Das Projekt FlowerPower entstand im Rahmen des Industriedesign-Projekts 800 Watt, das sich mit nachhaltigen Energielösungen und neuen gestalterischen Perspektiven auf Solartechnologie beschäftigt. Nach ersten Hausaufgaben – der Recherche zu nachhaltigen Methoden, Firmenbeispielen und möglichen Orten für Solarmodule im urbanen Raum – verlief mein Einstieg zunächst holprig. Durch krankheitsbedingte Fehlzeiten verpasste ich mehrere Exkursionen, sowohl technische Einblicke am Fraunhofer-Institut als auch künstlerische Inspirationen in Bonn. Dadurch hing ich zu Beginn etwas hinterher und musste mir viele Grundlagen eigenständig aneignen – inklusive sehr grundlegender Fragen wie dem Unterschied zwischen Solarzelle und Solarmodul.
Der gemeinsame Ideationsprozess mit meinen Kommiliton*innen erwies sich dennoch als wertvoll. Der offene Austausch und das Denken in viele Richtungen – von architektonischen Anwendungen bis hin zu absurderen Ideen wie einem Solar-Klappstuhl – halfen dabei, kreative Denkblockaden zu lösen. Mit den ersten konkreteren Ansätzen begann die nächste Projektphase, in der sich Gruppen bildeten. Da mich keine meiner bisherigen Ideen vollständig überzeugte, entschied ich mich zunächst für eine Einzelarbeit, um freier experimentieren zu können. Es folgte eine intensive Phase des Experimentierens mit Papier, Faltungen und Pop-up-Strukturen. Zentral war die Frage, wo sich aktive Flächen platzieren lassen und welchen Mehrwert bestimmte Formen bieten. Dabei stand ich vor einer grundlegenden Entscheidung: Sollte ich mich zuerst auf eine konkrete Funktion konzentrieren und daraus die Form ableiten, oder zunächst ein visuelles Ziel definieren und anschließend eine passende Funktion entwickeln? Ich entschied mich bewusst für den zweiten, für mich schwierigeren Weg. Mein gestalterisches Ziel war es, ein Objekt zu entwickeln, das den warmen, freundlichen Eindruck einer Blume vermittelt. Der gedankliche Ausgangspunkt: Solarmodule und Pflanzen sind sich ähnlich, da beide mithilfe von Sonnenlicht Energie erzeugen. Diese Gemeinsamkeit wollte ich sichtbar machen. So entstand FlowerPower.
Die Idee, florale Strukturen zu erzeugen, eröffnete eine große Bandbreite gestalterischer Möglichkeiten. So entstand unter anderem eine Variante, in der viele farbige Quadrate ein visuelles Blumenmeer bilden sollten, das sich scheinbar über den Balkon erstreckt. Letztlich entschied ich mich jedoch für eine stärker reduzierte, symbolhafte Darstellung einer einzelnen Blume. FlowerPower nutzt die bemerkenswerte Fähigkeit des Menschen, selbst in einfachen geometrischen Formen vertraute Muster zu erkennen, sofern diese in passenden Farben und klaren Anordnungen kombiniert werden. Durch diese bewusste Reduktion entsteht ein Motiv, das zugleich abstrakt und eindeutig lesbar ist und die florale Assoziation auf subtile Weise transportiert.
[1] MorphoColor: blog.innovation4e.de