Exkursionsbericht von März 2009

Report über die Reise von 11 Studierenden der Burg Giebichenstein nach Aleppo, Syrien im März 2009

 

VORGESCHICHTE
Den ersten Kontakt des Textildesign an der Burg Giebichenstein (Burg) zur Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Aleppo gab es 2005 durch Prof. Wieland Poser, Herrn Thomas Felke MdL und Herrn Manfred Spiekermann der GTZ Aleppo. Es entstand eine erste Ideenskizze, wie eine mögliche Zusammenarbeit aussehen könnte, die aber nicht weiterverfolgt wurde.
Den ersten Kontakt zwischen Prof. Bettina Göttke-Krogmann und Dr.Holger Kuhle, zuständig für Local Ecomomic Development (LED) der CIM gab es im Oktober 2007. Es entstand die Idee, ein gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen.
Der erste Besuch von Dipl.Des Cornelia Feyll und Prof.Bettina Göttke-Krogmann  erfolgte im Januar 2008. Es entstanden die ersten viel versprechenden Kontakte zu Handwerk, Ausbildung und Industrie.
Die ersten Praktikantinnen der Burg Susanne Stern und Annegret Lembcke arbeiteten in Aleppo von August bis Dezember 2008 im Rahmen ihrer Diplom- bzw Masterarbeiten. Es entstanden konkrete Produkte zu Ikatweberei und Goldstickerei, sowie ein erster Grundstock zum Textilarchiv.

Es entwickelt sich ein verzweigtes textiles Netzwerk – beteiligt sind Handwerker, Industrie, Altstadtverwaltung, Handel, Universität, Ethnologen, Archäologen, Designer, Ausbilder, etc
Wir entwickeln die Idee des Aleppo Textile House (ATH) als flexible Institution, um die unterschiedlichen Wünsche, Anforderungen, Impulse zusammenzuführen und möglicherweise langfristig zu etablieren: als Label oder Gütesiegel, mit Textilarchiv, mit Ausbildungsstätten, vielleicht sogar mit einer eigenen Manufaktur.

MOTIVATION  
Fremde Kulturen dienen Gestaltern immer wieder als Impulsgeber, als Quelle für Inspiration, für Erfahrungen und die persönliche Entwicklung.
Wir sind mit der Exkursion einen Schritt weiter gegangen als meistens üblich: Es war eine Mischung aus Input und Output – viel Anschauen, viele Eindrücke zulassen, um sie dann direkt vor Ort umzusetzen. Die Studentinnen waren in der permanenten Auseinandersetzung mit den Schnittstellen Handwerk – Design und Orient – Okzident.

  • Ulrike Kettlitz
    Was war der nachhaltigste Eindruck von Aleppo? Die Betriebsamkeit bei Tag und die Stille bei Nacht. Die Lebensart der Menschen und die Unterschiede innerhalb der Stadt.  
  • Claudia Kühn
    Was hat Dich am meisten inspiriert? Die charmante Unperfektion, durch welche jeden Tag und überall stimmungsvolle individuelle Ecken zu entdecken waren. Was hast Du nicht verstanden? hmm, Arabisch?
  • Anna Hegedüs
    Woran erinnerst Du Dich a liebsten? Immer: an die Muezzin Gesänge! der erste Tag: wir waren auf dem Platz vor der Zitadelle, die Zitadelle an sich, die Menschen, die Blicke, ...ich war total überwältigt, ehrfürchtig. Hammam: die fast „rituelle“ Waschung durch die Hammamfrauen ohne Schamgefühl und Berührungsangst.. .und die Gesamtästhetik... Die Vorstellung der Intimität der arabischen Frauen unter sich. Natürlich auch die Gänge durch den Souk, die Männer die jede Nacht gegen drei singend aus dem Hammam kamen, und das Aufwachen zum unverständlichen Gebrabbel und Treiben des Souks unter uns.
  • Josefine Düring
    Was hast Du nicht verstanden? Wie die Menschen bei so viel Teetrinken überall und mit jedem, es wirklich schaffen, zu arbeiten.
  • Ina Riechert
    Woran erinnerst Du Dich a liebsten? Die nächtlichen Muezzinrufe. Das Essen. Das     leckere grüne Lime-Minze-Getränk mit gecrashtem Eis. Bananenmilchshake im Souq.
  • Sylvia Riegger
    Was hast Du nicht verstanden? Man kann es nicht 100% verstehen, wie es ist in einem muslimischen Land als Frau zu leben. Beeindruckt aber auch gleichzeitig das Zusammenleben und -arbeiten von Christen und Moslems.
  • Uta Tischendorf
    Woran erinnerst Du Dich a liebsten? An die Ruhe und die damit verbundene Freiheit, die man auf der Dachterrasse genießen konnte – mit dem Blick über die grau sandige farbige Stadt - mit den Verschachtelungen der Dächer und  den vielen Moscheen, die Andersartigkeit, der feine staubige Wind, der einem oft die Sicht vertrübt und einen in die Ferne wegtrug - dazu der Gebetsgesang - hier konnte man aufatmen, Kräfte sammeln und die vielen Eindrücke verarbeiten
  • Susanne Stern
    Wie hast Du Dich verständigt? Englisch und viel Gestikulation
  • Suse Brand
    Was war der nachhaltigste Eindruck von Aleppo? Die zwanglos bis leidenschaftliche Hilfsbereitschaft der Bewohner. Das Aufeinanderkrachen von Kulturgütern und Chinamüll. Was hast Du nicht verstanden? Das Ignorieren von Anfragen wird als höflicher angesehen, als ein entschuldigendes Verneinen.
  • Annemarie Liebing
    Woran erinnerst Du Dich am liebsten? die Konstellation der Leute mit denen wir in Aleppo waren, das gemeinsame Arbeiten an dem Projekt und das Interesse der Syrier daran, sowie Falafel und Aleppo an sich



