PROZESS: Ideation

Stadtspaziergang, Ideation Workshop, Intensivwoche

Stadtspaziergang
15.10.2025, Halle (Saale)

In einem kurzen Workshop sahen wir uns zwei verschiedene Arten von PV-Modulen an. Beim ersten Modul handelt es sich um eine faltbare Photovoltaikanlage, die häufig im Campingbereich eingesetzt wird. 

Der künstlerische Mitarbeiter Andi Wagner stellte uns dieses Modul als Möglichkeit zur mobilen Energiegewinnung auf Messen oder Veranstaltungen vor. In Verbindung mit einer Batterie kann beispielsweise ein kleiner Messestand samt Beleuchtung autark betrieben werden. Ohne zusätzliche Batterie wäre eine Nutzung jedoch kaum möglich. Das faltbare Modul lässt sich zusammenklappen, in einer Tasche verstauen und leicht transportieren.

Das andere Modul ist ein klassisches „Balkonkraftwerk“, das im Baumarkt erhältlich ist und üblicherweise in größeren Anlagen auch auf Gebäudedächern installiert wird. Dabei handelt es sich um ein PV-Modul in standardisierter Normgröße, das zusammen mit einem Wechselrichter und einem Anschlussstecker verkauft wird. Der Wechselrichter ermöglicht es, die erzeugte Sonnenenergie (Gleichstrom) direkt in den Stromkreislauf eines Haushalts einzuspeisen.

Durch die Gegenüberstellung beider Module wurden die jeweiligen Anwendungsbereiche veranschaulicht und ein klarer Unterschied in ihrer Leistungsfähigkeit aufgezeigt.

Im Anschluss an die Präsentation der verschiedenen Solarmodule folgte ein Stadtspaziergang. Während dieses Rundgangs sollten wir die Umgebung auf mögliche „Solarlücken“ untersuchen also Bereiche, in denen ein Photovoltaikmodul installiert werden könnte. Die Aufgabe bestand darin, diese potenziellen Standorte mit Kameras zu dokumentieren und später in einem Vortrag zusammenzuführen.

Die Teilnehmer*innen machten sich in Kleingruppen auf die Suche nach geeigneten Flächen für PV-Module. Der Untersuchungsraum war frei wählbar, wobei die meisten Gruppen die fußläufige Umgebung unserer Hochschule erkundeten.

Das Ergebnis waren spannende Fotografien und Beobachtungen, die wiederum neue Ideen für das Projekt hervorbrachten

Ideation Workshop
26.10.2025, Halle (Saale) 

Ausgangspunkt für den Ideation Workshop war ein morgendlicher Stadtspaziergang. Dabei suchten und fotografierten wir Orte, an denen ein Solarmodul angebracht werden könnte. Anschließend druckten wir die Fotos aus und entwickelten darauf basierend Stereotype-Personas, um ein klareres Verständnis möglicher Zielgruppen zu gewinnen. Das jeweilige Foto diente als Grundlage für die Frage, wer an diesem Ort leben könnte. Zu jeder Persona erstellten wir eine kurze Beschreibung, eine Skizze sowie Angaben zur Wohn- und Lebenssituation.

Danach sammelten wir Begriffe zu potenziellen Eigenschaften von Balkonkraftwerken, die es noch nicht gibt. Dabei ging es weniger um technische Machbarkeit als um freies, visionäres Denken. Es entstanden Begriffe wie aufblasbar, dekorativ, transportabel oder stapelbar. Im nächsten Schritt kombinierten wir Materialien und Technologien, die miteinander funktionieren könnten, etwa geschmiedetes Blech, verschweißtes Profil oder gewebtes Textil. So entstanden an der Wand drei Ebenen: die Personas, die Wunschgedanken und die Material- und Technologiekombinationen.

Anschließend wurden diese Elemente zufällig kombiniert und um Haltungen aus den Vorträgen ergänzt. In Zweierteams setzten wir die Kombinationen in kurzen, intensiven Arbeitsphasen zeichnerisch um. Für jede der drei Kombinationen hatten wir nur zehn Minuten Zeit, um möglichst viele spontane Ideen zu entwickeln. Ziel war es, durch ungewöhnliche Zusammenstellungen neue Denkansätze zu ermöglichen.

Am nächsten Tag stellten wir die entstandenen Entwürfe in der Gruppe vor. Danach wählte jede Person einen Entwurf aus, klebte ihn auf ein vorbereitetes A1-Blatt und schrieb in acht Minuten eine kurze Geschichte dazu. Im Rotationsprinzip ergänzten wir anschließend die Geschichten der anderen und fertigten zum Abschluss eine passende Skizze an. Der Workshop endete mit einem gemeinsamen Austausch über die vielfältigen Ergebnisse und kreativen Ansätze, die im Prozess entstanden sind.

Intensivwoche
17.11.2025, Halle (Saale)

In dieser Intensivwoche lag der Schwerpunkt auf einer methodischen Herangehensweise an den Gestaltungsprozess. Ein zentrales Element war das Arbeiten mit Varianten. Für jedes Konzept sollten mindestens drei unterschiedliche Ausführungen entwickelt werden. Die Varianten konnten sich in ästhetischen Merkmalen, strukturellen Prinzipien, Verbindungstechniken, Materialkonzepten oder funktionalen Ansätzen unterscheiden. Ziel war es, unterschiedliche Lösungsrichtungen sichtbar zu machen und vergleichbar zu halten.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Einsatz von Modellen als Bestandteil des Arbeitsprozesses. Modelle dienten nicht der finalen Darstellung eines Entwurfs, sondern der Klärung offener Fragen. Sie sollten helfen, räumliche Proportionen, Funktionsweisen, Materialverhalten oder konstruktive Entscheidungen zu untersuchen. Dabei konnten sowohl reale Materialien als auch Ersatzmaterialien, maßstäbliche Modelle, improvisierte Mock-ups oder digitale Modelle verwendet werden, sofern sie eine relevante Erkenntnis ermöglichten.

Auch der gezielte und effiziente Einsatz von Werkzeugen wurde thematisiert. 3D-Druck wurde in dieser Woche nicht für die vollständige Herstellung von Objekten genutzt, sondern primär für kleinere Elemente wie Verbindungsteile. Offene Bibliotheken für generative Steckverbinder oder ähnliche Bauteile konnten zur Zeitersparnis herangezogen werden. Der Fokus lag dabei auf dem Erkenntnisgewinn durch das Modell, nicht auf technisch detaillierten Endlösungen.

Da die verfügbare Werkstattzeit begrenzt war, wurde eine zweckmäßige Arbeitsweise erforderlich. Eine grundlegende Planung war sinnvoll, jedoch ohne den Anspruch vollständiger Vorabentscheidungen. Modelle sollten schnell erstellt, überprüft und überarbeitet werden. Wenn möglich, wurden sie im realen Anwendungskontext getestet, da Aspekte wie Maßstab, Gewicht und räumliche Wirkung dort besser beurteilt werden konnten.

Ein weiteres Ziel dieser Woche war es, für jedes Projekt einen Arbeitstitel sowie einen Untertitel zu formulieren, der den Kern der Idee knapp beschrieb. Dies diente der inhaltlichen Fokussierung und erleichterte die Kommunikation. Die Betreuung erfolgte über tägliche kurze Check-ins, ergänzt durch die Möglichkeit, bei Bedarf weitere Rückfragen zu stellen.