1807 hielt der deutsche Idealist F. W. J. von Schelling seine Festrede Über das Verhältnis der bildenden Künste zu der Natur. Sie entstand einige Jahre nach seinen umfangreichen Vorlesungen zur Kunst und noch vor der Abfassung seiner berühmten Freiheitsschrift. Darin entwickelt Schelling eine pseudo-platonische Neubestimmung des Verhältnisses von Kunst und Natur: Ein an der Mimesis orientiertes Denken über Kunst, so seine Kritik, verfehlt den grundsätzlich dynamischen Charakter der Natur. Indem Schelling die Natur als tätige Kraft begreift, die sich in der Form selbst anhält und Gestalt annimmt, schließt er die Kluft zwischen seinem naturphilosophischen und seinem idealistischen Projekt. Der Vortrag argumentiert, dass Schellings Betonung der Tätigkeit eine Kunstauffassung eröffnet, die die materielle Hervorbringung des Kunstwerks in den Vordergrund stellt, statt es nachträglich in ein ästhetisches Paradigma einzuordnen.
Ben Woodhard
Ben Woodard lehrt North American Studies an der TU Dresden. Seine Forschung gilt insbesondere dem Verhältnis von Naturalismus und Idealismus im langen 19. Jahrhundert. Er ist Autor von fünf Monografien und zahlreichen Aufsätzen zu Themen aus Geschichte, Philosophie und Politik der Biologie, den Science and Technology Studies, der dekolonialen Theorie sowie den Science-Fiction Studies.
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