ABLAUF
 Bereits zur Vorbereitung in Halle haben wir uns mit der syrischen Kultur, dem Islam und der Stadtgeschichte auseinandergesetzt. Nun ging es direkt in das Leben in der Altstadt: Gewohnt wurde im Khan im Souk und gearbeitet in der Shibani Schule mitten in der Altstadt.
Neben der ganz persönlichen Wahrnehmung der fremden Kultur gab es eine Reihe direkter Begegnungen mit aleppinischen Handwerkern, Händlern, Studenten und Industriellen in Form von Präsentationen, Diskussionen und im persönlichen Austausch.
Auf dem Programm standen „Textile Sightseeing“, die Altstadt – geführt in der Zitadelle, Selbsterkundungen des Souks, Präsentationenen unserer Arbeit an der Burg in der Universität und für die Handwerker, mehrere Diskussionsrunden mit Universität/Handwerk/Industrie und letztendlich viele private Begegnungen mit Syrern – beim Essen, beim Ausflug und mit den vielen freundlichen Händlern im Souk.
In der Hauptsache wurde aber im Workshop in der Shibani-Schule eigenständig gearbeitet, dessen Ergebnisse einer großen Öffentlichkeit, von all denen, mit denen wir in den zwei Wochen zusammen gearbeitet oder denen wir begegnet sind, gezeigt wurde.

UMSETZUNG    
Die Studierenden sollten die Altstadt thematisieren, sie sollten ihre persönlichen Eindrücke der für sie neuen, fremden Welt beobachten und dokumentieren. Das Ziel war die Entwicklung einer Idee für ein Produkt, welches mit den textilen Techniken vor Ort realisierbar sein sollte.
Der Weg ging über die Suche nach der Idee, erste Skizzen auf Papier, erste Versuche auf Stoff in verschiedenen Techniken bis zu ersten Ansätzen zur Entwicklung eines Prototyps.
Neben der Entwicklung der Ideen stand auch die Thematisierung von Designprozessen im Vordergrund. Wie komme ich auf neue Ideen, welche Schritte sind dazu notwendig, wieso reicht es nicht, vorhandene Muster nur neu zu interpretieren durch Veränderung von Farbe oder Proportion? Welche Ideen verletzen möglicherweise die religiösen oder moralischen Gefühle der Aleppiner Bevölkerung?

ERGEBNISSE
Die Ergebnisse der einzelnen Studentinnen waren sehr unterschiedlich. Es entstanden Ideen für konkrete Produkte, die sich in Aleppo vermarkten lassen ebenso wie Ideen für Stoffe, die sich für Merchandising einsetzen lassen oder Ideen, die ihren Weg noch finden müssen.

