In der wohlgeordneten Welt der wissenschaftlichen Disziplinen, die sich bis heute wesentlich an der elementaren Unterscheidung von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften orientiert, ist für das Design kein fester Ort vorgesehen. Dessen Fachgeschichte ist gleichermaßen an die natur- und ingenieurswissenschaftlichen Innovationen der Moderne, die Mobilisierung sozialer Kollektive sowie an den symbolischen Gehalt ihrer Gegenstände gebunden. Die Gestaltung teilt diesen Nicht-Ort mit anderen „leeren Fächern“ (Bergermann 2015) wie der Kybernetik oder der Medienwissenschaft.
Damit einher gehen zwei grundlegende Tendenzen: (a) Eine Entgrenzung des disziplinären Gegenstandsbereichs, was sich deutlich am Designbegriff zeigt. Bezeichnet er im engeren Sinne die (oberflächliche) Gestaltung von Waren, ist er in einem weit gefassten Sinne eine unhintergehbare anthropologische Konstante. Diese Entgrenzung hat auch zur Folge, dass (b) eine Festlegung und Operationalisierung der Verfahrensweisen immer wieder scheitern muss. Gestaltung kann nicht auf instrumentelle Methoden reduziert werden. Dies wirft eine Reihe von Fragen auf: Was heißt das für Designforschung und in welches Verhältnis stellt sie diese zu anderen Disziplinen, mit denen sie (oft notwendigerweise) zusammenarbeitet? Wenn das Design garkeinen disziplinären Ort besetzt, von wo aus kann es dann an interdisziplinären Prozessen teilnehmen? Was bedeutet dies schließlich für die Zugänge und Erkenntnisse designwissenschaftlicher Forschung? Und wie lassen sich Forschungsprozesse und -ergebnisse sinnvoll und kritisch diskutieren, wenn es keinen Konsens über Theorien und Methoden gibt?
Das Seminar beleuchtet die hier umrissene Problemlage als Spannungsverhältnis von Designtheorie und -praxis. Eine solche Trennung, so die These, lässt sich für gestalterische Forschung nicht mehr sinnvoll aufrechterhalten. Daher zielt das Seminar auch weniger auf eine vertiefende theoretische Einordnung und terminologische Differenzierung. Es geht stattdessen darum, eine Skizze von Designforschung als Forschungsstil zu erarbeiten und damit den Ort der Theorie in der Praxis selbst zu genauer zu bestimmen. Der Zielhorizont dieses Unternehmens ist in anderen Worten die Methodologie gestalterischer Forschung, die hier als Arbeits- und Gegenstandsbereich betrachtet wird, an dem Designer und Designwissenschaftler gleichberechtig partizipieren.
Ein Text zur Vorbereitung wird rechtzeitig vor der ersten Sitzung per Mail verschickt. Weitere Literatur und der Seminarplan werden zu Beginn der Kompaktwoche bekannt gegeben.
Literatur: Bergermann, Ulrike (2015) Leere Fächer. Gründungsdiskurse in Kybernetik und Medienwissenschaft. Münster: Lit












