Lehrangebot

Second Skins

Die Studierenden werden im Laufe des Semesters in transhistorische Methoden des Designs eingeführt, bei denen unterschiedliche Bekleidungs- und Designepochen miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Durch die Nacharbeitung ausgewählter historischer Stücke (der Zeitspanne von 1920 - 1970) und deren analytische Betrachtung erschließen sich die Studierenden die formalen, funktionalen und kulturellen Konzepte, die diesen Kleidungsstücken zugrunde liegen. Das Projekt verfolgt das Ziel, historische Bekleidung als Ressource für die heutige Designpraxis zu nutzen. Durch die praktische Arbeit an Repliken lernen die Studierenden nicht nur, Quellen kritisch zu hinterfragen und Entscheidungen argumentativ zu stützen, sondern entwickeln auch ein Gespür für Details, Verarbeitungstechniken und volumengebende Elemente.  Auf diese analytische und handwerkliche Phase folgt eine experimentelle Transformation: Anhand von Formexperimenten an der Büste, zeichnerischen Studien und Materialuntersuchungen entstehen zeitgenössische Entwürfe, die historische Formen, Proportionen und Details neu interpretieren. Die erarbeiteten Repliken dienen dabei als Ausgangspunkt für eine kreative Auseinandersetzung mit Volumen, Silhouette und Verarbeitung.

In dieser zweiten Phase verbindet das Projekt 'Second Skins' das ‘Fünf Häute Konzept’ von Friedensreich Hundertwasser* mit gesellschaftlichen, sozialen und politischen Umbrüchen im 20. Jahrhundert (von 1920 bis 1970). Es soll ein experimentelles Outfit entwickelt werden, das die Erkenntnisse und Informationen aus dem historischen Bekleidungskontext des Replikas mit einer Design- oder Architekturikone der gleichen (aber nicht zwingend der selben) Zeitspanne verbindet.

*Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) war ein österreichischer Künstler, Architekt und Umweltaktivist. Sein Werk verbindet Malerei, Architektur, Grafik, Kleidung und ökologische Ideen. Er entwickelte in den 1960-er Jahren sein Konzept der „fünf Häute“:

Die erste Haut: die menschliche Haut bzw. der Körper
Die zweite Haut: die Kleidung
Die dritte Haut: das Haus bzw. die Architektur
Die vierte Haut: das soziale Umfeld
Die fünfte Haut: die Erde bzw. die Umwelt

Damit verstand Hundertwasser Kleidung und Architektur als aufeinanderfolgende Schichten zwischen Körper und Welt.

Körper → Kleidung → Architektur → Gesellschaft → Umwelt

Kleidung wird dabei zu einer Art beweglicher Architektur des Körpers. Ein Kleidungsstück kann schützen, begrenzen, erweitern, individualisieren und den Körper in Beziehung zu seinem Umfeld setzen. Im Projekt werden wir uns hauptsächlich mit der zweiten und dritten Haut - die Kleidung und das Haus bzw. die Architektur - beschäftigen. Das Spannungsfeld zwischen den beiden wirduns als Ausgangspunkt für die Hybridisierung dienen.