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Abschlusspräsentation des ersten Nachhaltigkeitsstipendiums der BURG im Rahmen des Projekts Reallabor ZEKIWA Zeitz

Die Nachhaltigkeitstipendiatin der BURG, Priska Engelhardt, realisierte in Zeitz ein Mosaik aus ausgesonderten, gespendeten und historischen Fliesen für das Treppenhaus des ehemaligen ZEKIWA-Verwaltungs-gebäudes. Für Interessierte bietet die Künstlerin am 5. Dezember 2026 Führungen an.

Am 24. Oktober 2026 präsentierte die Nachhaltigkeitsstipendiatin Priska Engelhardt ihre Mosaikarbeit Tiles 1909–2026 im Gebäude 42, dem ehemaligen ZEKIWA-Verwaltungsgebäude, in Zeitz. Rund 40 Besucher*innen nahmen an der Abschlusspräsentation teil. Das Werk ist nun dauerhafter Bestandteil des Gebäudes.

Aus Reststoffen wird ein ortsspezifisches Werk

Priska Engelhardt (Diplom in der Studienrichtung Keramik, BURG, 2026) wurde mit ihrem Vorhaben OUT OF SPEC für das erste Nachhaltigkeitsstipendium der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ausgewählt. Von August bis Oktober 2026 lebte und arbeitete sie dafür in Zeitz.
Den Ausgangspunkt ihrer Arbeit bildete die Auseinandersetzung mit Normen und Ausschlussmechanismen in der industriellen Fliesenproduktion. Häufig werden Fliesen aufgrund kleinster Farbabweichungen oder Mängel aussortiert, obgleich sie weiterhin funktionstüchtig sind. Dies ist ökologisch fragwürdig, da sich der mit hohem Energieaufwand gebrannte Ton nur schwer in den Materialkreislauf zurückführen lässt. 
Das Ziel von Priska Engelhardt für Zeitz war es, das gestalterische und erzählerische Potenzial dieser aus dem Produktions- und Nutzungskreislauf gefallenen Fliesen auszuloten. Dafür sammelte sie vor Ort Restfliesen von regionalen Unternehmen und Privatpersonen – Musterstücke, Restposten, Überbestände und Fliesen, die teilweise seit mehr als 30 Jahren in privaten Kellern lagerten. Ergänzt wurde die Sammlung durch überregionale Spenden sowie von der Künstlerin selbst geformte Fliesen.

Historische Spuren im Material

Die Wahl des Ortes erweiterte das Projekt um eine historische Dimension. Das denkmal-geschützte Gebäude wurde 1909 für die Kinderwagen- und Spielzeugfirma E. A. Naether errichtet. Von den bauzeitlichen Villeroy & Boch-Fliesen im Treppenhaus ist heute kaum etwas erhalten. Die meisten Fliesen hatten sich im Laufe der Jahrzehnte von der Wand gelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte auf dem Areal der VEB ZEKIWA, einer der größten Kinderwagenproduzenten Europas. Mit der politischen Wende schloss der Standort. Rund 2.000 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Im Anschluss stand das Gebäude über viele Jahre leer.
Priska Engelhardt integrierte einige der bauzeitlichen Fliesen in ihr Mosaik. Zudem ergänzte sie Fliesen aus dem Sanitärbereich, die zu DDR-Zeiten eingebaut worden waren. Manche sind gebrochen, andere weitgehend erhalten oder mit Graffiti versehen. In ihrer Zusammenstellung verweisen sie auf die unterschiedlichen Nutzungsphasen und die wechselvolle Geschichte des Gebäudes.

Tiles 1909 – 2026 

In ihrer Mosaikarbeit Tiles 1909 – 2026 führte Priska Engelhardt historische Fliesen, regionale Restbestände und eigens gefertigte Elemente zu etwas Neuem zusammen. Auf diese Weise verbindet sie die Wiederverwendung von Reststoffen mit der Geschichte des Gebäudes. 
Die Arbeit zeigt, dass nachhaltiges Gestalten nicht allein bedeutet, Ressourcen einzusparen, sondern auch, Bestehendes wertzuschätzen. Damit hinterfragt sie gängige Vorstellungen von Wert, Gebrauch und Ästhetik.

