Der Teppich ist eines der ältesten textilen Kulturprodukte. Er ist eng verbunden mit nomadischem Wohnen, mit rituellen Handlungen, mit erzählerischer Ornamentik und künstlerischem Ausdruck. Heute dient es in der westlichen Kultur eher dekorativ und/oder funktional zur Schall- und Wärmedämmung. In vielen anderen Kulturen ist seine Rolle ganz anders geprägt. So hat das Leben auf dem Boden in vielen Kulturen wie Japan und dem Iran eine sehr große Bedeutung, in mongolischen Jurten ist es Teil des Zeltes, in osteuropäischen Kulturen hängt der Teppich an der Wand. Wir möchten den Boden unter unseren Füssen näher betrachten, uns ihm widmen als Element unseres Alltags, wie auch einen emotionaleren Zugang als bisher zu bekommen, seine Rolle neu bestimmen.
Wir stellen persönliche und kulturelle Fragen: Wie bin ich aufgewachsen, welchen Boden gab es zuhause? Wie leben andere Familien? Kenne ich Menschen, die den Boden anders nutzen als ich? Wie leben Menschen in anderen Kulturen? Welche Rollen spielt der Teppich als textiler Boden? Was können wir lernen im Umgang mit dem Teppich außerhalb unseres Kulturkreises? Um letztendlich eine eigene Idee für einen Teppich oder was sich sonst auf dem Boden befinden kann, zu entwickeln.
Praktisch nähern wir uns von zwei Seiten: zum einen mit einem freien Entwurf. Das kann vieles sein: tatsächlich ein Teppich, aber auch ein Objekt das auf den Boden aufmerksam macht, ein Szenario für eine bestimmte Art des Teppichs, ein funktionaler Teppich, etwas ganz anderes. Die Umsetzung kann in Originalgröße sein, falls es nicht realisierbar ist, als Modell mit Qualitätsmustern. Digitale Raumsimulationen mit Blender o.ä. sind ebenfalls möglich. Parallel geht es um einen industriell fertigbaren Teppichboden – also nicht um den „Rug“, den abgepassten Teppich, sondern als Auslegeware – mit wiederholtem Muster (oder Uni), getuftet und/oder bedruckt, mit Schlingen oder flach gewebt. Diese Entwürfe, die möglichst mit einer Firma realisiert werden sollen, kann sich durch das Muster auf den freien Entwurf beziehen. Möglich ist auch, für den freien Entwurf das Musterthema zu einer Kollektion auszuweiten.
Für diesen angewandten Entwurf wird mit dem Material Econyl, recycletem Polyamid der Fa Aquafil gearbeitet. Dieses steht in unterschiedlichen Qualitäten zur Verfügung, sodass mit mindestens zwei unterschiedlichen, möglichst kontrastreichen Garnen gearbeitet werden soll. Für die angewandten Teppichbodenentwürfe soll jeweils eines in jeder Technik in Größe 30 x 30cm realisiert werden (Tuften, Polgewebe, Druck). Hier arbeiten wir mit zwei Firmen zusammen – der Firma Halbmond für Entwürfe im Druck auf getuftetem Econyl und der Firma Spandauer Velour für gewebten Flor, die Technik Tuften bearbeiten wir in unserer Werkstatt.
Beide Herangehensweisen finden parallel statt, können sich aufeinander beziehen. Es sollen zu Beginn die möglichen Techniken auch praktisch in unseren Werkstätten ausprobiert werden, begleitet zu den beiden Produktionsstätten und einem Tag mit der Designerin Birgit Krah vom Teppichlabel Reuber Henning in Berlin.