  • Sylvia Riegger
    Mich inspirierten die Farben der Stadt, sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Am ersten Tag standen wir auf der Zitadelle - und was man sah war eine graue Stadt - und wie ich später auf meinen Fotos entdeckte : gelbe  Taxi- und Baustellenmarkierungsfarbflecken. diese Farbtupfer, wie eine Oase in der gleichförmigen Stadtfarbe, begegnete mir auch nachts. die in blaugrün mit neonlicht angeleuchteten Moscheen sahen wie kleine Inseln in der dunklen Nacht aus - zusammen mit den Gesängen des Muezzins wirkten sie nicht nur für Gläubige anziehend. Ich  wählte eine einfache Viskosequaltiät, die besonders schön im Griff war und eine leuchtende grüne Farbe hatte. Ich wickelte bzw knotete kleine Punkte im Stoff ab, um diese zu reservieren. beim Färber bekam ich schwarzen Farbstoff und konnte damit meine zwei Probestücke färben. Für mich zeigen die Entwürfe eine elegante Schlichtheit. zugleich haben sie eine Beziehung sowohl zur Kultur, als auch zur Stadt selbst.
  • Ulrike Kettlitz
    Es war mir sehr schnell klar - dass sich mein Produkt touristisch vermarkten lassen soll. Gerade auch auf westlichen Märkten. Daher sollte was typisch Aleppinisches adaptiert und umgesetzt werden. Etwas, was sich ein Tourist als Souvenir mitnimmt, was bei uns fremdartig und besonders ist.  So habe ich meine ersten Eindrücke - die Architektur der Altstadt –aufgegriffen und Entwürfe für Schals entwickelt. Später, während der Präsentationen mit den Studenten, habe ich festgestellt, dass die Formsprache der Altstadt für Einheimische aus den neuen Stadtvierteln ähnlich besonders ist, wir für uns. Mit dem Unterschied - dass sie nicht verstanden haben, warum wir an dem „Alten Zeug“ so festhalten. Sie sind selber Touristen in ihrer Stadt und haben gar nicht das Gefühl, wie besonders diese Architektur ist.
  • Ina Riechert
    Ich habe an der elektronischen Stickmaschine gearbeitet. Im Nachhinein denke ich, dass ich meine Arbeit von Anfang an produktorientierter hätte ausrichten müssen. Wenn ich aus dieser Stickerei ein Produkt entwerfen sollte, würde ich einen Schal gestalten.
  • Uta Tischendorf
    Bei meinen ersten Eindrücken fesselten mich das Altstadtlogo und die arabische Typographie. Durch die Stadtführungen und das Durchforsten der kleinen Gassen ist mir immer wieder ein Logo in die Augen gefallen: das der Altstadt von Aleppo. Wahrscheinlich war ich noch zu sehr geprägt von meinem letzten Semesterprojekt, wo ich mich mit Streetart beschäftigt hatte. ...und so packte mich die Neugier und ich ging auf die Suche, was es zu bedeuten hatte und wie es entstand. Durch Gespräche unter anderem auch mit Susanne beschlossen wir, das Projekt gemeinsam zu machen. Des Weiteren fesselte mich auch die arabische Typographie und so versuchte ich auch diese Idee auf zugreifen und auf verschieden Art und Weise – durch den Kontrast Fläche und Linien umzusetzen.
  • Susanne Stern
    Aleppo fehlt ein Produkt, in dem es um die Stadt selbst geht. Jeder wichtige Ort hat ein Symbol oder ein Produkt, dass etwas von dem Stadtgesicht aufnimmt. In Aleppo ist mir kein prägnantes aufgefallen. Warum sollte nicht mit Stoffen begonnen werden? Die Designs wenden sich sowohl an Touristen als auch an die Bewohner Aleppos. Sie nehmen den allgegenwärtigen Schriftzug der Stadt auf und werden zu einem Muster transformiert.
  • Mechthild Bungenberg
    Ich wollte den Ansatz des Exportes der Massenfertigung hinterfragen, und gleichzeitig die textilen Möglichkeiten in Aleppo stärken und sichtbar machen. Ziel war die Entwicklung einer Tasche für den Basar, welche handgewebt und bedruckt die Zusammenarbeit der verschiedenen Handwerke mit Blickrichtung der Eigenwerbung profitabel fördern könnte.
  • Josefine Düring
    Meine Idee war es, mit Jacquardweberei zu arbeiten und darüber Gewebe zu fertigen, die dann durch Handstickerei veredelt werden sollten. Dadurch wollte ich einerseits den industriellen Prozess und das traditionelle Handwerk verbinden, und andererseits den Stickgrund, der zum Sticken benötigt wird, gestalterisch verbessern bzw. schon hier mit der Gestaltung beginnen. Diese Textilien sollten dann für Bekleidung verwendet werden können.
  • Annemarie Liebing
    Aus dem breiten Bereich der uns zur Verfügung stehenden Mittel in dieser kurzen Zeit, ist dann ein bedruckter Pullover entstanden, mit einem Kragen/einer Kapuze die man auch als Kopftuch interpretieren konnte. Ich wollte mit dem Druck, der sonst nur auf Tüchern angewendet wurde zeigen, dass er vielseitiger sein kann und durch den Kragen den man auch als Kapuze benutzen kann, wollte ich auf das dort gebräuchliche Kopftuch aufmerksam machen, was nicht immer im Zusammenhang mit der Religion tragbar ist (sozusagen auch von einer anderen „Zielgruppe) getragen werden kann. Mir war es wichtig im Zusammenhang mit den dortigen Handwerkern, dem Leben der Syrier und meinem westlichen Einfluss in Balance zu bleiben. Und trotzdem zu veranschaulichen das man aus den dortigen Handwerk auch mal etwas anderes machen kann.
  • Anna Hegedüs
    Im Gesamten wirkt das Kleidchen sehr entwaffnend und niedlich, ganz im ironischen Gegensatz zu der eigentlichen Assoziation beim Anblick des Tuches. Dies ist kein politisches Statement sondern eher ein Versuch wie man mit (in diesem Fall politisch negativ)stark konnotierten Motiven, also Symbolen spielen kann, sie von ihrer Konnotation befreit....oder zumindest ein Stück. Das Ergebnis ist dann wohl doch provokativ, ich glaube aber gerade dadurch, dass der Betrachter es nicht einordnen kann, verwirrt ist.
  • Suse Brand
    Die gesammelten visuellen Eindrücke habe ich in bildhafte Gestaltung übersetzt. Skizzenhaft, aber kraftvoll in abstrakten Formen und klaren Farben habe ich versucht, die erste Begegnung mit der Stadt direkt auf dem Textil umzusetzen. Inspiration waren, neben der textilen Vielfalt, auch die lebendige Stadtstruktur und die andere Lebensart, die mich mit meinen europäischen Gewohnheiten beeindruckte. Diese freien Kompositionen habe ich auf Tücher übertragen, da diese sowohl traditionell als auch touristisch ein sehr beliebtes Produkt sind.
  • Claudia Kühn
    Es war mir klar das ich kein Textildesign, sondern eher eine Klamotte oder ein Accessoire machen wollte, und ich selbst hatte in den ersten Tagen in Aleppo mitbekommen dass es manchmal angenehmer war, sich etwas verhüllter zu bewegen. Aber man möchte seine sportlich-modische Seite als deutsches Touristen-Mädchen doch nicht ganz vernachlässigen. Also war das Kapuzenshirt eine Idee. ein Produkt, das aus der eigenen Notwendigkeit entstand. Noch dazu lässt sich das gut mit Designs, ob nun traditionelle oder neu entwickelte, kombinieren.

