Labor


Wilkhahn Versuchslabor für neue Arbeitskulturen

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Versuchslabor für neue Arbeitskulturen
Neu-Organisation der Marketing-Service-Abteilung und Einrichtung mit Prototypen
Wilkhahn 1991–93

1991 beginnen wir mit der Abteilung „Marketing- Service“ bei Wilkhahn ein Projekt, das nicht nur nach neuen Ansätzen für die Büro-Einrichtung sucht, sondern den Zusammenhang zwischen Einrichtung und Organisationsformen, Arbeitsmitteln und -techniken, Kommunikation und räumlichen Bedingungen für Gruppenarbeit erkunden will.

Ein Workshop am Beginn des Projekts stellt eine Reihe von Strategien zur Diskussion und leitet ein umfangreiches Paket von Maßnahmen ein, in denen Themen wie „Persönliche und gemeinsame Entwicklung“, „Bausteine eines neuen Selbstverständnis“, „Neue Arbeitsmittel und ihre Folgen“ Schlüsselrollen spielen.

 

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Studie und Dokumentation des Einstiegs-Workshop,
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Entwicklung der Möbel und des Raum-Layouts,
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Das prozess-orientierte Büro

Im Büro-Alltag gibt es selten Arbeiten, die in festgelegtem Zeitrahmen ablaufen. Häufiger sind Arbeiten „nicht-linear”: Sie werden von anderen Tätigkeiten unterbrochen, verschiedene Projekte entwickeln sich parallel. Für diese Art von Arbeit ist eine Einrichtung sinnvoll, in der Zwischenstadien fixiert werden können und die zugleich Platz bietet für parallel laufende Projekte. Normale Arbeitsflächen im Büro sind schon grössenmässig kaum in der Lage den notwendigen Organisationsraum zu bieten. Ein sinnvoller Weg ist die vertikale Organisation – hier verwirklicht durch Display-Ablagen in den „Türmen“ und vorallem durch Pinnwände.

Zusätzliche Projektschubladen in den Türmen können für die Arbeit an den Tisch genommen werden und alle zu einem Projekt gehörenden Materialien in loser – besser gesagt „prozess-orientierter“ – Form aufbewahren. Die Arbeitstische sind sowohl als Sitz- oder Stehtische zu verwenden. Sie sind mobil und lassen sich zu unterschiedlichen Gruppen stellen, um den Aktionsraum flexibel zu gestalten.

Die leichten Stellwände sind – neben Sichtschutz und Schalldämmung – als Pinnflächen und vertikale „Ablagefläche“ nutzbar. An den Traversen zwischen den Türmen können zwei Stellwände übereinander gefächert werden: So lassen sich Bereiche schnell öffnen oder schliessen.

Da Gruppenarbeit auch von der Transparenz der Arbeitsergebnisse des Einzelnen lebt, können die Pinnwände jedem Beteiligten einen schnellen Überblick über den jeweiligen Projektstand geben. Bei Besprechungen in der Arbeitsgruppe lassen sie sich ebenso für Präsentationen einsetzen.

Die prägnante räumliche Wirkung der Türme und ihre Verbindung durch die Traversen schafft einen erwünschten Effekt: Im architektonischen Raum werden Bereiche abgegrenzt, ohne dass die Verkehrswege und damit auch die Möglichkeiten für Begegnung blockiert werden. Raum und Struktur werden für die Nutzer der Einrichtung durch die individuelle Organisation des eigenen Bereiches interpretierbar.

 

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Realisierung der Einrichtung und Typologien des Mobiliars,
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Planungszeichnung der Einrichtung
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Türme und Traversen

 

Die Türme – untereinander durch Traversen verbunden – strukturieren den offenen Raum, ohne die Nachteile von Wänden: Kommunikation zwischen den Bereichen ist jederzeit möglich und – durch leicht handhabbare Stellwände – in der Durchlässigkeit regulierbar.

Die frei im Raum positionierbaren Turm-Container werden aus kubischen Modulen durch Übereinanderstapeln gebildet. Im Sinne des Versuchslabors werden diese Module mit unterschiedlichen Organisations-Elementen ausgestattet.

