Für die Ausstellung Feldarbeit haben 18 Studierende der Klasse für Bildhauerei/Materialität und Raum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle den öffentlichen Raum des Hufeisensees sowie den angrenzenden Golfpark bearbeitet.
Aus der Nutzungs- und Transformationsgeschichte sowie dem konkreten landschaftlichem Kontext haben die Studierenden ortsbezogene Arbeiten entwickelt, die sich mit dem Gefüge aus ehemaligem Tagebau, heutigem Naherholungsgebiet und der gestalteten Topografie des Golfparks auseinandersetzen. Landschaft wird dabei nicht nur – im Sinne des Soziologen Lucius Burckhardt – als kulturell geprägte Wahrnehmungs- und Deutungsleistung verstanden, sondern auch als Ergebnis konkreter technischer Eingriffe: am See im Kontext heutiger (Re)naturierungskonzepte, am Golfplatz nach sportspezifischen Anforderungen. Die Arbeiten reagieren auf diese Konstellation, indem sie Fragen nach Wahrnehmung und Erleben von Landschaft mit individuellen künstlerischen Anliegen verknüpfen.
In der Ausstellung verbinden die Studierenden diverse Medien mit dem Außenraum – skulpturale Arbeiten, prozesshafte Eingriffe, installative Strukturen, performative Handlungen, Sound sowie landwirtschaftliche Prozesse.
So widmet Mattis Heilscher eine Brachfläche zwischen See und Golfplatz in eine Weidefläche um. Er lässt Schafe grasen und verbindet so die wirtschaftliche Aneignung des Menschen mit der Geschichte des Golfsports und Techniken ökologischer Landwirtschaft.
Viv Donner setzt mit ihrer Arbeit Routine 2x9 – Rasenaustausch direkt an den Existenz- und Pflegebedingungen von Boden an. Dabei werden Segmente zweier unterschiedlicher Landschaftszonen physisch gegeneinander verschoben und ihre Anpassung an den jeweils neuen Kontext beobachtet.
Josefine T. Schmidts JTS Cartstructor transferiert die Form eines Golfcarts in eine Bergbaumaschine und führt so die industrielle Vergangenheit und gegenwärtige Freizeitnutzung des Ortes in einem absurden Objekt zusammen.
Sam Stiess’ zweiteilige Arbeit 2x Implantat bearbeitet die künstlich hergestellte Landschaft des Golfparks mit Eingriffen in und unter der Oberfläche, indem eine mit Wasser gefüllte Blase in den Boden implantiert wird, während ihr luftgefülltes Gegenstück auf dem See treibt. Die Landschaft erscheint hier als Schichtung von sichtbaren und verborgenen Eingriffen.
Auch Carlos Meyers Projekt earthpiles greift die Konstruktion der Landschaft auf. So schichtet er in einem körperlichen Prozess Sediment zu konischen Formen, um sie unmittelbar wieder der Erosion preiszugegeben.
Louisa Kaftans landed überträgt formale Qualitäten der modellierten Golfplatzlandschaft in die Bearbeitung von Marmor und stellt so Beziehungen zwischen geologischer Materialität und künstlicher Topografie her.
Der Ort ist nicht bloßer Träger, sondern konstitutiver Bestandteil der entstandenen Werke. Aus diesen Verbindungen erwächst das Potenzial, unser Verhältnis zu Landschaft und Natur zu hinterfragen: Was nehmen wir als Landschaft wahr? Wie verstehen wir das Verhältnis von Mensch und Natur? Insbesondere der Golfpark als modellierte und regulierte Landschaft verweist auf ein Naturverständnis, das durch Gestaltung, Pflege und Kontrolle geprägt ist, während die offeneren Uferbereiche als Räume vielfältiger Aneignungsformen erscheinen. An diesen Differenzen setzen die Arbeiten an, ohne sie zu nivellieren: Sie machen unterschiedliche Ordnungen und Nutzungen erfahrbar – für alle, die ihnen begegnen, sei es als Golfspielende, Ausstellungsbesuchende, Passant*innen, Badegäste oder als nicht-menschliche Entitäten – als Vogel, Grashalm oder Marder.
Ausstellende
Setayesh Akbarian, Katharina Bäuml, Viv Donner, Nik Haberstock, Charlotte Haufe, Mattis Heilscher, Yeowon Jung, Louisa Kaftan, Jinah Kim, Ferdinand Molck-Ude, Carlos Meyer, Elisabeth Otto, Anna Pürschel, Christin Radischat, Clara Scheffler, Josefine T. Schmidt, Sam Stiess, Yuan Yang
Die Länge des gesamten Rundgangs beträgt etwa 2,6 km. Pläne und Begleittexte sind im Clubhaus und Office des Golfparks Hufeneisensee von Montag bis Sonntag, 9 bis 21 Uhr, erhältlich.
Feldarbeit – Ausstellung der Klasse Bildhauerei/Materialität und Raum
Ausstellungsdauer: 9. Mai bis 9. Oktober 2026
Eröffnung: Freitag, 8. Mai 2026, 17 Uhr mit Performances und begleitendem Musikprogramm
Presserundgang: Donnerstag, 7. Mai 2026, 15 Uhr
Ort: Hufeisensee und Golfpark Hufeisensee, Krienitzweg 16, 06112 Halle (Saale)
Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist rund um die Uhr zugänglich
ÖPNV: Grenzstraße (Tram 7). Von der Haltestelle sind es noch 1,5 km zu Fuß
Parkplätze: Es gibt kostenlose Parkmöglichkeiten am Golfplatz
Gastronomie: HuGo – Restaurant am See. Montag bis Sonntag, 12 bis 21 Uhr
Konzept und Organisation: Prof. Karsten Födinger, Michal Fuchs, Tareq Alghamian
Gestaltung: Beatriz Oria Lombardia, Sven Burow
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei
In Kooperation mit: Golfpark Hufeisensee GmbH & Co. KG Michael Labuschke
Gefördert von: Zahnarztpraxis Breitfeld
Mit Unterstützung durch: Ökohof Seeben
Weitere Informationen und Rahmenprogramm: www.burg-halle.de/feldarbeit
Social Media: Die BURG kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BurgHalle, #ität und #Feldarbeit