in relation to – Positionen junger Bildhauer*innen aus Deutschland

Gezeigt werden Arbeiten junger Künstler*innen, die dazu anregen, die Bildhauerei als Gattung der Gegenwartskunst zu befragen.

Gestaltung: Miriam Humm & Marcus Wachter

Mit dem Ausstellungstitel in relation to wird auf eine Arbeitsweise zahlreicher der jungen Künstler*innen aufmerksam gemacht, die  Entscheidungen zum plastischen Prozess kontextbezogen, medienübergreifend und diskursorientiert treffen und die Bildhauerei im 21. Jahrhundert weiterentwickeln. .
Eine Ausstellung im Rahmen von Frühling in Halle (Saale): Spektrum Bildhauerei.

Die Burg Galerie im Volkspark zeigt eine Ausstellung mit elf jungen Bildhauerei-Positionen aus Deutschland, die zeitgleich zur Ausstellung von Willy Schulz, Gustav-Weidanz-Preisträger 2021, im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zu sehen ist. Präsentiert werden vom 19. Mai bis 12. Juni 2022 plastische und raumbezogene Arbeiten, die durch ihren ungewöhnlichen Umgang mit Formen und Materialien sowie das Zusammenspiel mit anderen Medien überzeugen und die dazu anregen, die Bildhauerei als Gattung in der Gegenwartskunst zu befragen.
Nachdem im Jahr 2020 mit twittering machine die erste Ausstellung in der Burg Galerie im Volkspark die Bildhauerei als künstlerisches Medium der Gegenwart in den Fokus stellte und Künstler*innen aus ganz Deutschland einlud, zeigt in relation to nun zum zweiten Mal, wie wandlungsfähig die Bildhauerei als  Gattung der zeitgenössischen Kunst ist. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf plastischen und raumbezogenen Arbeiten, die zeigen, dass sich für die jungen Künstler*innen grundlegende Parameter des Bildhauerischen verändern. Das betrifft im weiteren Sinne die Frage nach Schnittstellen mitanderen Bereichen. So werden vielfältige Verbindungen und Wechselwirkungen untersucht: mit den Wissenschaften, mit Natur und Technik, mit Raum- und Zeitwahrnehmung, mit dem Alltäglichen, aber auch mit ideologischen Konstrukten und Körperdiskursen. Besonders intensiv wird die Frage nach dem Raum verhandelt. Arbeiten greifen in die Architektur ein, hinterfragen die Bedeutung räumlicher Funktionselemente, besetzen den Außenraum oder simulieren einen unendlichen Raum. Neben dem Raum bildet das Untersuchen von Material fernab bildhauerischer Selbstverständlichkeiten einen weiteren Schwerpunkt.
In relation to beleuchtet die zeitgenössische Bildhauerei als etwas, das sich im Raum verortet und dabei in viele Richtungen ausstrahlt sowie vielfältige Beziehungen zwischen Kunstwerken, Betrachter*innen und Disziplinen untersucht und neu herstellt.

So untersucht Charlotte Antony, Studierende im Diplom der Studienrichtung Bildhauerei/Metall der BURG, in ihrer Arbeit die Schnittstellen zwischen  Zeichnung und  Bildhauerei. In Papier werden Eigenschaften von Metall eingeschrieben. Die Graphit-Fläche kann als Zeichnung, als Skulptur oder als Material verstanden werden.

Ebenso setzt Simon Baumgart, Alumnus der Bildhauerei der BURG, die Bildhauerei in Wechselwirkung mit verschiedenen Medien und öffnet so neue Bedeutungsebenen. Konsequent hinterfragt er in Zeiten der Nutzung von Social Media die Abbildbarkeit des eigenen Körpers und spielt mit der Bedeutung von Text und Zeichen. Je nach Betrachtungsweise wählt er das Material und testet Überschneidungen zwischen Fläche und Objekt sowie Übergänge vom einen zum anderen.

Ähnlich medienübergreifend ist  die Position Maja Behrmanns, Alumna der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, die sich als Malerin der bildhauerischen Form nähert. Sie arrangiert gedrehte und geschnitzte Holzobjekte mit fluidem Strickmaterial zu Ensembles. Das Aufeinandertreffen von einerseits scharfen Umrissen, festem Material und signalhafter Farbigkeit mit andererseits weich-fließenden Material und dessen teils gepixelten Farbverläufen bringt Form und Oberflächen in einen intensiven Dialog.

Mit ihren sensiblen Arbeiten geht Leona Blum, Studierende im Diplom der Studienrichtung Schmuck der BURG, dem Thema Zeit auf den Grund. Sie verdeutlicht Zusammenhänge zwischen der Abfolge von Zeit und wie wir diese individuell wahrnehmen. Eine Arbeit stellt zum Beispiel ein Jahr als Netz mit geknüpften Knoten dar und gibt so einer abstrakten Vorstellung eine dreidimensionale Form.

„Bin ich mehr eine Alchemistin als eine Künstlerin?“ – fragt sich Elena Greta Falcini, Alumna der Hochschule für bildende Künste Hamburg, um mit ihren Arbeiten zu postulieren, dass sie beides vereint. In ihrer bildhauerischen Praxis geht sie soweit, Materialien selbst zu erfinden und Transformationsprozesse zu untersuchen. Dafür mischt sie verschiedene Chemikalien und Essenzen. Es geht ihr dabei nicht um Imitation, sondern stets um ein Werden.

