graduiert ≈ präsentiert

11.10. - 12.11.2017

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Graduiertenförderung des Landes Sachsen-Anhalt 2016 und 2017 stellen aus.

graduiert ≈ präsentiert

Ausstellungsdauer: 11. Oktober bis 12. November 2017
Eröffnung: Dienstag, 10. Oktober 2017, 19.30 Uhr.
Im Anschluss Soundperformance von Christoph Liedtke und Musik von The Real Douche.

Die zehn Absolventinnen und Absolventen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle aus den Fachbereichen Kunst und Design Robert Deutsch, Simone Distler, Kristina Heinrichs, Lado Khartishvili, Christoph Liedtke, Florian Milker, Sarah Pschorn, Sanna Schiffler, Stefan Schwarzer und Anja Warzecha haben im Austausch mit der Hochschule und finanziell weitgehend abgesichert neue Werkkomplexe entwickelt, die nun in der Ausstellung präsentiert werden.

Robert Deutsch (2007-2014 Studium Kommunikationsdesignan der BURG)
Robert Deutsch hat sich in seiner Graphic Novel mit dem Leben Alan Turings, einem der wichtigsten Informatiker des 20. Jahrhunderts, der zu den Erfindern des Computers zählt, beschäftigt. Deutsch macht die Leser mit den Höhepunkten und Abgründen von Turings Leben vertraut, das sich zwischen höchster Anerkennung wie dem Ritterschlag durch die Queen und versteckt ausgelebter Homosexualität, zwischen Erfindergeist und Depression bewegte. Er arbeitete dabei mit mehreren Erzählebenen, um die faszinierende und auch schwer greifbare Persönlichkeit Turings im Kontext ihrer Zeit zu fassen.

Simone Distler (2009-2016 Studium Malerei bei Prof. Ute Pleuger an der BURG)
Der malerische Prozess entwickelt sich bei Simone Distler als eine Art innerer Zwiesprache zwischen Reflexion und Intuition. Dies betrifft sowohl das Fließverhalten der Farbe zwischen kontrollierter Handhabung und Spontanität als auch das gestische Agieren selbst. Transparenz und Leichtigkeit wechseln mit Verdichtung und Schwere und alles scheint in Bewegung. Die entstehenden Momente des Übergangs, die Assoziationen zum Landschaftlichen hervorrufen, zeigen auch die Auflösung von Formen und ihr Driften ins Ungefähre. Im Förderzeitraum hat die Künstlerin diesen Prozess auf dem Material Papier erprobt und neue Ausdrucksqualitäten entdeckt.

Kristina Heinrichs (2008-2014 Studium Buchkunst bei Prof. Sabine Golde an der BURG)
In der Serie spacial periods setzt sichKristina Heinrichs mit der Sichtbarmachung bewegten Geschehens grafisch auseinander. Vermittels eines eigens dafür entwickelten Notationssystems spürt die Künstlerin dem Rhythmus, dem Tempo, dem Swing eines Ortes nach. Akteure und deren Bewegungen werden dafür an Hand von filmischem Material ausgewertet und in linearer Form codiert. So werden sie in einem systematischen und zugleich schöpferischen Prozess zu Papier gebracht. Die spacial periods sind damit die ästhetisch erfahrbare Seite der konzeptuellen Arbeit - das künstlerisch entworfene Regelwerk bildet die unsichtbare Grundlage.

Lado Khartishvili (2011-2013 Meisterschülerstudium bei Prof. Bruno Raetsch an der BURG)
Lado Khartishvili lädt in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Anne Baumann dazu ein, sich mit den Erinnerungen an einen Zeitraum der jüngsten Vergangenheit zu beschäftigen: den 1990er Jahren in Georgien und in Deutschland. Dafür hat Lado Khartishvili in seiner Wohnung in Halle (Saale) in der Rosenstraße 11 ein Zimmer des großmütterlichen Hauses im sowjetischen Ordschonikidse (heute Russland) nachgebaut, das die georgische Familie auf Grund der neuen Grenzen verloren hat. Das Kunstprojekt APARTMENT 11 zielt auf eine performative Interaktion zwischen Gast und Gastgeber ab. Einen Wegweiser zum APARTMENT 11 finden Sie in der Ausstellung; ausführliche Informationen zum Projekt und die Anmeldung zum Besuch unter: www.apartment11projekt.wordpress.com

Christoph Liedtke (2010-2017 Studium Keramik bei Prof. Martin Neubert an der BURG)
In seinem Werkzyklus Tzimtzum befragte Christoph Liedtke die Idee der Form mittels der Materialien Pappe und Papier. Wichtige Schritte im Arbeitsprozess waren dabei das Einfalten, Zerreißen und Zusammenkleben. Die entstandenen Formen sind für den Künstler Ausdruck reiner Plastizität und bilden Metaphern für das Formlose. Sie entstanden als Ergebnis einer sich wiederholenden Tätigkeit, die ihren Sinn in sich selbst gründet. Ihr Assoziationsspektrum ist breit, man kann an Ansammlungen oder künstliche Steine denken. Im Werk von Christoph Liedtke finden Material, Sprache und Denken ihre Schnittstellen.

