Jedes neue Projekt ist mit dem Bedürfnis verbunden, etwas Neues zu schaffen, einen neuen Blick auf das Material, die Funktion, den Alltag oder die Dinge zu werfen. Was aber bedeutet das eigentlich?
Es braucht in jedem Fall eine Basis an Wissen – das eigene, bisher angesammelte Wissen, aber nicht nur - man macht sich auf die Suche und nutzt vollkommen selbstverständlich Bücher, Wikipedia oder heute die KI und andere zugängliche Quellen, vollkommen selbstverständlich nutzt man aber auch das Wissen um das Material, den Technologien, der Kontexte der Hochschule. Sowohl Quellen als auch unser persönliches Wissen sind immer ein Konglomerat. Hier im Studiengang, in den Projekten, die fast durchweg in unseren Werkstätten erarbeitet wurden, liegt ein großer Schatz an gemeinsamem Wissen, das in den Mittelpunkt gerückt werden soll.. Jedes Projekt, jede Abschlussarbeit zeigt eigene spannende Sichtweisen oder Interpretationen, die gespeichert in den Dokumentationen schlummern. Das Wissen ist vorhanden, aber oft nicht sichtbar. Ebenfalls nicht sichtbar, aber wesentlich und sehr umfassend ist das Wissen, das unsere Werkstattleiter*innen haben und jeden Tag erweitern.
Von diesem gemeinsamen Wissen profitieren wir bei der Erarbeitung unserer Designs. Die Gestaltung eines Textils ist demnach nie nur die Arbeit einer einzigen Person, sondern es fließen viele Faktoren von verschiedenen Seiten ein.
Das führt unweigerlich zur Frage der Autor*innenschaft. Wie viel meiner Idee ist eigentlich von mir? Bin ich so genial und kreativ, dass ich die alleinige Autor*innenschaft deklarieren kann? Wie äußert sich gemeinsames Wissen im Textildesign? Was ist „meins“, was ist geteilt? Wie setze ich Wissen von anderen ein? Wie kann ich vorhandenes Wissen respektvoll für meine eigenen Projekte nutzen? Diese Rolle als Designer*in soll beleuchtet und hinterfragt werden. Zunächst gemeinsam bei Literaturrecherche und in Gesprächen, aber vor allem für die praktische Umsetzung im direktem Austausch mit jeweils einer anderen Designer*in.
Deshalb startet dieses Projekt startet anders, als üblich: Du hast eine Idee, was Du schon immer mal machen wolltest. Das kann eine Materialstudie, eine Sichtweise auf ein kulturelles Phänomen, eine Musteridee, eine nachhaltige Fragestellung oder was auch immer, sein. Danach suchst Du auf der Website / in den Dokumentationen der vergangenen Semester nach einem Projekt, das sich schon damit oder etwas ähnlichem beschäftigt hat. Oder, wenn Du noch nicht recht weißt, was Du machen willst, kannst Du Dich von den Projekten inspirieren lassen, suchst nach einem gestalterischen Ansatz, den Du gerne weiterentwickeln möchtest. Das kann das gesamte Projekt sein, aber auch ein Detail, eine in deinen Augen vernachlässigte Seitenspur.
In der Folge nimmst Du Kontakt mit der Person auf, um zunächst zu klären, ob sie*er es überhaupt zulassen möchte, dass Du es nutzt. Wenn das nicht der Fall ist, musst du weitersuchen. Falls ja, kommt es im Idealfall zu einem kontinuierlichen Austausch, aber vor allem geht es um die Diskussion über die Autor*innenschaft – wieviel ist noch von ihr*ihm, wieviel ist Dein Eigenes.
Das Ergebnis ist jeweils ein textiles Objekt, eine Kollektion, ein Material oder ähnliches, das auf dem gemeinsamen Wissen von Dir, dem Studiengang und der kooperierenden Person beruht. Zur Zwischenpräsentation Anfang Dezember möchten wir mit möglichst allen Beteiligten, also den „Vor- oder Mit-Autor*innen“ des Projektes die bisherigen Erfahrungen zu diskutieren.
Final werden wir alle Projekte nochmal auf ihre Autor*innenschaft befragen – und gemeinsam überlegen, wie man diese Ergebnisse betiteln, bezeichnen kann. Wer muss wie und als was erwähnt werden? Verstehe ich meine Arbeit als Kooperation oder als Kollaboration?
Ziel ist eine textile Arbeit zu einem eigenen Thema, Ziel ist aber auch deine eigenen Rolle zu hinterfragen. Die Aufgabe, die Rolle der Mitwissenden mitzudenken und respektvoll damit umzugehen. Wir haben schon viel über die kulturelle Aneignung aus anderen Kulturen diskutiert – auch hier geht es um ähnliche Prozesse. Es geht nicht darum etwas nicht zu tun, sondern es behutsam einzusetzen mit Rücksicht auf die jeweiligen Wissensträger*innen, mit ihrer Zustimmung und der Anerkennung ihrer Leistung.
















