Lehrangebot

Befragung der „sozialen Plastik“ – Joseph Beuys

Joseph Beuys (1921 – 1986) war ein äußerst einflussreicher Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Œuvre international sehr unterschiedliche rezipiert wurde. Sein Werk umfasst Skulptur, Installation, Zeichnung, Aktion ebenso wie Pädagogik, Anthroposophie und Sozialphilosophie. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Pilot in der deutschen Luftwaffe. Der Abschuss seines Sturzkampfflugzeugs wurde für ihn zum Ausgangspunkt eines Mythos der Heilung. Seine Zuwendung zum Schamanismus und eine hirtenhaft-messianische Verklärung knüpften da an. Ab 1946 studierte es an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, wurde dort 1951 Meisterschüler von Ewald Mataré und übernahm 1961 die Professur für „Monumentale Bildhauerei“. Seine Klasse öffnete er auch für Studierende ohne offizielles Zulassungsverfahren, was zu einem politischen Eklat und schließlich seiner Entlassung führte. Beuys war unter anderem der FLUXUS- und der Umweltbewegung verbunden. Seine Werke wurden mehrfach auf der documenta in Kassel (1964, 1968, 1972, 1977, 1982) sowie auf zahlreichen internationalen Großausstellungen gezeigt.

 

Beuys ist ein Knotenpunkt vielerlei Diskurse, eine Figur, an der sich bis heute Debatten entzünden. Den einen gilt er als zentraler Vertreter eines „erweiterten Kunstbegriffs“, der Konzeption der „sozialen Plastik“ und einer sinnstiftenden Verknüpfung von Kunst und Politik, die basisdemokratische und kapitalismuskritische Perspektiven einschließt. Den anderen als ein Künstler, der den Mythos des männlichen Genies pflegte, die ideologischen Voraussetzungen seines Denkens nicht ausreichend reflektierte und sich seiner Prägung durch den Nationalsozialismus nicht stellte.

 

Im Seminar werden wir uns nicht nur mit dem Werk und den Äußerungen von Beuys beschäftigen, sondern auch mit Künstler*innen, die seine Idee der „sozialen Plastik“ weiterentwickelt oder kritisch transformiert haben: so Christoph Schlingensief, Thomas Hirschhorn, Mierle Laderman Ukeles, Tania Bruguera, Delcy Morelos und andere; die Schwerpunkte hierfür werden wir gemeinsam setzen.

 

Das Seminar begleitend soll eine kleine Ausstellung für den Studiensaal des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entwickelt werden – parallel zur laufenden Ausstellung Ich bin ein Sender. Die Zeichnungen von Joseph Beuys mit Papierarbeiten der Sammlung Bastian im Kupferstich-Kabinett. Dafür können eigene Arbeiten entstehen oder auch Werke aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts ausgeliehen werden. Außerdem werden wir uns ein Programm für einen Veranstaltungstag in Dresden, der für den 6. Januar 2027 vorgesehen ist, überlegen.

 

Die Seminarinhalte werden ergänzt durch Vorträge von Nicole Fritz, Thomas Feuerstein, Ron Manheim, Petra Richter und Barbara Steiner.

 

 

 

Informationen und Literatur zur Einführung:

 

Blume, Eugen / Nichols, Catherine (Hg.): Beuys - Die Revolution sind wir. Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. Göttingen: Steidl 2008.

 

Weitere Literatur steht im Semesterapparat in der Bibliothek,

das Material in der BurgBox wird nach der Anmeldung zu Seminar freigeschaltet.