Geschichte der Burg
von den Anfängen bis zur Gegenwart
2005

90 Jahre Burg Giebichenstein
2005
In der Tat scheint zwar alles – auch wir – mittlerweile immer älter zu werden, und da muss auch alles älter werden, um hinreichend interessant zu sein. Vor der grassierenden Eventology diversester Jubiläen kann man sich ohnehin kaum mehr retten. Auch zuviel historisches Bewusstsein kann gelegentlich nerven; erst recht, wenn es sich in Zahlenspielerei erschöpft. Doch wenn man für einen Moment das Schnapszahlen-Denken sein lässt, den Mythos von der runden Zahl auf Normalmaß stutzt und das 90jährige Burgjubiläum stattdessen ins Verhältnis setzt zu den tatsächlichen Verhältnissen, in denen die Geschichte der Burg Giebichenstein sich über beinahe ein Jahrhundert hinweg abspielte, dann ist 90 zwar immer noch nicht gleich 100 – aber dann ist 90 doch schon viel. Man muss da nicht einmal die Geschichte bemühen, aus der man allein schon ablesen könnte, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass diese Kunsthochschule nun schon 90 Jahre lang und durch allerlei Zeiten hindurch besteht. Es genügt nämlich recht besehen schon der Blick auf die Gegenwart, um zu wissen, wie fragil die Existenz einer Kunsthochschule ist. Wer weiß denn eigentlich was uns Hartz 10 bescheren wird? Doch wollen wir uns anlässlich dieses Geburtstags nicht umgekehrt selbst beweihräuchern und uns für eine Geschichte preisen, die andere geschrieben haben, und für Verdienste, die sich anderen zuschreiben. Im Gegenteil: Wir wollen und sollten den Anlass, statt Burggeschichte zu treiben, aktuell nutzen, die Gegenwart der Burg ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, und zwar um ein paar Grade mehr als üblich. Gegenwart lässt sich nur durch Öffentlichkeit herstellen. Präsens heißt zuallererst: Präsenz. Andererseits soll all das im Rahmen bleiben. Es geht nicht darum, knappe Mittel zu strapazieren, um sich selbst zu feiern. Vielmehr werden in erster Linie Projekte und Aktivitäten an der Burg, wie sie ohnehin geplant sind, offensiver ausgelegt und öffentlichkeitsfreundlicher zugänglich gemacht – ein ganz normales Jahr, jedoch mit Akzenten. Das Jahresprogramm 2005 benennt die unterschiedlichen Veranstaltungen – auch ganz spezielle Aktionen. Vor allem aber illustriert es, wie vielfältig sich das Burggeschehen gestaltet, nach wie vor, und das seit 90 Jahren. Das ist nicht nur Programm, das ist auch programmatisch.




