FEM-Power: WORK.Work.work. Prekäre Arbeitsverhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb.

Die neue Veranstaltungsreihe von FEM Power dreht sich in diesem Sommersemester rund ums Thema „Arbeit“ und die prekären Sparten des Kunst- und Kulturbetriebs.

Plakatgestaltung: Jihee Lee

Mit Autonomie und Selbstverwirklichung lockt die künstlerische und gestalterische Arbeit, in der es nicht ums bloße Geldverdienen gehen soll, sondern um Leidenschaft. Dies spiegelt sich auch in der Haltung zur Arbeit wider: Man sieht sie als sinn- und identitätsstiftend an, als Ausdruck persönlicher Individualität. Doch die Form dieser Erwerbsarbeit hat ihre Kehrseiten. Für die neue Freiheit werden bewährte Sicherheiten preisgegeben: Keine Tarifverträge, keine gesetzliche Alters- und Krankenversicherung usw. Das „freie“ Arbeiten wird zum Wagnis, das ein Agieren unter prekären Lebensbedingungen, unsicheren Perspektiven und unklaren Absicherungsverhältnissen mit sich zieht.

Die Losung „Sei kreativ!“ gilt daher nicht nur für die eigene Arbeitsleistung sondern auch für die Daseinsvorsorge und Lebensgestaltung. Die Suche nach Förder- und Stipendiengeldern, Kurzzeitprojekten und Werkverträgen schmälert die Euphorie, mit der die neue Freiheit des Arbeitens in der Kunst- und Kreativwirtschaft verbunden ist und sie endet meist dann, wenn soziale Risiken, physische oder psychische Belastungen den kreativen Geist ins Stocken geraten lassen. Da Erfolg oder Versagen oft eng nebeneinanderliegen und nicht immer zu kalkulieren sind, werden die Negativfolgen der prekären Kreativarbeit individualisiert und personalisiert.

Wir wollen uns in diesem Semester unter anderem folgende Fragen stellen:

Wie arbeiten wir eigentlich, wie wollen wir arbeiten und woran scheitern unsere Vorstellungen und Erwartungen? Wie können wir trotz knapper Fördergelder und Unterstützungsangebote solidarisch miteinander umgehen und warum regt sich so selten Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen und das zum wiederholten Mal unbezahlte Praktikum? Was heißt es für diese Art der Arbeit, wenn Pflege- und Sorgearbeit dazu kommen und neben der eigenen Reproduktionsarbeit die für andere hinzu kommt? Welche Ein- und Ausschlussmechanismen erzeugt diese Form der Erwerbsarbeit und welche Voraussetzungen müssen zunächst einmal gegeben sein, damit die Unsicherheit für Einzelne aushaltbar ist und sein kann?

In vier verschiedenen Veranstaltungsformaten wollen wir uns diesen Fragen im Sommersemester nähern.

Los geht es am 2. Mai mit der Vorführung des inszenierten Dokumentarfilms „She works hard“ von Kathrin Lemcke: Sieben Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen aus unterschiedlichen Utopien diskutieren neue Möglichkeiten, (künstlerische) Arbeit zu organisieren. Ein fiktionaler Dokumentarfilm über Utopien, die unmöglich erscheinen, aber das Potential haben, sich zu entfalten, wenn wir sie für möglich halten. Im Anschluss folgt ein Gespräch mit der Regisseurin und dem im Film gezeigten Künstler Markues.

Mehr Informationen unter: www.burg-halle.de/hochschule/organisation/gleichstellung/aktuelles/a/fem-power-presentsshe-works-hard-inszenierter-dokumentarfilm-von-kathrin-lemcke-am-2mai-2018/

Am 9. Mai 2018 ist dann die Künstlerin Inga Zimprich zu Besuch und stellt in ihrem Vortrag "Sharing Vulnerability" die von ihr mitinitiierte feministischen Gesundheitsrecherchegruppe aus Berlin vor, die seit 2015 selbstermächtigende Perspektiven auf Gesundheit und Krankheit, auf Körper und Gesundheitsversorgung im Kontext von Kunst- und Kulturarbeit erarbeiten.

Mehr Information unter: www.burg-halle.de/hochschule/organisation/gleichstellung/aktuelles/a/fem-power-sharing-vulnerability-vortrag-mit-der-kuenstlerin-inga-zimprich-am-9-mai-2018-18-uhr/

Im Juni besucht uns Dr. Alexandra Manske. Die promovierte und habilitierte Soziologin hält am 6. Juni einen Vortrag zum Thema „Arbeitsverhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb - eine Genderperspektive."

Mehr Informationen folgen.

SAVE THE DATE: Im September endet die Reihe mit einem fünftägigen Workshop zu dem es ein Wiedersehen mit der Künstlerin Inga Zimprich geben wird. In der „Small School of Precarious Labour“ soll es um prekarisierten Arbeitsbedingungen, sozial und gesellschaftlich segregierte Zugangsvoraussetzungen zur Kunst- und Kulturarbeit und vor allem um eigene und kollektive Gegenstrategien gehen.

Wir freuen uns auf eine spannende und interessante Veranstaltungsreihe und auf zahlreiches Kommen!