Florian Milker (2009-2016 Studium Schmuck bei Prof. Daniel Kruger an der BURG)
Für seine neue Schmuckkollektion ließ sich Florian Milker von Aspekten der Raumfahrt und im Besonderen von Raumanzügen sowie deren lebenserhaltenden Funktionen und technischen Systemen anregen. Elemente wie Sicherungshaken, Versorgungsschläuche und Anschlussventile bilden für ihn sowohl in ästhetischer als auch inhaltlicher Hinsicht interessante Bezüge zum Schmuck. Sie verweisen auf die Grundbedürfnisse des Menschen nach Schutz, Sicherheit und Versorgung. Milkers Schmuckobjekte verbinden die lebensnotwendige einfache Handhabung von Haken und anderen Verschlüssen mit hoher Präzision, Schönheit und Materialbewusstheit.

Sarah Pschorn (2009-2015 Studium Keramik bei Prof. Martin Neubert an der BURG)
Sarah Pschorn hat sich im Förderzeitraum auf das raumbezogene Arbeiten mit keramischen Objekten konzentriert. Die gefäßartigen Collagen aus Ton, Porzellan und Fundstücken interpretieren ein historisch bekanntes Formenrepertoire. Zugleich reagierte die Künstlerin auf bildhauerische Aspekte, indem sie auf die räumliche Atmosphäre des Ateliers, einen verlassenen Fabrikraum, Bezug nahm. In Verbindung der geschaffenen Objekte zum Umraum wird die klassische Trennung zwischen Objekt, Sockel und Raum überwunden. Für die Ausstellung erarbeitet die Künstlerin ein neues Zusammenspiel zwischen den Objekten mit dem Galerieraum.

Sanna Schiffler (2012-2015 Masterstudium Editorial Design an der BURG)
Zwei Zuhause ist ein Bilderbuch für Kinder und Eltern, das die Situation nach einer familiären Trennung und das Leben des Kindes in zwei unterschiedlichen Haushalten zeigt. In grafischen Momentaufnahmen werden sowohl schwierige als auch positive Aspekte einer solchen Veränderung dargestellt und der emotionale Spagat des Kindes und der Eltern thematisiert. Sanna Schiffler entwickelt die Geschichte ausschließlich über Bilder und lädt damit zum Erzählen der eigenen Erfahrungen ein. Durch farbliche Kontrastierung jeder Doppelseite wird die Teilung der Lebenswelten hervorgehoben und die sich ändernde Gefühlswelt der Akteure sichtbar gemacht.

Stefan Schwarzer (2007-2015 Studium Bild Raum Objekt Glas bei Prof. Christine Triebsch an der BURG)
In La Poesía de la Vida sind die künstlerischen Ergebnisse von Stefan Schwarzers mehrmonatiger Reise durch Havanna auf den Spuren des kubanischen Dichters José Mart komprimiert. Das Buch vereint Schwarzers Zeichnungen und Tagebuchberichte mit Gedichten, Kurzgeschichten, Interviews von und mit mehr als 40 kubanischen Autoren und Autorinnen. Diese erzählen vom Leben in ihrer Stadt. Für die Ausstellung entwickelt Schwarzer eine monumentale farbige Wandzeichnung, in der er eigene Zeichnungen mit Text- und Gedichtfragmenten der kubanischen Autoren und Autorinnen kombiniert und damit unterschiedliche künstlerische Medien und Betrachtungsweisen verschmilzt.

Anja Warzecha (2008-2014 Studium Malerei bei Prof. Ute Pleuger an der BURG)
Anja Warzechas Arbeit Stratorama zeigt in Form eines raumgreifenden Dioramas eine konstruierte Landschaft. Dafür werden mehrere bildliche Ebenen hintereinander angeordnet. Das Vorgehen ähnelt dem Verfahren der Stratigraphie (Schichtenkunde), das sowohl in der Kunst bei der Untersuchung von Malschichten, als auch in der Geologie und Archäologie angewendet wird. Die transparenten und sich zugleich in der Wahrnehmung überlagernden Flächen machen den Aufbau des malerischen Werks auf neue Weise erfahrbar und stellen mittels ihrer Dreidimensionalität einen Bezug zum umgebenden Raum und zum Betrachter her.

 

 

Das Begleitprogramm zur Ausstellung

Donnerstag, 12.10.2017, 18 Uhr
Lesung aus Turing von und mit Robert Deutsch

Donnerstag, 19.10.2017, 18 Uhr
Das Niemandsland ist ein Antihollywood.
Lyrik-Sound-Performance mit Christoph Liedtke und Mark Hornbogen

Mittwoch, 1.11.2017, 18 Uhr
KünstlerInnengespräch mit Sarah Pschorn, Simone Distler und Florian Milker
moderiert von Dr. Jule Reuter

Donnerstag, 9.11.2017, 18 Uhr
Lesung aus La Poesía de la Vida von Stefan Schwarzer (gelesen von Dana Costa, Jorge Sánchez Di Bello und dem Künstler) und anschließend Gespräch zur aktuellen kubanischen Literatur mit Prof. Dr. Thomas Bremer (Institut für Romanistik der MLU Halle/Saale)

Gespräche in APARTMENT 11 mit Lado Khartishvili während der gesamten Ausstellungszeit.
Anmeldung unter www.apartment11projekt.wordpress.com.

 

Führungen durch die Ausstellung: Jeden Sonntag um 15 Uhr führen Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge durch die Ausstellung. Die Teilnahme ist kostenfrei.