Dagegen verhandelt Suah Im, Alumna der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, in Filmen, Zeichnungen, Installationen und Performances dringliche Fragen eines Ichs. Es geht um das Sich-zurecht-finden an fremden Orten, um den Umgang mit dem Körperlichen, mit Antriebslosigkeit und Selbstoptimierung bis hin zu psychischen Unwägbarkeiten.

Die installativen Arbeiten von Sidsel Ladegaard, Alumna der Universität der Künste Berlin, sind eine Auseinandersetzung mit Innen- und Außenraum, mit Einrichtung und Leerraum, Fläche und Körper, Verdichtung und Ausdehnung. Dabei bedient sie sich gängiger Elemente des Interieurs: Eigens hergestellte Teppiche, Matratzen, Glasplatten, Keramiken und Metallobjekte werden als Material und sinngebende Form interpretiert und als raumverändernd verstanden.

Das bevorzugte Material von Lukas Liese, Alumnus der Weißensee Kunsthochschule Berlin, ist Stein. Den Künstler interessieren dessen physische Präsenz im Raum, die geologischen Eigenschaften sowie seine kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutungen. In diesen Parametern sieht er das Potenzial der Wechselwirkung zwischen Material und seiner Semantik nachzugehen.

Boohri Park, Alumna der Hochschule für Bildende Künste Dresden, arbeitet hingegen ortsspezifisch. Ihre Eingriffe im Raum, die aus einer sorgfältigen Beobachtung des Vorhandenen resultieren, ergänzen, erweitern und verwandeln die bestehende Architektur. Anhand subtiler Interventionen aus Holz oder Textil werden Blickrichtungen und damit die Wahrnehmung der Umgebung und das körperliche Erleben der Betrachter*innen befragt und verändert.

Die installativen und poetischen Arbeiten von Catharina Szonn, Alumna der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, sind buchstäblich in Bewegung. Mit geballter Materialwucht und feiner Präzision sowie blinkender Schrift werden Fragen nach der Unendlichkeit oder Begrenztheit von Raum verhandelt. Dabei geht es auch um das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie, um Fragen nach Fortschritt, Wachstumsutopien und deren Scheitern.


Mathias Weinfurter, Alumnus der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, wird am Gebäude des Volksparks in Halle (Saale) eine „Status-Quo-Leiter“ anbringen. Während eines Aufenthaltes in Jerusalem 2013 hat er von einer Leiter erfahren, die an der Grabeskirche steht und nicht verändert werden darf.  Davon ausgehend hat er 2018 begonnen, an den verschiedensten Orten eigene Status-Quo-Leitern aufzustellen und diese Standorte fotografisch dokumentiert.
 

Ausstellende:
Charlotte Antony (Halle (Saale)), Simon Baumgart (Halle (Saale)), Maja Behrmann (Leipzig), Leona Blum (Halle (Saale)), Elena Greta Falcini (Hamburg), Suah Im (Stuttgart), Sidsel Ladegaard (Berlin), Lukas Liese (Berlin), Boohri Park (Berlin), Catharina Szonn (Frankfurt/Main), Mathias Weinfurter (Köln)
 

Ausstellungdauer:
Do, 19. Mai bis So, 12.Juni 2022
täglich 14–19 Uhr
(kostenfrei & ohne Voranmeldung)

Jeweils sonntags 15 Uhr
Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge
führen durch die Ausstellung

Eröffnung: Mi, 18. Mai 2022 / 18 Uhr

 

Begleitprogramm:

Do, 19. Mai / 17 Uhr
Kuratorin Dr. Jule Reuter führt durch die Ausstellung

Mi, 1. Juni, 17 Uhr 
Co-Kuratorin Julia Miorin führt durch die Ausstellung

Mi, 8. Juni, 17 Uhr
Co-Kuratorin Flora Taubner führt durch die Ausstellung

Jeweils sonntags 15 Uhr
Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge führen durch die Ausstellung

 

Kurator*innen: Dr. Jule Reuter (Kuratorin Burg Galerie im Volkspark) und Prof. Rolf Wicker (Prorektor der BURG) in Zusammenarbeit mit Julia Miorin (Künstlerische Mitarbeiterin Bildhauerische und installative Praxis) und Flora Taubner (Kuratorische Assistenz Burg Galerie im Volkspark)

 

Ausstellungdauer:
Do, 19. Mai bis So, 12.Juni 2022
täglich 14–19 Uhr
(kostenfrei & ohne Voranmeldung)

 

Jeweils sonntags 15 Uhr
Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge
führen durch die Ausstellung

 

Eröffnung: Mi, 18. Mai 2022 / 18 Uhr

Ausstellungdauer:
Do, 19. Mai bis So, 12.Juni 2022
täglich 14–19 Uhr
(kostenfrei & ohne Voranmeldung)

 

Jeweils sonntags 15 Uhr
Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge
führen durch die Ausstellung

 

Eröffnung: Mi, 18. Mai 2022 / 18 Uhr