergeführt, verändert oder verworfen wird.
Anhand von Fallstudien wie der Materialsammlung der Burg, dem Materialbuffet Leipzig, StuFF in Cycles, textilen und modularen Raumsystemen sowie Projekten gemeinschaftlicher Umnutzung wie dem Reallabor ZEKIWA Zeitz werden konkrete Handlungsfelder mit theoretischen Positionen zu Entwerfen, Gebrauch, Materialität und Reparatur verbunden. Wie wird aus Vorhandenem ein Bestand, mit dem weitergearbeitet werden kann? Nach welchen Kriterien wird etwas bewahrt, repariert, verworfen oder als Ressource neu adressiert? Welche Infrastrukturen, Ordnungssysteme und Praktiken sind notwendig, damit Materialien, Dinge und Räume erneut zugänglich und anschlussfähig werden? Welche materiellen, funktionalen, kulturellen oder sozialen Bewertungen gehen solchen Entscheidungen voraus, und wer ist daran beteiligt?
Ziel des Seminars ist es, einen Horizont aufzuzeigen, in dem Entwerfen als eine operative Verkettung von Handlungen, Werkzeugen und Medien verstanden werden kann. Materielle, mediale und organisatorische Bedingungen und Herstellung von Infrastrukturen erscheinen so als Teil gestalterischer Prozesse und prägen diese wesentlich mit.
Literaturliste und Seminarplan folgen. Ergänzend sind Exkursionen zu ausgewählten Orten sowie Gespräche mit eingeladenen Akteur*innen aus den im Seminar behandelten Projekten und Praxisfeldern vorgesehen. Die konkreten Termine und Gesprächspartner*innen werden noch bekannt gegeben.










