Lehrangebot

Was Dinge wissen

Es gibt viele Definitionen von Design, doch die meisten beziehen sich darauf, wie materielle Dinge erfunden und hergestellt werden, um auf irgendeine Weise in die Welt einzugreifen und sie zu verändern. Allzu oft werden gestaltete Dinge jedoch nur in Bezug auf ihre beabsichtigte Funktion verstanden. Dieses Seminar argumentiert, dass uns alltägliche Dinge weit mehr lehren können, wenn wir lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Dinge können über komplexe Geschichten, Beziehungen, Formen von Agency und Vorstellungen vom Menschen erzählen.

Das Seminar versteht Dinge und Materialien daher nicht als passive Objekte, sondern als aktive Teilnehmer in den Welten, die sie bewohnen. Dinge werden als Orte begriffen, an denen Wissen verkörpert, reproduziert, weitergegeben und möglicherweise auch infrage gestellt oder transformiert wird. Wir verschieben unseren Blick von isolierten Ergebnissen menschlicher Intervention hin zu der Tatsache, dass Dinge bereits Teil komplexer Systeme sind, lange bevor sie in einen Designprozess gelangen.
 

Dinge sind geprägt von materiellen Geschichten, technologischen Entwicklungen, sozialen Praktiken, ökonomischen Beziehungen und früheren Gestaltungsformen. Aus dieser Perspektive fragen wir, welche Geschichten Dinge mitbringen, bevor sie in den Designprozess eintreten, um zu verstehen, wie gestaltete Dinge weiterhin an der Formung der Welt teilnehmen, nachdem sie die Werkstatt der Designer*innen verlassen haben. In diesem Sinne hinterfragen wir die Vorstellung eines neutralen und isolierten Designprozesses und betrachten ihn stattdessen als Teil eines fortlaufenden Prozesses des Weltmachens.

Lektüre und Diskussionen bilden die Grundlage für praktische Übungen, in denen die Studierenden lernen, mit einem selbst gewählten Alltagsgegenstand in einen Dialog zu treten. Sie reflektieren, welche Geschichten, Erinnerungen, Technologien, sozialen Veränderungen und Wissensformen durch die menschliche Interaktion mit diesem Gegenstand sichtbar werden. Student*innen sollen jeden Tag einen Alltagsgegenstand oder ein Material aus ihrer Umgebung mitbringen. Dieser Gegenstand wird zum Forschungspartner, der im Licht unserer Texte und Diskussionen „spricht“ und sein Wissen offenlegt.

Die bereitgestellten Texte sind auf Englisch, aber die Studierenden können auf Deutsch diskutieren und schreiben.