Öffentliche Beteiligung und Workshopangebote

Das Projekt war prozess- und beteiligungsorientiert angelegt. Priska Engelhardt arbeitete im „Raum der Möglichkeiten“, dem Veranstaltungsraum des Reallabor ZEKIWA Zeitz. Durch die großen Fenster konnten Passant*innen den Arbeitsprozess und die Entstehung des Mosaiks verfolgen. Zudem bot die Künstlerin verschieden Formate an: Ein Mosaikworkshop mit dem Team Freiraum der Hochschule Anhalt beim Kunstfest, zwei offene Mosaikateliers, zwei offene Mosaikworkshops sowie ein Workshop für Berufsschüler*innen gemeinsam mit den Bauhausagent*innen der Stiftung Bauhaus Dessau. Zum Tag des offenen Denkmals beteiligte sie sich an Führungen durch das Gebäude und öffnete ihr Atelier.

Führungen zum Mosaik mit Priska Engelhardt am 5. Dezember 2026
Im Rahmen der Führungen gibt die Künstlerin Einblicke in die Entstehung des Mosaiks, erläutert die verwendeten Materialien und historischen Bezüge ihrer Arbeit.
Führungen: 13, 14, und 15 Uhr. 
Voranmeldung erforderlich: Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung den gewünschten Führungstermin ab. Die Anmeldung ist per E-Mail an ed.ellah-grub@rehcsifa oder telefonisch unter 0345 7751-58141 möglich. 

Dank
Ein herzlicher Dank gilt allen Fliesenspender*innen aus Zeitz und Umgebung: dem Baustoffhandel Remde GmbH, der Haustechnik Thielsch GmbH, der Heitzmann GmbH, dem Mobau Bauzentrum Zeitz und der Were Fliesen GmbH sowie der Alten Nudelfabrik. 
Gedankt sei auch den Vermittlerinnen Katja Wendland (Revierscout Burgenlandkreis, JTC) und Ines Will (TPG) sowie den privaten Spender*innen Philipp Baumgarten, Christiane Burkhard, Helene, Petra und Herwig Kleinertz sowie Angelika Weidling.
Priska Engelhardt dankt außerdem den Helfer*innen, die sie bei der Realisierungdes Mosaiks unterstützt haben: Maria Gesler, Karin Lindner, Henning, Max und Resida Sitter, Carola und Sabine Witter. 
Darüber hinaus gilt der Dank der Denkmalpflege der Stadt Zeitz, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie dem gesamten Verbund des Reallabors ZEKIWA Zeitz für die Begleitung und Unterstützung des Projekts.

Nachhaltigkeitsstipendium der BURG in Zeitz

Mit dem Nachhaltigkeitsstipendium in Zeitz fördert die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle künstlerische und gestalterische Projekte, die Fragen zu Ressourcen, Transformation und nachhaltiger Entwicklung aufgreifen und im Kontext des Reallabor ZEKIWA Zeitz praktisch erproben. Die Auseinandersetzung mit der Stadt Zeitz spielt dabei eine zentrale Rolle. 

2026 und 2027 erhalten vier Studierende beziehungsweise Absolvent*innen der BURG die Möglichkeit, im Rahmen des Stipendiums jeweils drei Monate in Zeitz zu leben, zu arbeiten und ihre Projekte vor Ort umzusetzen.

Über das Reallabor ZEKIWA Zeitz

Das Reallabor ZEKIWA Zeitz (RZZ) entsteht auf dem historischen Areal der ehemaligen Kinderwagenfabrik ZEKIWA. Es befasst sich mit einem Ort, der über mehr als hundert Jahre die Industriegeschichte der Stadt Zeitz geprägt hat und heute sinnbildlich für die Herausforderungen des Strukturwandels in der Region steht.
Das Reallabor nutzt das Gelände, um neue Wege für nachhaltiges Bauen, gemeinschaftliches Zusammenleben und eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung zu erproben. Dabei orientiert es sich an den Leitlinien des Neuen Europäischen Bauhauses: schön, nachhaltig, gemeinsam.
Das RZZ wird von einem multidisziplinären Verbund aus der Hochschule Anhalt, der Stiftung Bauhaus Dessau, der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Forum Rathenau e. V. und der Stadt Zeitz getragen. Gefördert wird das Projekt durch die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Just Transition Fund (JTF).

Nachhaltigkeitsstipendium der BURG in Zeitz 2026

Ort: Zeitz, Sachsen-Anhalt
Ausgerichtet von: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Rahmen des Projekts Reallabor ZEKIWA Zeitz (RZZ)
Ansprechpartnerin: Agnes Fischer (ed.ellah-grub@rehcsifa)
Weitere Informationen: www.burg-halle.de/nachhaltigkeitsstipendium-zeitz