Die Bauhäuslerin Benita Koch-Otte

Textilgestaltung und Freie Kunst 1920-1933

Benita Koch-Otte (1892–1976) gehört zu den herausragenden deutschen Textilgestalterinnen im 20. Jahrhundert. Sie hatte bereits mehrere Jahre als Handarbeits-, Zeichen- und Turnlehrerin gearbeitet, als Sie nach einer Neuorientierung suchte und 1920 nach Weimar ging. Als Studierende und Gesellin am Bauhaus in Weimar und Dessau entwickelte sie sich unter der Leitung von Johannes Itten, Georg Muche und Helene Börner zu einer prägenden Persönlichkeit auf ihrem Gebiet. Nach dem Besuch eines Färbereikurses an der Textilfachschule in Krefeld gemeinsam mit Gunta Stölzl baute sie noch als Studentin die Färbereiwerkstatt am Bauhaus auf. Von 1925 bis 1933 leitete Benita Koch-Otte die Handweberei-Werkstatt an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle. 1933 wurde sie, wie alle anderen an der Burg tätigen Bauhäusler auch, von der nationalsozialistischen Regierung entlassen. Mit ihrem Mann, dem tschechischen Bauhaus-Künstler und Leiter der Fotoklasse an der Burg Giebichenstein, Heinrich Koch, siedelte sie nach Prag über und leitete nach seinem frühen Tod von 1934 bis 1957 die Weberei an den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel.

Benita Koch-Otte schuf den berühmten Teppich für ein Kinderzimmer, den Walter Gropius neben anderen Spitzenstücken aus ihrer Hand 1925 für die Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar auswählte. Von ihr stammt auch der große Knüpfteppich für das Direktorenzimmer des Bauhauses in Weimar. Ihre schöpferischste Zeit verbindet sich jedoch mit Halle. Mit jährlich neuen Kollektionen für die Leipziger Grassimesse machte die Textilwerkstatt der Burg überregional auf sich aufmerksam. Sie beschickte Messen und Ausstellungen in ganz Deutschland, aber auch in Barcelona, Danzig, Monza, Paris, Wien und Zürich und Übersee, wie beispielsweise 1929 eine Wanderausstellung durch Brasilien. Die Handweberei der Burg führte viele öffentliche Aufträge für Halle, Schkeuditz, Merseburg, Bad Lauchstädt, Chemnitz, Forst, Zwickau und für andere Orte aus. Mehr als die Hälfte der jetzt in Weimar gezeigten Ausstellungsexponate dokumentieren Benita Koch-Ottes hallesche Periode.

Während sich die Ausstellung auf Koch-Ottes Wirken als Textilgestalterin und Künstlerin in den Jahren 1920 bis 1933 konzentriert, gibt der Katalog auch einen Ausblick auf ihr späteres Wirken in Bethel und die praktische Anwendung ihrer kunstpädagogischen und handwerklichen Bauhaus-Erfahrungen für Behinderte.

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Neuen Museum Weimar vom 20. April bis 10. Juni  und im Bauhaus-Archiv Berlin vom 20. Juni bis 27. August 2012

ISBN 978-3-7443-0153-4

Herausgeber:
Michael Siebenbrodt für die Klassik Stiftung Weimar

Autoren:
Irene Below, Angela Dolgner, Ekkehard Schenk zu Schweinsberg, Michael Siebenbrodt

Verlag:
Klassik Stiftung Weimar

Format:
136 S.; 23 x 19,5 cm

Preis:
14,90 Euro

Erscheinungsjahr:
2012

Bezugsadresse:

über den Buchhandel

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