FAZIT
Alles in allem war es eine sehr produktive, spannende und inspirierende Reise für die Studierenden. So unterschiedlich die Studentinnen waren, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen und die Ergebnisse. Für das Projekt Aleppo Textile House gibt es neue Impulse und neue Erfahrungen. Neue Impulse durch die entstandenen Ideen, die sicherlich auch neue Fragen aufgeworfen haben. Neue Erkenntnisse durch die vielen Gespräche mit den Syrern, denen wir begegnet sind.

Das Anliegen, unsere Designauffassung den Handwerkern näher zu bringen, war nicht so einfach.
Eine Diskussion darüber ergab sich nur im direkten persönlichen Gespräch, war aber ein wichtiger erster Schritt. Es liegt daran, dass die meisten Handwerker auftragsspezifisch arbeiten, selten eigene Entwürfe realisieren. Deshalb ist eine differenzierte, intensive Kommunikation über die Prozesse von Designer/in und Handwerker notwendig – was übrigens wenig mit den kulturellen Unterschieden Europa-Orient zu tun hat, die Problematik ist in Europa ähnlich gelagert. In der kurzen Zeit des Workshops konnten nur Ideenskizzen entstehen, keine produktionsreife Prototypen – das erschwerte natürlich ebenfalls etwas die Verständigung über unsere Entwürfe.
Das Anliegen, eine fremde Kultur nicht nur zu sehen, sondern zu erleben ist voll und ganz aufgegangen. Die Eindrücke waren vielfältig und vor allem sehr intensiv. Unabhängig von der syrischen Kultur hat die Auseinandersetzung mit dem Handwerk zu neuen Impulsen auch für unsere Arbeit geführt – das Spannungsfeld zwischen Design und Handwerk spielt durch die individualisierte Gesellschaft auch in Europa eine immer wichtigere Rolle. Technologien wie z.B. der Digitaldruck ermöglichen eine große Produktvielfalt im Gegensatz zur Massenware. Analoge Prozesse im Handwerk bieten das Potential für individuelle Designprodukte, die diesen wachsenden Markt bedienen können.

