Die zunehmende Integration von Photovoltaik in Architektur und Gebäudehüllen stellt eine zentrale Frage: Wie kann hoch effiziente, jedoch visuell stark technisch geprägte Solartechnik zu einem gestalterisch hochwertigen Bestandteil der Architektur werden?
Re:LAYER beantwortet diese Herausforderung mit einem mehrschichtigen Designsystem, das technische Effizienz und gestalterische Qualität miteinander verbindet.
Im Zentrum stehen Solarmodule als funktionales Rückgrat. Davor wird eine vorgehängte Ebene aus recycelten Acrylplatten bzw. -fragmenten angebracht. Diese stammen aus industriellen Restmaterialien wie Verschnitt, Fehlformaten oder Produktionsüberschüssen aus Laserzuschnitt und Werbetechnik. Unterschiedliche Farben, Formen, Größen und Transparenzen bleiben bewusst sichtbar, nichts wird homogenisiert. Was ursprünglich thermisch verwertet wird, wird zum gestaltprägenden Element.
Durch Überlagerung, Schichtung und Tiefenstaffelung entstehen reliefartige Strukturen mit intensiven Licht-, Farb- und Schattenwirkungen. Das einfallende Sonnenlicht bricht sich in den Acrylebenen, verändert sich ständig und erzeugt wechselnde Muster und Farbstimmungen. So wird das Solarpanel von einer einfachen rechteckigen Funktionseinheit zu einem visuellen Kunstobjekt verwandelt.
Energiegewinnung wird sichtbar, atmosphärisch und erlebbar. Es entsteht ein Zusammenspiel von Natur, Licht und Material. Hierbei wird mit einem Effizienzverlust von circa 10% gerechnet, welcher jedoch aus gestalterischen Gründen bewusst in Kauf genommen wird.
Die Acrylglasschicht fungiert als gestalterische Übersetzung der Technik. Sie verleiht der Oberfläche Tiefe, Maßstab und Rhythmus und reagiert dynamisch auf Tageszeit, Sonnenstand und Blickwinkel. Je nach Ausführung wirkt das Produkt ruhig und rational oder expressiv und ikonisch. Acrylglas bietet dabei hohe UV- und Witterungsbeständigkeit sowie langfristige Formstabilität. Dadurch eignet es sich sehr für den Gebrauch im Außenbereich und bildet somit eine Symbiose mit dem Solarmodul selbst.
Ein wesentliches Prinzip ist die Partizipation: Die Acrylplatten werden als modulares System bereitgestellt und von Nutzer*innen selbst befestigt. Über einen beweglichen Hakenmechanismus lassen sich Elemente jederzeit austauschen, neu anordnen oder erweitern. Jede Schichtung wird zur individuellen, unwiederholbaren Komposition. Das Panel wird zu einem wandelbaren Designobjekt statt zu einer statischen Oberfläche.
Gleichzeitig bleibt das System kreislauffähig. Die mechanisch befestigten Elemente sind einzeln austauschbar und können sortenrein rückgeführt oder weiterverwendet werden. Recycling wird nicht versteckt, sondern architektonisch lesbar gemacht. Die Spur von Herkunft, Prozess und Transformation bleibt sichtbar.
Re:LAYER versteht Photovoltaik nicht als notwendiges Übel, sondern als gestalterische Ressource. Das Projekt vereint Funktionalität, Nachhaltigkeit und Kunst zu einer neuen Fassadentypologie, in der Energieerzeugung und Materialbewusstsein räumlich, visuell und sinnlich erfahrbar werden. Jedes Panel wird so zu einem flexiblen, sich ständig verändernden System und einer harmonischen Verbindung von Umwelt und Design.