Die leichten Stellwände, die an die Traversen zwischen den Türmen angelehnt werden können, erfüllen mehrere Funktionen: Neben Sichtschutz und Schalldämmung, sind sie – einseitig mit Filz bespannt – als Pinnflächen und als vertikale „Ablagefläche” nutzbar. Leicht gebaut sind sie einfach zu handhaben. Durch die Doppeltraverse können zwei Stellwände übereinander gefächert werden: Bereiche lassen sich schnell öffnen oder schließen.

 

 

Der TurnTable
Arbeitsplätze zum Sitzen, Stitzen, Stehen…

Für die Arbeitsplätze wurden Tische eingesetzt, die sich sowohl für die Arbeit im Sitzen als auch im Stehen eignen. Der Tisch mit zwei rechtwinklig zueinander stehenden Flächen läßt sich um 90° drehen, so ergeben sich Positionen für Sitz- oder Stehhöhe. Die hier gezeigte Variante bietet in der Sitzposition eine rückwärtige Blende, an der unterschiedliche Organisations-Elemente angehängt werden können.

 

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Office Help – Studie zur Organisation
von Raum, Hardware und Software

Office Help für Borland in München

 

Office Help
Studie zur Organisation von Raum, Hardware und Software
bei Borland Deutschland GmbH in München, 1990

Guido Englich, Bernhard Meyer, Anna Wagner

Das Projekt Office Help entstand Anfang der 1990er Jahre als Untersuchung der Büroorganisation und Arbeitskultur des Münchner Software-Unternehmens Borland. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass sich mit den damals entstehenden dezentralen und netzwerkartigen Arbeitsformen auch neue räumliche Anforderungen entwickelten. Statt klassische Bürolandschaften zu planen, verstanden wir den Arbeitsraum als „Lebens-Raum“ – als soziale, kommunikative und permanent veränderbare Struktur.

Unsere Arbeitsweise nannten wir „Scan in Progress“: ein Vor-Ort-Entwerfen, bei dem Analyse, Entwurf und Umsetzung nicht getrennt voneinander stattfanden. Über längere Zeiträume arbeiteten wir direkt im Unternehmen, beobachteten Arbeitsabläufe, installierten temporäre Versuchsanordnungen und entwickelten diese gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen weiter. So entstand Schritt für Schritt ein Prozess aus Beobachtung, Simulation, Umbau und erneuter Anpassung.

Im Mittelpunkt standen Fragen nach Kommunikation, Abschirmung, Flexibilität und Aneignung des Raumes: Wie entstehen Orte für konzentriertes Arbeiten und informelle Begegnungen zugleich? Welche räumlichen Strukturen fördern Eigenverantwortung, Austausch und eine nicht-hierarchische Arbeitskultur? Die entwickelten Konzepte reichten von mobilen Raumteilern und improvisierten Materialsystemen bis zu experimentellen Arbeitsplatz- und Kommunikationssituationen.

Aus heutiger Perspektive lässt sich Office Help als früher Beitrag zu einer prozess- und nutzerorientierten Gestaltung von Arbeitsumgebungen lesen. Viele der damals entwickelten Methoden – das Arbeiten vor Ort, das Beobachten realer Arbeitsabläufe, das temporäre Installieren und iterative Verändern räumlicher Situationen – entsprechen Ansätzen, die heute unter Begriffen wie New Work, partizipatives Design, Co-Design oder räumliches Prototyping diskutiert werden. Das Projekt verstand Bürogestaltung nicht als abgeschlossene Planung eines festen Zustands, sondern als offenen Entwicklungsprozess, bei dem Räume gemeinsam mit ihren Nutzer:innen entstehen und sich fortlaufend verändern können.

 

Probeaufbau bei Borland

 

Präsentation

 

Borland_OfficeHelp_1

 

Office Help 1
Büro als Lebens-Raum
Beobachtungen und Vorschläge zur Raum-Organisation bei Borland

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Borland_OfficeHelp_2

 

Office Help 2
Zum Raum im Raum
Script zur Prototypen-Entwicklung von Wand und Container-Elementen

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Borland_OfficeHelp_3

 

Office Help 3
Projekte, Installationen, Kommentare

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