Philosophien des Gestaltens: Technik, Mimesis, Imagination II
Nicht nur das Design von Gegenständen und die Techniken ihrer Formgebung verändern sich im Laufe der Geschichte – auch die Denkbarkeit der gestaltenden Tätigkeit selbst ist im Wandel. Die Vorlesung führt die Tätigkeit der Formgebung auf ihre philosophischen Grundlagen zurück, konfrontiert sie mit den darin implizit vorausgesetzten Annahmen und macht ihre Historizität sichtbar.
Im Zentrum steht die Frage, wie die Tätigkeit des Gestaltens – auf der Ebene des Denkens – mit den jeweiligen kulturellen Momenten verknüpft ist. Wir verstehen ihre Metamorphosen als Transformationen ihrer philosophischen Grundannahmen und verfolgen ausgewählte Stationen von der Antike bis in die Gegenwart.
Thematische Linien:
Technikauffassung: Vom instrumentellen Verständnis der Technik zu immersiven Milieus und Technoökologien, die ein nicht-anthropozentrisches Denken von Lebenstechniken und Technonatur erfordern.
Identität und Mimesis: Von der Mimesis als Nachahmung eines Originals über Imitation als Vervollkommnung oder als Reflexion ohne Original – bis hin zur allgemeinen Simulation.
Einbildungskraft: Von der Einbildungskraft als konstituierender Tätigkeit des Subjekts bei Kant bis zur artificial imagination der KI.
Im Sommersemester legen wir den Schwerpunkt auf die Gegenwart: Verschwimmt die Unterscheidung von Natur und Technik – und lässt sich vor diesem Hintergrund von einer Technonatur sprechen? Welche Konsequenzen hätte das für die Bestimmung des Menschlichen im Verhältnis zur Welt? Was bedeuten die Begriffe Posthumanismus und Transhumanismus – und welche politischen Dimensionen sind mit ihnen verbunden? Schließlich fragen wir, wie Nachahmung unter Bedingungen allgemeiner Simulation und künstlicher Intelligenz zu denken ist.
Entlang dieser Linien erkunden wir philosophisch die subversive Potenz des Gestaltens – seine Fähigkeit, hegemoniale Ordnungen, nationalistische Narrative und die Ideologien des Silicon Valley zu unterlaufen.












