Die Arbeit der kürzlich und viel zu früh verstorbenen Künstlerin Henrike Naumann wird in diesem Jahr im Deutschen Pavilion in Venedig gezeigt.
Die Nachrufe auf diesen einzigartigen Menschen beschreiben sie als eine der bedeutensten Künstlerinnen ihrer Generation. Dieses Seminar ist eine Hommage an sie, ihre unglaubliche Großzügigkeit, ihre Solidarität und ihre Scharfsinnigkeit.
In Zwickau geboren, erlebt sie die Nachwendezeit dort als Jugendliche und macht später die Eindrücke von Innenräumen zu Transporteuren all jener Realitäten, Emotionen und Dissonanzen, die kaum präsentiert und repräsentiert werden. Möbel, Wandbilder, allerlei Dekogegenstände werden bei ihr zu Geschichtenerzählerinnen und schärfen unseren Blick für das Unterschwellige in ihnen, sowie die Komplexität des wiedervereinten Deutschlands nach 1990.
2014 lernte ich sie und ihre Arbeit kennen. Sie zeigte bei SAVVY Contemporary, wo ich gerade anfing Fuß zu fassen, Triangular stories (2012). Die Inszenierung des Raumes unterstützte eine Videoarbeit, in der wir VHS-Aufnahmen einer Gruppe Jugendlicher sahen, die direkte Assoziationen zu den NSU-Protagonist*innen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe erlauben. Eine allzuvertraute Welt sinnlicher Eindrücke begleitet diese Realität, von der man sich am liebsten lossagen würde und es eben doch nicht kann, weil sie eingeschrieben ist in fast jede Biographie, die dieses “pOstdeutschland” (Rosenfeld & Husse Hrsg. 2019) erlebt hat und noch erlebt.
Henrike Naumann forschte. Diese Forschung kann durchaus auch designhistorisch genannt werden. Sie wagte sich mit unglaublicher Sensibilität an unsere komplizierte Gegenwartsgeschichte, konfrontierte uns mit allzueinfachen Wir/Ihr Dichotomien und tat dies über das narrative und affektive Potenzial von Gegenständen und Rauminszenierungen. Als Gestalter*innen können und sollten wir viel von ihr lernen: Über Ideologie und Form, über das Weiterleben national-sozialistischer Weltanschauungen, über globale Verflechtungen moderner und postmoderner Ästhetiken, über „den Osten“, über den Mut sich mit dem zu beschäftigen, was wir lieber wegschweigen würden oder nicht wahrhaben wollen, und über die Möglichkeit mit unserer Praxis Wege zu finden, diese Geschichten zu formulieren.
Dieses Seminar beinhaltet eine Exkursion zur Ausstellung Formen der Anpassung im GRASSI-Museum. Da diese Ausstellung bereits am 12.4.2026 schließt, werden wir die Lehrveranstaltung am 16.4.2026 voraussichtlich auf den 11.4.2026 vorverlegen.
Rosenfeld, Elske, und Susanne Husse, Hrsg. 2019. Wildes wiederholen: Material von unten: Dissidente Geschichten zwischen DDR und pOstdeutschland #1. Archive Books.
Lern- und Qualifikationsziele BA und MA: Um die Lern- und Qualifikationsziele zu erreichen, werden vorzugsweise Gruppenpräsentationen in Referatsform (oder vergleichbar) erwartet. Eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit kann nach Absprache erarbeitet werden. Sie umfasst in der Regel ein Volumen von bis zu 10 Seiten.
Lern- und Qualifikationsziele MA Design Studies: Um die Lern- und Qualifikationsziele zu erreichen werden neben der verpflichtenden Präsentation in Referatsform (oder vergleichbar) eine zusätzliche, schriftliche Hausarbeit erwartet. Sie umfasst in der Regel ein Volumen von bis zu 20 Seiten.