  • Susanne Stern
    Handwerk und Design gehören unbedingt zusammen. Handwerkliches Know-How gibt dem Designer erst die Möglichkeit des Ideenschöpfens und gibt dem Raum für das Spiel mit den Möglichkeiten. Zusätzlich erobert das Handwerk seinen Platz in einer wachsenden Community zurück, die sich von der Wegwerfgesellschaft distanziert und sich bewusst für Produkte entscheidet, welche die Kriterien Nachhaltigkeit und Resourcenbewusstsein erfüllen können.
  • Sylvia Riegger
    Eine gute Symbiose stellen Handwerk und Design dar, wenn Handwerk dazu dient, Entwürfe mit einer Geschichte oder aus einem konzeptionellen Zusammenhang umzusetzen und ein kostbares Stück daraus zu machen. Von Hand gearbeitete Stücke verdeutlichen das kostbare gut „Zeit“ welche investiert wurde, um genau dieses Stück zu produzieren.
  • Ina Riechert
    Handwerklich hergestellte Produkte haben in Europa eine hohe Wertigkeit. Genau deshalb sehe ich die reelle Chance, dass die in Syrien gefertigten Produkte sich auf dem Markt etablieren könnten.
  • Josefine Düring
    Ich sehe im Handwerk ein technisches und formales Potential, aus dem man als Designer schöpfen kann. Vor allem technische Fähigkeiten sind  durch lange Tradition und Ausübung oft perfektioniert. Es kann einem Designobjekt viel an Exklusivität und Einzigartigkeit bringen, wenn es sich dieser Techniken bedient,  da es vor allem auch Individualität schafft. Die Gefahr besteht in der puren Übernahme des „Volkgutes“, welche das Handwerk schon selbst praktiziert, in der Tradierung und Wiederholung der Muster, Formen und Kolorits. Hier liegt nun die Chance im Design, durch Interpretation, Verfremdung, Übertreibung etc. einzugreifen und so einen neuen Kontext zu schaffen. Es kann hier ein interessanter Grenzgang erfolgen, der eine gegenseitige Bereicherung zur Folge haben kann.
  • Mechthild Bungenberg
    Solide Beherrschung des Handwerkes ist für mich die Basis für gutes Design. Design beinhaltet wiederum die Freiheit, Handwerk anders zu interpretieren. Diese Freiheit basiert aber auch auf Gesetzen der Form als handwerkliche Grundlage eines guten Designs.
  • Suse Brand
    Die Einflechtung von künstlerischen Konzepten in handwerkliche Abläufe macht Erzeugnisse wertvoll und interessant. Ich bin ein großer Freund der Ästhetik von Handgemachtem. Oft erhält Design seine gestalterisch/ künstlerische Qualität nicht durch eine reibungslose Abfertigung, sondern durch lebendige Anfertigung.

Im Anschluss an den Workshop blieben drei Studentinnen für jeweils ein paar Monate in Aleppo: Suse Brand arbeitete an einem Projekt mit Druckern und Stickern, Josefine Düring an dem Textilarchiv und an Jacquardweberei in Verbindung mit Stickerei, Annegret Lembcke an Seidenikats.
In Halle wurden einige der Ideenskizzen zu Prototypen weiterentwickelt.
In Aleppo hat sich eine Arbeitgruppe von Förderern des Aleppo Textile House gebildet.
Mit den Textilingenieuren der Universität Aleppo ist eine Zusammenarbeit geplant, gemeinsam an Umsetzungen zu entwickeln.
Das Netzwerk funktioniert und wächst.
Wir hoffen sehr, dass aus der Idee Aleppo Textile House ein Qualitätsmerkmal wird, das für aleppinische Produkte internationale Standards setzt – gerne mit unseren Produkten, gerne nachhaltig, gerne in Zusammenarbeit mit sozialen Projekten, gerne auch weiter mit uns.

Halle im August 2009
Prof. Bettina Göttke-Krogmann